Schon die Teilnahme am Halbfinale war eine faustdicke Überraschung, der Sieg gegen Titelverteidiger Bayer Leverkusen dann eine echte Sensation. Am Samstag (20.45 Uhr/ZDF und Sky) hat Arminia Bielefeld in Berlin den ganz großen Coup vor Augen. Zwischen den Ostwestfalen und dem DFB-Pokal steht „nur“ noch Bundesligist VfB Stuttgart. Als erst vierter Drittligist überhaupt hat es Mannschaft von Trainer Mitch Kniat ins Endspiel geschafft. Eine Pokal-Chronik.
1965: Alemannia Aachen – erster Zweitligist im Pokalfinale
Vor 60 Jahren wurde der DFB-Pokal noch in fünf Runden ausgespielt, auf die erste Runde folgte seinerzeit direkt das Achtelfinale. Die Leistung von Alemannia Aachen in der Saison 1964/65 soll das allerdings nicht schmälern.
Als erster Zweitligist überhaupt zogen die Aachener ins Pokal-Endspiel ein. Nach dem VfL Osnabrück, Rot-Weiß Oberhausen, Hannover 96 und dem FC Schalke 04 bekam es die Alemannia im Finale mit Borussia Dortmund zu tun. Der BVB gewann das schwarz-gelbe Duell mit 2:0 und feierte seinen ersten Pokalsieg.
1992: Hannover 96 – erster Pokalsieger aus 2. Liga
Hannover 96 gelang 1992 Einmaliges. Als erster und bislang einziger Zweitligist der Geschichte gewannen die Niedersachsen den DFB-Pokal. NSC Marathon 02, VfL Bochum, Borussia Dortmund, Bayer Uerdingen, Karlsruher SC und Werder Bremen hießen die Gegner bis zum Finale.
Im Olympiastadion bekam es 96 mit Borussia Mönchengladbach zu tun. Torlos krampften sich beide Mannschaften ins Elfmeterschießen, in dem Michael Schjönberg zum 4:3-Endstand für Hannover traf und die Sensation perfekt machte.
1993: Hertha II sorgt für unfassbare Pokal-Episode
Auch ein Jahr später wurde Pokal-Geschichte geschrieben, diesmal von Hertha BSC – allerdings nicht von den Profis des Hauptstadtklubs, sondern von der zweiten Mannschaft. Zum ersten und einzigen Mal zog die Zweitgarnitur eines Vereins in ein Pokalfinale ein.

Wöchentlich
Sport-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!
Mit unserem täglichen Newsletter verpassen Sie nichts, was die Sport-Welt bewegt.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Die A-Mannschaft war bereits im Achtelfinale an Bayer Leverkusen gescheitert, Hertha II dagegen bis zum Finale nicht zu stoppen. Die Berliner Amateure schlugen die SGK Heidelberg, den VfB Leipzig, Hannover 96, den 1. FC Nürnberg und den Chemnitzer FC. Im Endspiel wartete dann Profi-Bezwinger Leverkusen. Die ganz große Sensation blieb aus, Herthas Zweite unterlag im heimischen Olympiastadion knapp mit 0:1.

1997: Elber und Co. zu stark für Energie Cottbus
Ein weiterer Drittligist, der bis ins Finale vorstoßen konnte, war Energie Cottbus in der Saison 1996/97. Die Lausitzer setzten sich nacheinander gegen die Stuttgarter Kickers, den VfL Wolfsburg, den MSV Duisburg, den FC St. Pauli und den Karlsruher SC durch.
Dann wartete in Berlin Bundesliga-Großkaliber VfB Stuttgart auf die Cottbusser. Gegen die Mannschaft um Krassimir Balakov und Giovane Elber gab es für den FC Energie nichts zu holen, mit 2:0 setzte sich der haushohe Favorit aus dem Ländle durch.
2001: Union Berlin unterliegt Schalke – dem Meister der Herzen
Vor 24 Jahren war der heutige Bundesligist Union Berlin noch in der 3. Liga unterwegs, umso erfolgreicher spielten die Eisernen in der Saison 2000/01 im Pokal. Die Gegner auf dem Weg ins Endspiel: Rot-Weiß Oberhausen, die SpVgg Greuther Fürth, der SSV Ulm, Revierklub VfL Bochum und Borussia Mönchengladbach.
Chancenlos war man dann im heimischen Berlin gegen den FC Schalke 04. Das 2:0 für S04 blieb allerdings weit weniger im Gedächtnis als die dramatischen Szenen eine Woche zuvor. Vier Minuten lang waren die Königsblauen Deutscher Meister, nach Bayerns Siegtreffer gegen den Hamburger SV dann nur noch todtraurige Meister der Herzen. Der Pokalsieg gegen Union verkam da zum Trostpreis.

