Als das letzte Finale gespielt war, ging der Blick direkt Richtung 2027: „Das war mehr als ein Event – das war ein klares Statement für die Zukunft von 3x3“, sagte Ehrengast Sonja Greinacher unter dem Applaus der Zuschauer. Die 3x3-Super-Week, das Basketball-Turnier für internationale Top-Teams, war gerade zu Ende gegangen. Zwei Tage lang war die der Bochumer Jahrhunderthalle von den Geräuschen auftippender Basketbälle erfüllt, zwei Tage lang saßen jeweils mehrere hundert Zuschauer auf den Tribünen des Hauptspielfelds. Es war eine Premiere. Und schon jetzt steht fest, dass die rasante Basketballvariante auch in den Folgejahren eine feste Heimat in der Jahrhunderthalle haben wird.

Längst denkt man beim Begriff 3x3 nicht mehr an den Matheunterricht, sondern an die in den Sonnenmonaten populäre Variante des Basketballs: Drei Spieler pro Team, ein Korb. 3x3 feierte 2024 seine Olympiapremiere, die deutschen Frauen um die Essenerin Sonja Greinacher holten in Paris Gold. Im Jahr darauf war 3x3 bei den Fisu-Games in Bochum die bei den Zuschauern die beliebteste Sportart der Welt-Universitäts-Spiele. Nun also die Premiere eines regulären Turniers in Bochum. Eines, bei dem es für die Männer um die Qualifikation zur klassenhöchsten „World Tour“ ab Ende April in Japan und dort um Olympia ging, und bei den Frauen um die Eintrittskarte für die Women’s Series, ebenfalls die höchste Spielklasse.

3x3 Super Week
Spektakulär ging es zu bei der 3x3 Super Week.© WAZ | Sameh Sedky

3x3-Super-Week in der Jahrhunderthalle: Noch fit genug?

Bochum als Tor zur Welt. Und so kamen sie: aus Singapur, aus Brooklyn/USA, aus dem polnischen Warschau und dem spanischen Fuengirola. Mittendrin die Teams der deutschen Profi-Vereine Frankfurt Skyliners und Telekom Baskets Bonn, letzterer ist Heimat der Herren-Nationalmannschaft. Und auch die heimischen Sparkassen Stars Bochum waren dabei, feierten bei Männern und Frauen mit ihren 3x3-Profiteams Premiere.

„Das war historisch für Bochum“, sagte auch Lucie Friedrich. Jahrelang spielte die 44-Jährige für die Astro Ladies in der 2. Bundesliga, vor zwei Jahren hatte sie vom ambitionierten Basketball abgedankt und jüngst die U14- und U16-Mädchen des Klubs als Trainerin zur Westdeutschen Meisterschaft geführt. Nun klingelte just das Telefon, es gab einen krankheitsbedingten Ausfall im zweiten Team der Bochumer Frauen. Friedrich: „Ich habe nicht lange überlegt. Ich hatte mir nur Sorgen gemacht, dass ich nicht mehr fit genug bin.“

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Die Sparkassen Stars 2 um Lucie Friedrich (Mitte) bei der 3x3 Super Week in der Jahrhunderthalle.© Graebe Media | Graebe Media

3x3-Super-Week in der Jahrhunderthalle: schwere Stahlträger, stampfende Beats

3x3 ist anders als das klassische 5 gegen 5. Es ist schneller, die zwölf Sekunden für einen Angriff werden selten ausgeschöpft. Es ist mutiger, die Geschwindigkeit setzt schnelle Entscheidungen voraus. Es ist noch vielseitiger, kleine wie große Spieler ziehen zum Korb oder werfen aus naher wie ferner Distanz. Und es ist modern: riesige Leinwände hinter dem Korb, laute Musik in Dauerschleife. Dazu die Jahrhunderthalle als besondere Kulisse: schwere Stahlträger und stampfende Beats.

Und ja: Lucie Freidrich präsentierte sich noch erstaunlich fit. Warf sich in gegnerische Pässe, blockte Gegenspielerinnen unter dem Korb und versenkte Würfe aus der Distanz. Die Sparkassen Stars II schafften es bis ins Endspiel, hatten Bielefeld in einem spannenden Halbfinale mit 17:14 niedergerungen. Im Finale war dann aber Hannover, bei den Frauen Stützpunkt der Nationalmannschaft, eine Nummer zu groß und siegte 20:10. „Ich hätte nie gedacht, dass wir das Halbfinale überstehen und es bis ins Endspiel schaffen. Insofern gehen wir mächtig stolz aus der Halle. Wir haben uns gut geschlagen“, sagte Lucie Friedrich.

3x3-Super-Week in der Jahrhunderthalle: Entwicklung gesehen

Als Ehrengast und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) auf der Tribüne neben den 3x3-Olympiasiegerinnen Greinacher, Marie Reichert und Elisa Mevius Platz genommen hatte und die Finalspiele beobachtete, waren zwei heimische Teams nicht mehr dabei. Für die Männer der Sparkassen Stars und das erste Frauenteam war in der Vorrunde Schluss. „Ich bin mir sicher, dass wir solch ein Turnier in Zukunft auch gewinnen können“, sagte Bochums Luca Ozono. „Wir haben gegen die Baskets Bonn und gegen die Spanier gesehen, wie knapp das war. Wir haben schon eine gute Entwicklung gemacht. Wir haben die Chance, da mitzuhalten.“

Besagte Spanier waren die Profis aus Fuengirola. Und die besiegten auch die Bonner im Finale mit 21:19. „Im nächsten Jahr“, versprach Ozono, „sieht es schon anders aus.“

Mehr als ein Profi-Turnier

Neben den internationalen Szene-Stars begeisterten auch Jugend-Turniere und Mitmachformate auf fünf weiteren Courts in den Nebenhallen Kinder, Jugendliche, Familien und Basketballfans am Wochenende gleichermaßen.

Mit dem Wheelchair Super Cup wurde zusätzlich ein inklusives 3x3-Format präsentiert: Die Mannschaft Köln 99ers holte den Finalsieg gegen die Kieler Wheelers und wurde laut gefeiert.