Man kann sich vorstellen, wie die Nacht der Pokal-Sensation in Bielefeld ausgesehen haben muss: Die Arminia steht erstmals im Finale des DFB-Pokals, mit Ausnahme von wenigen Teilen feiert ganz Ostwestfalen den Drittligisten, der am 24. Mai im Berliner Olympiastadion um den ganz großen Triumph spielt. Das 2:1 gegen Bayer Leverkusen sorgt auch in den Medien für Verzückung. „Ganz Bielefeld packt die Partylaune“ schreibt die FAZ, „Bielefeld? Gibt’s doch gar nicht“ titelt die Zeit. Die Pressestimmen zu einer der größten Sensationen im Pokal-Halbfinale.
Arminia Bielefeld: Die fünfte Sensation eines historischen Siegeszugs
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Süddeutsche Zeitung: Wenn die Fußballer von Arminia Bielefeld etwas zu feiern haben, dann ziehen sie ins Café Europa. In dem Club haben sie in dieser Saison schon mehrfach ausgelassen getanzt, in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch aber sollten sie dort den größten Erfolg in der 120-jährigen Vereinsgeschichte feiern. Der bärenstarke Drittligist Arminia ist durch einen, ja, wirklich, hochverdienten 2:1 (2:1)-Sieg im Halbfinale des DFB-Pokals gegen den Titelverteidiger, deutschen Meister, Bundesliga-Zweiten und angehenden Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen sensationell ins Pokalfinale in Berlin eingezogen. Erstmals in seiner Klubhistorie. (…)
Der Erfolg gegen Leverkusen bedeutete für die Arminia schon die fünfte Sensation eines historischen Siegeszugs durch den Pokalwettbewerb, nach den vier Überraschungserfolgen gegen den Zweitligisten Hannover 96 sowie gegen die Bundesligisten Union Berlin, SC Freiburg und Werder Bremen. Dreimal war Bielefeld in seiner Klubhistorie bisher im Pokal-Halbfinale gescheitert: 2005 gegen den FC Bayern, 2006 gegen Eintracht Frankfurt und 2015 gegen den VfL Wolfsburg. Nun haben sie es erstmals auch noch bis ins letzte Spiel geschafft.
FAZ: Arminen mit stetem Fleiß und unbeugsamem Willen

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Ein Klassenunterschied? Von wegen. Nicht Bayer Leverkusen, der deutsche Meister und Pokalsieger des Vorjahrs, dominierte das erste Halbfinale im DFB-Pokalwettbewerb am Dienstagabend, sondern der Drittligavierte Arminia Bielefeld. Die Ostwestfalen setzten die entscheidenden Akzente, als es um Sieg oder Niederlage ging. (…)

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Die kurzzeitige Leverkusener Führung trug nicht dazu bei, dass die Rheinländer Tritt fassen und das Spiel nach ihrer Facon diktieren konnten. Im Gegenteil: Die Arminen machten den Rückstand mit ihrem steten Fleiß und ihrem unbeugsamen Willen wett, den Ball bei jeder Gelegenheit dank der eigenen Zweikampfstärke zu erobern. Sie setzten die Akzente und bestimmten den Rhythmus einer Begegnung, in der die sonst so spielstarken Profis aus Leverkusen vor lauter Zweifeln an sich selbst und Verzweiflung ob eines extrem couragierten Gegners viel zu oft auf das einfallslose Stilmittel lange Bälle zurückgriffen, die aber nur selten ihren Adressaten fanden.
Arminia-Sieg „war kein bisschen glücklich, sondern völlig verdient“
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Die Zeit: Eines dieser Fußballwunder. Schon während des Spiels kämpften etliche Bielefeld-Fans mit den Tränen, nach dem Abpfiff liefen einige wie von Sinnen auf den Platz (und wurden irgendwann wieder runter eskortiert). Nicht ausgeschlossen, dass eine ganze Stadt am Mittwochmorgen keine Stimme mehr hat. (…)
Fast noch außergewöhnlicher als das Ergebnis: Der Sieg war kein bisschen glücklich, es war keiner dieser duselig ermauerten Außenseitererfolge, sondern völlig verdient, was hinterher auch die Leverkusener Spieler zugeben mussten. (…)

