„Guten Tag, ich bin Pepper, wie kann ich Dir helfen?“ So freundlich begrüßt der soziale Roboter neue Besucherinnen und Besucher in der Stadtbibliothek. Die Antwort könnte lauten „Ich interessiere mich für Gartenarbeit. Welche Bücher kannst Du mir dazu empfehlen?“ Pepper fragt dann vielleicht nach, um welche Gartenarbeit es geht: ganz allgemein, Sträucher pflanzen, Bäume schneiden, Rasen säen…

Zurzeit ist diese Szene für die meisten Bibliotheksbesucher noch Zukunftsmusik: Das Team des Kompetenzzentrums „RuhrBots - Bürgernähe und nutzendengerechte soziale Roboter in den Stadtverwaltungen der Metropole Ruhr“, geführt von der Hochschule Ruhr West (HRW), forscht intensiv daran, dass Roboter wie Pepper menschliches Personal bald entlasten können. Derzeit schult das Team die Roboter darin, dass sich möglichst alle Besucher darauf einlassen, mit ihnen in Kontakt zu treten und ihre Assistenz zu nutzen.

Roboter in der Bibliothek: „Noch funktioniert nicht alles so perfekt“

In den Stadtbibliotheken in Duisburg, Herne und Bottrop wurden Pepper und seine beiden Roboterkollegen Temi und Nao bereits gründlich erprobt. In Bottrop fand im Februar 2025 die zweite Feldstudie statt, die zurzeit wissenschaftlich ausgewertet wird. Beteiligte Bürgerinnen und Bürger probierten die Roboter aus und forschten mit, indem sie unter anderem Besucherströme beobachten: Wer interagiert wie mit den Robotern?

Das Projekt zur Nutzung von Robotern findet in den Stadtbibliotheken in Duisburg, Herne und Bottrop statt. (Archivbild)
Das Projekt zur Nutzung von Robotern findet in den Stadtbibliotheken in Duisburg, Herne und Bottrop statt. (Archivbild)© FUNKE Foto Services | Thomas Gödde

Prof. Dr. Carolin Straßmann vom Institut Informatik der HRW erklärt: „Unsere Haupterkenntnis ist, dass wir noch mehr Arbeit in die Entwicklung der Roboter stecken müssen. Noch funktioniert nicht alles so perfekt wie im Labor.“ Menschen neigen etwa dazu, auf die Frage „Wie kann ich Dir helfen?“ knapp mit „Sachbuch Kochen“ zu antworten – in der Annahme, dass der Roboter diese kurze Info am besten versteht. Prof. Straßmann erläutert: „Sinn der Sache ist aber, dass sich die Fragenden mit den sozialen Robotern so unterhalten wie mit Menschen. Darauf sind die Roboter von uns programmiert.“

Noch sprechen Büchereibesucher lieber mit lebendigen Angestellten, weil sie es so gewohnt sind. In Zeiten des steigenden Fachkräftemangels ist das Ziel, dass sie Pepper, Temi und Nao genauso selbstverständlich nutzen wie etwa einen Parkautomaten. Die Aufgabe der sozialen Roboter ist allerdings wesentlich komplexer, und entsprechend aufwändig ist die Arbeit der Hochschul-Experten.

Kniffelige Programmierung: „Roboter sollen niemanden ausschließen“

Das Projekt ist interdisziplinär: Die Fachrichtungen Maschinenbau, Mensch-Technik-Interaktion, Menschzentrierte Technikentwicklung, Wirtschaft sowie Psychologie und Ethik wirken daran mit. Carolin Straßmann erläutert: „Wir wollen soziale Roboter so einsetzen können, dass alle Menschen sie nutzen können. Wir erforschen, wie und woran sie Bedürfnisse erkennen und messen können. Wie sprechen sie unterschiedliche Menschen richtig an?“

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Die Reflexion über ethische Herausforderungen ist ein essenzieller Bestandteil des Projekts, um soziale Robotik verantwortungsvoll und bedarfsgerecht zu gestalten. Auch das Thema Inklusion spielt eine zentrale Rolle. „Soziale Roboter sollen niemanden ausschließen – ob etwa Menschen mit Akzent, Dialekt oder Behinderung, Kinder oder Senioren.“ Die Roboter entsprechend zu programmieren, ist kniffelig. Denn Kinder sprechen anders als Erwachsene, Menschen mit einer Sprachbeeinträchtigung reden vielleicht undeutlich; wer gerade Deutsch lernt, kann eine andere Satzstellung verwenden.

Die zweite einwöchige Feldstudie in Bottrop ergab, dass sich etwa 70 Prozent der Besucher nur an den Roboter gewandt haben, der am menschlichsten aussieht. „Temi, der ein fahrendes und sprechendes Tablet ist, wurde weitaus weniger genutzt“, erzählt Prof. Straßmann. „Daraus schließen wir, dass humanoide Roboter mehr Aufmerksamkeit und Neugier wecken.“ Bei den Interaktionen zwischen Buchsuchenden und Robotern gab es – wie in der ersten Feldstudie – noch Probleme, aber schon deutlich weniger.

