Es ist ein Vereinsrekord, auf den Kenan Karaman sicher gerne verzichtet hätte. Im Zweitliga-Heimspiel gegen den Hamburger SV lief die dritte Minute, als der Kapitän des FC Schalke 04 die Rote Karte sah. Noch nie kassierte ein Spieler des Revierklubs so früh einen Platzverweis. Und so verpasste Karaman eine ereignisreiche Partie, die in einem 2:2-Remis (1:2) endete. Ein Ergebnis, das nach Abpfiff bejubelt wurde wie ein Sieg.
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Trainer Kees van Wonderen hatte offen gelassen, ob er personelle Konsequenzen aus der Blamage in Regensburg vor einer Woche ziehen würde. Letztlich drei Wechsel nahm der 56-Jährige vor. Linksverteidiger Derry John Murkin ersetzte Anton Donkor. Dazu rückten Max Grüger und Tobias Mohr auf die Doppelsechs und linke Außenbahn. Die zuletzt schwachen Aymen Barkok und Amin Younes mussten auf die Bank.
Schalke-Schock zum Start: Kenan Karaman sieht Rot
Auch die Hamburger gingen mit einer Niederlage in den Knochen in die Partie, das 2:4 zu Hause gegen Braunschweig hatte den Druck im Aufstiegsrennen erhöht. Um sicher Spitzenreiter zu bleiben, musste der HSV mindestens einen Punkt mitnehmen. Trainer Merlin Polzin sprach im Vorfeld von einem „absoluten Topspiel“. Die Tabellensituation der Schalker (Platz elf) rechtfertigte diese Einschätzung nicht - die Kulisse in der ausverkauften Arena hingegen sehr wohl.

Nicht mal zwei Minuten waren gespielt, da wurden alle Vorzeichen für belanglos erklärt: Auf Höhe des Mittelkreises erwischte Karaman Gegenspieler Jonas Meffert mit der offenen Sohle am Knöchel. Schiedsrichter Harm Osmers beließ es bei einer mündlichen Verwarnung, doch auf Hinweis des Video-Assistenten schaute sich der Unparteiische die Szene noch einmal an - und zog Rot für Karaman (3.)! Eine vertretbare Entscheidung, vor allem aber ein Schock für die Königsblauen, die beinahe die gesamte Begegnung in Unterzahl absolvieren mussten und dazu ihren besten Spieler verloren.
Zunächst war das den Gastgeber nicht anzumerken. Im Gegenteil: Vom Publikum angetrieben, gehörte S04 die erste Topchance. Moussa Sylla scheiterte auf Vorlage von Tobias Mohr aus kurzer Distanz an HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes - eine hundertprozentige (8.). Und ein Vorgeschmack auf das, was nach kurz darauf folgen sollte: Eine Mohr-Freistoßflanke von rechts neben der Strafraumkante köpfte Ron Schallenberg zur Führung ins Tor (15.) - Ekstase in der Arena. So standen nach einer Viertelstunde ein Tor, drei Gelbe Karten und ein Platzverweis zu Buche. Was für ein Start ins Traditionsduell!

Und es blieb unterhaltsam: Weil Schalke mit der Leidenschaft verteidigte, die in den vergangenen Wochen fehlte, und mit knapp einem Drittel Ballbesitz den Hamburgern immer wieder weh tat. Doch auf den letzten Metern der ersten Hälfte brachten sich die Gelsenkirchener um den Lohn. Nach einer Flanke kam Emir Sahiti am rechten Pfosten unbedrängt zum Kopfball und erzielte den Ausgleich (41.). Und Schalke hatte sich noch nicht wieder sortiert, da lief der nächste HSV-Angriff. Wieder kam der Ball von links scharf in die Mitte, wieder vollendete Sahiti am zweiten Pfosten, diesmal mit dem Fuß (43.). Nach längerer Abseits-Überprüfung war dieser herbe Rückschlag definitiv.
Schalke: Sylla-Kopfball sorgt für Ekstase in der Arena
Van Wonderen reagierte mit einem Wechsel zum Start des zweiten Durchgangs. Tomas Kalas kam für Max Grüger und rückte ins Abwehrzentrum, wodurch Schallenberg auf die Grüger-Position rückte. Gegenüber der ersten 45 Minuten nahm die Schlagzahl deutlich ab. Der HSV drückte Schalke tief in die eigene Hälfte, S04 konnte kaum noch für Entlastung sorgen. Den Schalkern gelang es jedoch, klare Torchancen des Gegners zu vermeiden.

Erst in der 72. Minute - nach einer knapp fünfminütigen Spielunterbrechung aufgrund von im Gästeblock gezündeter Pyrotechnik - war Hamburg dem 3:1 ganz nah. Robert Glatzel köpfte aus kurzer Distanz und vollem Lauf aufs Tor, Justin Heekeren lenkte den Ball an die Latte. Eine Glanztat des heute sicheren Schalke-Keepers, wobei eine Abseitsstellung von Glatzel den Treffer ohnehin zunichtegemacht hätte.
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So durfte Schalke weiterhin auf den Ausgleich hoffen. Eine erste Annäherung bot der Kopfball von Tomas Kalas über das Tor (74.). Jetzt bäumte sich Schalke noch einmal auf. Und wie: Ein Angriff über die linke Seite mündete in einer Flanke von Mohr, der eingewechselte Adrian Gantenbein bediente per Kopf Sylla, der den Ball maßgeschneidert ins lange Eck köpfte (81.). Schalke hatte sich trotz der langen Unterzahl tatsächlich noch einmal zurückgemeldet. Emil Höjlund schnupperte kurz vor Schluss sogar noch an der Führung (89.). Dafür reichte es nicht mehr. Doch am Ende dieser aufreibenden Partie feierte Schalke das Remis wie einen Erfolg.