2004: Alemannia Aachen düpiert die Bayern
Für eine der mitreißendsten Geschichten der Pokal-Historie sorgte der damalige Zweitligist Alemannia Aachen in der Saison 2003/04. Rot-Weiß Erfurt, 1860 München und Eintracht Braunschweig hießen die Gegner bis zum Viertelfinale. In der Runde der letzten Acht wurde es dann legendär.
An einem rauschenden Pokal-Abend auf dem Aachener Tivoli räumten Erik Meijer und Co. Rekordmeister Bayern München mit 2:1 aus dem Weg. Unvergessen, wie sich Zweitliga-Legende Willi Landgraf nach Abpfiff das Trikot vom Leib riss und zum Jubellauf ansetzte. Es folgte ein knappes 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach, ehe die Mannschaft des vier Jahre später verstorbenen Jörg Berger im Endspiel gegen Werder Bremen mit 2:3 den Kürzeren zog.
2011: MSV Duisburg gegen Schalke – Revierderby in Berlin
Vor 14 Jahren stieß der damalige Zweitligist MSV Duisburg bis nach Berlin vor. Die Zebras hatten das große Glück, dass sie den ganz großen Gegnern nicht zugelost wurden. VfB Lübeck, Hallescher FC, 1. FC Köln, 1. FC Kaiserslautern und Energie Cottbus hießen die Gegner bis zum Finale.
Im Endspiel von Berlin bekam es die Mannschaft von Trainer Milan Sasic dann aber mit einem (damals) großen Brocken zu tun. Der amtierende Vizemeister FC Schalke 04 gab sich die Ehre – und zeigte keine Gnade. Mit 5:0 schossen Klaas-Jan Huntelaar und Co. den Ruhrpott-Rivalen aus dem Olympiastadion.

2024: Kaiserslautern verliert, Leverkusen krönt Rekord-Saison
Ähnlich überraschend war der Vorstoß des 1. FC Kaiserlautern ins Finale 2024. Auch den Roten Teufeln war die Losfee gewogen: Auf Erstrundengegner RW Koblenz folgten der 1. FC Köln, der 1. FC Nürnberg, Hertha BSC sowie der 1. FC Saarbrücken. Bundesliga-Topklubs? Fehlanzeige.
Dann allerdings kam es für die Mannschaft von Interimstrainer Friedhelm Funkel richtig dicke. Über die gesamte Saison war Final-Gegner Bayer Leverkusen auf nationaler Ebene ungeschlagen geblieben. Daran sollte sich auch in Berlin nichts ändern. Knapp, aber verdient holte sich die Rekordtruppe von Xabi Alonso den goldenen Pott und siegte mit 1:0 gegen den FCK.
Zehn Monate später peilen die Leverkusener die Titelverteidigung an, müssen dafür aber den wackeren Drittligisten Arminia Bielefeld aus dem Weg räumen.
2025: Gewinnt Arminia Bielefeld als erster Drittligist den DFB-Pokal?
Union Berlin, SC Freiburg, Werder Bremen, Bayer Leverkusen – VfB Stuttgart? Vier Bundesligisten hat Arminia Bielefeld 2024/25 aus dem DFB-Pokal geworfen. Ja, der Zweitliga-Aufsteiger ist auch gegen die Schwaben wieder Außenseiter. Aber niemand wird sich verwundert die Augen reiben, wenn die kleine Arminia auch den großen VfB bezwingen kann. Ein Drittligist als Pokalsieger – das hat es noch nie gegeben. Es wäre eines der größten Wunder in der deutschen Fußball-Geschichte.