Die Forscherinnen und Forscher der HRW arbeiten nun weiter daran zu erkunden, wieso manche Menschen direkt auf die Roboter zugehen und sich auch weiter mit ihnen befassen, wenn ihre erste Frage fehlerhaft beantwortet wurde. „Manche Besucher geben dann auf, andere verhalten sich geduldig und beharrlich“, haben Straßmann und ihr Team beobachtet. „Die Gefahr besteht, dass Menschen, die beim ersten Versuch nicht mit den sozialen Robotern zurechtkommen, gar keine Roboter mehr nutzen wollen, und das wäre schade für sie.“

Roboter können nicht allein sein: „Noch ist auch ansprechbares Personal erforderlich“

Der Ansatz in der zweiten Feldstudie war, dass Besucher und Roboter in der Bibliothek unter sich sind. Perspektivisch soll das möglich sein, es habe aber nicht so gut geklappt, bedauert die Professorin. „Noch ist auch ansprechbares Personal erforderlich.“ Das soll auch so bleiben, wenn Pepper Co. mal richtig im Einsatz sind. „Selbstverständlich verliert niemand seinen Arbeitsplatz. Aber da es in Stadtverwaltungen und eben auch in Bibliotheken zu wenig Personal gibt, sollen die sozialen Roboter das abfedern. Sie sind kein Muss, sondern eine Ergänzung.“

Die Mitarbeiterin Latoya Weis demonstriert die Funktionsweise eines Roboters. (Archivbild)
Die Mitarbeiterin Latoya Weis demonstriert die Funktionsweise eines Roboters. (Archivbild)© FUNKE Foto Services | Thomas Gödde

Um die Roboter anwendungsreif zu machen, analysieren die Forscher aufgetretene Probleme. „Zunächst sehen wir uns die einzelnen Situationen im Video an und identifizieren die Fehler. Wir gehen sie manuell durch, das erfordert ein sehr umfangreiches methodisches Vorgehen“, erklärt Carolin Straßmann. „Wir gehen zum einen rein technisch vor, zum anderen beheben wir die Fehler in der sozialen Interaktion. Zum Beispiel, wenn der Roboter den Menschen unterbrochen hat. Wir untersuchen, was der Roboter verstanden hat und was nicht. Daraus können wir Muster erkennen.“

Das Kompetenzzentrum RuhrBots

Das Kompetenzzentrum RuhrBots bündelt Kenntnisse zum Einsatz von robotischen Systeme im öffentlichen Dienst und ist damit Anlaufstelle für jedwede Anfragen öffentlicher Bereiche des Ruhrgebiets für robotische Unterstützung. Das Team entwickelt auch eine Plattform, auf der sich Unternehmen registrieren können. „Diese dient der wirtschaftlichen Anschlussfähigkeit des Einsatzes der Roboter und soll als RuhrBots Ecosystem konzipiert werden“, so Prof. Straßmann. Das Projekt wurde als eins von nur dreien aus ursprünglich 16 Projekten ausgewählt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit vier Millionen Euro gefördert.

Wann Nano, Temo und Pepper in den Echtbetrieb gehen können, kann die Wissenschaftlerin noch nicht sagen. „Wir müssen außer der technischen Weiterentwicklung auch das Bibliothekspersonal schulen sowie die Akzeptanz bei den Nutzern steigern.“ Bis Kinder und Erwachsene in Stadtbüchereien außerhalb von Studien soziale Roboter antreffen werden, fließt eine Menge Geld: Ein unprogrammierter „Roh-Pepper“ kostet 18.000 Euro, wenn die Hochschule Ruhr West ihn ankauft. Und dann beginnt deren Arbeit erst.

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Ein anderes Ziel ist es daher, plattform-unabhängiger zu werden und auf „mixed reality“ zu setzen. „Eine Möglichkeit wären VR-Brillen“, verrät Prof. Straßmann. „Davon kostet eine in der Anschaffung nur 300 bis 500 Euro.“ Sie freut sich, „dass die Institutionen sehr aufgeschlossen sind“. Der Fachkräftemangel sei erheblich, und so hoffen die Stadtverwaltungen im Ruhrgebiet, dass sie in absehbarer Zeit soziale Roboter werden anschaffen können.

Von der Pflege bis zum Hotel: Roboter sind auch in anderen Branchen im Kommen

Soziale Roboter sind auch in anderen Bereichen stark im Kommen oder bereits im Einsatz: In der Pflege werden sie erfolgreich zur Aktivierung und Unterhaltung von Bewohnern genutzt. Sie können als Lernpartner beim Spracherwerb in der frühkindlichen Bildung dienen sowie die Teilhabechancen von Kindern in der digitalen Gesellschaft fördern. In Hotels gibt es mobile Lieferroboter, die eigenständig Aufzüge nutzen und Getränke oder Snacks bis vor die Zimmertür der Gäste bringen. Clevere Saugroboter stimmen ihre Reinigungspläne untereinander ab, ihre Kollegen bringen Speisen aus der Küche an die Tische im Restaurant.

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All dies erleichtert in knapp besetzten menschlichen Teams die Arbeit enorm. Zukünftig sollen Roboter sogar als Geburtshelfer oder Babysitter dienen – das ist allerdings noch schwer vorstellbar. Die ethischen Fragen dürften bei diesen sensiblen Einsatzfeldern eine noch größere Rolle spielen als bei Bibliotheks-Robotern. Carolin Straßmann versichert: „Unsere ethischen Betrachtungen für Roboter in Verwaltungen lassen sich auf viele andere Anwendungsbereiche übertragen.“