Bielefeld lieferte die Blaupause für erfolgreichen Underdog-Fußball: mit Passion verteidigen, Räume zulaufen, sich überall hineinwerfen und für den Weg nach vorne auf lange Bälle setzen beziehungsweise darauf, die abgewehrten Bälle, die sogenannten zweiten Bälle, aufzusammeln. Das erfordert viel Courage und gut trainierte Lungen. Fähigkeiten, die ein durchschnittlicher Drittligaspieler aber durchaus besitzt. Doch es waren nicht nur die Sekundärtugenden, mit denen Bielefeld überzeugte. Hin und wieder kombinierten sich die Arminen auch klug und kühl hinten raus und ließen die Leverkusener laufen – und staunen.
Pokal-Sensation „wie eine Fußballsimulation, die alle Spielregeln außer Kraft setzt“
ran.de: Wie eine Fußballsimulation, die alle Spielregeln außer Kraft setzt, nach denen der moderne Sport funktioniert. Die Emotionen, die von den Rängen auf die Spieler übergingen und wie sich die Bielefelder in jeden Zweikampf schmissen, um die Überraschung möglich zu machen: All das war großer Sport.
Kicker: Bis zum DFB-Pokal-Halbfinale in Bielefeld stand diese Spielzeit für Bayer 04 unter der Überschrift, dass sie die zweitbeste Saison der Vereinsgeschichte ist. Mit eben jener Punktausbeute in der Liga und der winkenden Titelchance mit dem Pokal-Finale in Berlin. Doch jetzt, nach dem hochverdienten Aus beim Vierten der 3. Liga, liegt nur noch der schwere Mantel der Enttäuschung über dem Double-Gewinner.
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Bayer lieferte eine Leistung ab, die den eigenen Ansprüchen und der Qualität dieses Kaders nicht in Ansätzen genügte. Aus dem Spiel heraus kam die Werkself zu einer einzigen Torchance. Sonst mussten wie beim frühen Führungstreffer Standardsituationen für die wenigen Tormöglichkeiten herhalten.
Bayer fand nie einen richtigen Zugang zu dieser Partie. Konsequenz in der Zweikampfführung? Galligkeit? Antizipationsvermögen? Die Bereitschaft, um jeden (zweiten) Ball zu kämpfen? In all diesen Belangen war Leverkusen dem Drittligisten unterlegen. Und dafür müssen sich die Leverkusener Profis nahezu ausnahmslos an die eigene Nase fassen. (…)
Bayer Leverkusen: „Alonso hat eine riesige Chance weggeschmissen“

Xabi Alonso, der in der Vergangenheit wiederholt seine großen Fähigkeiten demonstriert hatte, in der Halbzeit an den richtigen personellen und taktischen Stellschauben zu drehen, verzichtete während der 90 Minuten von Bielefeld darauf, auf einen Plan B zurückzugreifen. Ein Plan B, der auf Kombinationsfußball basiert hätte – und eigentlich Plan A dieser hochbegabten Mannschaft darstellt.
Ein Plan A, der es vielen Mannschaften nicht möglich gemacht hat, sich auf Augenhöhe mit Bayer 04 zu bewegen. Dass Kombinationsfußball selbst auf der holprigen Alm möglich war, bewies selbst der Drittligist, der nach der Pause trotz eigener Führung zwischenzeitlich mit Ballbesitzfußball in der gegnerischen Hälfte Akzente setzte. Stattdessen positionierte Xabi Alonso in der Schlussphase mit Abwehrchef Jonathan Tah noch einen dritten Riesen im Sturmzentrum. Ohne entscheidenden Effekt.
Xabi Alonso hat damit – allerdings unter tatkräftigem Mitwirken seiner Profis – eine riesige Chance weggeschmissen. Der Finaleinzug und die Aussicht auf den dritten großen Titel innerhalb von zwei Spielzeiten hätte Granit Xaka und Co. durch die letzten sieben Spieltage dieser Bundesligasaison getragen. Jetzt aber muss die Mannschaft die größte Enttäuschung in der zweieinhalbjährigen Amtszeit des Spaniers verdauen.







