• Bei den Olympischen Spielen in Paris gewann Basketballerin Sonja Greinacher mit dem deutschen 3x3-Team die Goldmedaille.
  • Die Essenerin sprach in ihrer Heimatstadt über ihren Sport und die Erfolge.
  • In diesem Sommer soll es noch einmal zur WM gehen - danach ist Schluss.

Man sollte schnell sein, um Sonja Greinacher zu erwischen. Das musste schon so manche Gegenspielerin auf dem Basketballfeld erfahren, und jüngst hatte auch die Essen Marketing-Gesellschaft das Nachsehen: Die Stadt ehrte vergangenen Samstag ihre Sportler des Jahres, doch die Gewinnerin in der Frauen-Kategorie weilte am Wochenende in Hannover und Hamburg, auch dort wurden die Besten des Jahres 2024 geehrt und Auszeichnungen vergeben. Diese Anfragen kamen einfach schneller.

„Ich wäre gerne nach Essen zur Sportgala gekommen“, sagt Sonja Greinacher wenige Tage später, als sie es doch noch in ihre Heimatstadt geschafft hat. An diesem Abend sitzt sie in einer Marketingagentur in Rüttenscheid und berichtet vor Publikum von ihren Erfolgen und den Folgen. Es geht um Werbung und Emotionen im Sport, Vereinsvertreter von Rot-Weiss Essen und der SGS Essen sind anwesend und tauschen sich mit den Gästen aus. Auch Sonja Greinacher kann einiges zu diesem Themenkomplex beitragen, ist ihre Sportart 3x3-Basketball doch spätestens seit dem 5. August 2024 eine Marke, wie auch sie selbst seit dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Paris zu einer geworden ist.

Olympiasiegerin Sonja Greinacher: „Am Ende ist es Basketball“

Derzeit ist Sonja Greinacher wieder häufiger in ihrer Geburtsstadt. Dort, wo sie im Stadtteil Stadtwald erstmals einen Basketball in die Hand nahm und so den Grundstein für eine Karriere legte, die sie um die Welt führen sollte. Deutscher U16-Meister mit dem ETB Schwarz-Weiß, Erfolge am College in den USA, Bundesligajahre beim Herner TC, polnische Meisterin, Nationalmannschaft – und schließlich 2019 der Schritt zum 3x3, dem hippen Ableger des klassischen Basketballs.

Basketball-Olympiasiegerin Sonja Greinacher im Gespräch mit Gero Behrends auf einer Veranstaltung des Marketing Clubs Ruhr in Essen.
Basketball-Olympiasiegerin Sonja Greinacher im Gespräch mit Gero Behrends auf einer Veranstaltung des Marketing Clubs Ruhr in Essen.© FUNKE Foto Services | Socrates Tassos

Drei gegen Drei statt Fünf gegen Fünf, ein Korb statt zwei, gespielt wird zehn Minuten lang oder bis ein Team 21 Punkte erzielt hat. „Schnell, emotional, modern und urban“, sind Schlagworte, die Greinacher in den Raum wirft, als sie ihren Sport beschreiben soll. Jene „Marke“ 3x3, die im Sommer auf Turnieren in vielen Innenstädten zelebriert wird. Greinacher ist Teil des Booms dieser Sportart hierzulande, weiß um die wachsende Anziehungskraft auf ein junges Publikum. Dennoch sagt sie augenzwinkernd: „Am Ende ist es auch Basketball. Der Ball muss in den Korb!“

++ 74 Fotos: Pyrotechnik und Akrobatik – so schön war die Essener Sportgala ++

Und darin ist die 1,88-Meter-Frau eine Spezialistin. Fünf Punkte erzielte sie im Olympia-Finale gegen Spanien mit gebrochener Hand, mit insgesamt 56 Zählern war sie die erfolgreichste Korbjägerin des Turniers und wurde zur wertvollsten Spielerin gewählt. Über acht Millionen Zuschauer vermeldete der übertragende Sender ZDF. „Wohlgemerkt: Für ein Frauen-Basketball-Spiel“, sagt Greinacher noch heute mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Begeisterung.

Olympiasiegerin Greinacher: Karriere-Ende naht

Danach: ein Marathon an Ehrungen. Greinacher und ihre Teamkolleginnen Svenja Brunckhorst, Elisa Mevius und Marie Reichert wurden als Deutschlands Mannschaft des Jahres ausgezeichnet, sie bekamen das Silberne Lorbeerblatt vom Bundespräsidenten überreicht und wurden auf diversen Galas gefeiert. „Ich nehme mit, was es gibt“, sagt die 32-Jährige lachend.

Die Essenerin Sonja Greinacher im 3x3-Finale bei Olympia in Paris.
Die Essenerin Sonja Greinacher im 3x3-Finale bei Olympia in Paris.© FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Denn das Ende ist schon absehbar, Greinacher geht in den Schlussspurt der Karriere, der kommende Sommer wird ihr letzter sein. Ein gutes Abschneiden bei der WM in der Mongolei im Juni ist das große Ziel. Dafür wird sie bald wieder in Hannover leben, dem Bundesstützpunkt der 3x3-Teams. Danach steigt die studierte Psychologin ins Berufsleben ein. Ohne Basketball. Es wird dann wohl weniger schnell, emotional, modern und urban zugehen, doch Greinacher hat in ihrer Karriere ohnehin genug für zwei Leben erlebt. Und so wird sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt sie rückblickend, „da war und ist noch immer ganz viel Leidenschaft dabei.“

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