Kein 2.-Bundesliga-Volleyball mehr in Essen: Die Frauen der Allbau Volleys wechseln ab nächster Saison als Team geschlossen zu einem Klub nach Düsseldorf. Das Zweitliga-Spielrecht nehmen sie von ihrem Noch-Verein VC Borbeck mit.

Trainer und Teammanager Marcel Werzinger, der in gleich mehreren Personalunionen auch dem VC Borbeck einige Zeit vorstand, begründete diese Entscheidung: „Es lohnt sich nicht, weiterzukämpfen und gegen Windmühlen anzurennen.“ Ihm habe es beim VC immer wieder an Leuten, die unterstützen, gemangelt. Daraufhin hat sich jetzt der aktuelle Vorstand des Borbecker Volleyballclubs mit einer Stellungnahme gemeldet.

Zweitliga Volleyball in Essen: Fokus auf Bundesliga-Team belastete Vereinsleben

„Die Aussagen haben alle hier überrascht und emotional reagieren lassen. Wir sind ja eigentlich immer noch ein Verein“, sagt Steffen Bertram, der als sportlicher Leiter dem Vorstand angehört. Dass es keine Unterstützung, keine Helfer gegeben habe, sei so nicht richtig, berichtigt er. Vielmehr sei es in den letzten Jahren zu einer Entfremdung zwischen Bundesliga-Team und Gesamtverein gekommen. „Bei unseren vielen anderen Volleyball-Mannschaften der Damen, Herren und Jugend waren und sind stets viele ehrenamtlich Engagierte dabei. Das Bundesliga-Team aber hat sein eigenes Ding gemacht und blockte viel ‚von außen‘ ab.“

Volleyball in Essen 2. Bundesliga der Frauen: Trainer Marcel Werzinger von den Allbau Volleys Essen im Spiel gegen den Rote Raben Vilsbiburg. Das Spiel endete am 30.03.2025 in der Essener Sporthalle Bergeborbeck Friedrich-Lange-Straße 15 mit 1:3.
Kritische Doppelrolle: Marcel Werzinger, Trainer der Frauen der Allbau Volleys in der 2. Volleyball-Bundesliga, hatte eine Zeit lang auch die Vereinsführung des VC Essen-Borbeck inne.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

Die Kritik richtet sich konkret an Werzinger bzw. kontert auf dessen Aussagen. Marcel Werzinger übernahm nach dem Ausscheiden seines Vaters Michael, der langjähriger und verdienter Geschäftsführer beim VC war, kommissarisch dessen Aufgaben und war parallel dazu 1. Vorsitzender des Vereins und eben Trainer der Bundesliga-Damen. Laut dem jetzigen Vorstand, sei es in dieser Übergangszeit in vielen Bereichen zum Stillstand gekommen und Entscheidungen sowie deren Umsetzungen wären erschwert worden. Die Phase sei von einer starken Fokussierung auf den Bundesligabetrieb geprägt gewesen – auf Kosten anderer Säulen des Vereins wie der Jugendarbeit.

Volleyball in Essen: Zuletzt leere Ränge in der 2. Bundesliga der Frauen

Als Folge davon sei es eben zum Rückgang des ehrenamtlichen Engagements von Mitgliedern bei den Spielen der Frauen in der 2. Bundesliga gekommen. Damit, so der VC-Vorstand, erklärten sich unter anderem auch die vom Team bemängelten zuletzt so leeren Zuschauerränge. „Dass Marcel mit seiner knappen Zeit einen Fokus auf den Bundesligabetrieb gelegt hat, war auch irgendwo verständlich“, räumt Steffen Bertram ein. „Gleichzeitig wollte er aber auch viele andere Aufgaben an sich reissen, hat verhindert, dass andere Personen etwas übernehmen. Es hieß dann, er würde sich kümmern. Hat er aber nicht.“

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So hätten sich zahlreiche Mitglieder eigenständig zusammengefunden, um eine Neuausrichtung anzustoßen. Wer hier wen „zuerst verlassen“ hat – auch dazu teilt sich der jetzige Vorstand mit. Demnach sei bereits vor den letzten Wahlen die Entscheidung gefallen, sich aus der Bundesliga zurückziehen. Ziel sei es, den Volleyballclub Essen-Borbeck wieder auf ein breites sportliches Fundament zu stellen und die Schwerpunkte auf Nachwuchsförderung, Gemeinschaft und nachhaltiges Wachstum zu legen.

Allbau Volleys Essen hätten beim VC Borbeck bleiben können

„Eigentlich hätte aber gar nicht so viel Porzellan zerbrochen werden müssen“, ergänzt Bertram versöhnlich. „Es hätte Lösungen geben können, dass das Zweitliga-Team weiter hier in Borbeck spielt. Aber irgendwann kamen einfach zu viele Emotionen dazu. Ich habe auch Verständnis dafür, dass das Team ein so gutes Angebot aus Düsseldorf annimmt und wünsche denen alles Gute.“

Bevor der Wechsel in die Landeshauptstadt aber endgültig vollzogen wird, treten die Zweitliga-Volleyballerinnen noch einmal für den VC Borbeck an. Das letzte Spiel dieser Saison am kommenden Samstag, 26 April 2025 zuhause gegen den BBSC Berlin (19 Uhr, Sporthalle Bergeborbeck) ist dann gleichzeitig ihr letztes als Allbau Volleys Essen.