- Wärmepumpen nutzen die passive oder aktive Kühlung, um die Temperatur in einem Gebäude zu senken.
- Die Effizient ist unter anderem von der Gebäudesubstanz und der Heizflächen abhängig.
- Gegenüber einer konventionellen Klimaanlage hat das Kühlen mit einer Wärmepumpe Vorteile.
Wer eine Wärmepumpe besitzt oder neu installiert, kann damit auch im Sommer kühlen. Nahezu jede Anlage bringe diese Funktion bereits mit, erklärt Joel Grieshaber vom Bundesverband Wärmepumpe. Das Kühlen per Wärmepumpe bietet zwei große Vorteile gegenüber klassischen Klimaanlagen. In bestehenden Gebäuden funktioniert das aber nicht immer zuverlässig. Welche Voraussetzungen sollte ein Haus erfüllen?
Passiv und aktiv: So kann eine Wärmepumpe im Sommer kühlen
Je nach Art der Wärmepumpe kommt entweder eine passive oder aktive Kühlung infrage. Beide Kühlungen unterscheiden sich in ihrer Funktionsweise und haben spezifische Vor- und Nachteile:
- Passiv kühlen können nur Erdwärme- und Grundwasserwärmepumpen. Statt warmem Wasser pumpt die Wärmepumpe kaltes Wasser durch den Heizkreislauf. Dabei verwendet sie die Kälte aus der Erde oder dem Wasser.
- Luft-Wasser- oder Luft-Luft-Wärmepumpen nutzen eine aktive Kühlung: Dabei wird die Funktionsweise der Wärmepumpe umgedreht und die Anlage arbeitet wie ein Kühlschrank: Dabei wird die Wärme aus dem Haus nach draußen transportiert, sodass es innen angenehm kühl bleibt.
Erd- und Grundwasser-Wärmepumpen benötigen für die Kühlung einen zusätzlichen Wärmetauscher. Daher müssen Betreiber schon bei der Auswahl ihrer Wärmepumpe wissen, ob sie damit im Sommer auch kühlen möchten. Luft-Luft- und Luft-Wasser-Wärmepumpen brauchen wiederum ein sogenanntes Vier-Wege-Umschaltventil. Das Bauteil „dient dazu, den Kältekreislauf umzukehren und ist in fast jeder Wärmepumpe verbaut“, erklärt Grieshaber. Wichtig sei zudem, dass auch die Regelung der Wärmepumpe für den Kühlbetrieb geeignet sei.

Mit einer Wärmepumpe kühlen: Profi rät zu speziellem Heizkörper
Die Heizkörper sind beim Kühlen über die Wärmepumpe das große Problem: Während die meisten modernen Wärmepumpen im Altbau problemlos über alte Heizkörper heizen, funktioniert das beim Kühlen nur bedingt. Zwar werden auch Gussheizkörper kalt, doch bis sich das spürbar auf die Raumtemperatur auswirkt, vergeht Zeit. Zudem arbeitet dann die gesamte Kühlung wenig effizient. Das gilt auch für eine punktuelle und schnelle Abkühlung.
„Je größer die Heiz- oder Kühlfläche, desto besser die Effizienz der Wärmepumpe“, so Grieshaber. „Sehr gute Ergebnisse beim Kühlen erreichen Hausbesitzer mit einer Flächenheizung in der Decke.“ Auch eine Fußbodenheizung ist zum Kühlen geeignet – allerdings empfinden einige die Kälte von unten als weniger angenehm. In Gebäuden mit klassischen Wandheizkörpern empfiehlt der Experte das Nachrüsten spezieller Wärmepumpen-Heizkörper, sofern keine Flächenheizung eingeplant ist.
Heiz- und Kühlflächen im Überblick:
| Heiz-/Kühlfläche | Eignung zum Kühlen |
|---|---|
| Deckenheizung | Sehr gut |
| Fußbodenheizung | Gut |
| Wandheizkörper | Eingeschränkt, je nach Größe |
| Wärmepumpen-Heizkörper | Gut |
Beim kühlen mit der Wärmepumpe ist die Fläche ein wichtiger Faktor
Im Gegensatz zu konventionellen Heizkörpern haben Wärmepumpen-Heizkörper Ventilatoren, was ein schnelles Aufheizen und Abkühlen des Raumes ermöglicht. Sie blasen kalte oder warme Luft direkt in den Raum. „Diese Heizkörper können nicht nur die Effizienz im Heizbetrieb steigern, sondern auch mehr Kühlleistung in einen Raum einbringen als konventionelle Heizkörper“, sagt Grieshaber.
Der Haken: Diese Wärmepumpen-Heizkörper bringen zusätzliche Kosten mit sich. Sie gehören zwar zur förderfähigen Infrastruktur und die KfW berücksichtigt sie in der Wärmepumpen-Förderung. In vielen Fällen schöpfen Hausbesitzer die Förderobergrenze von 30.000 Euro jedoch schon mit der Grundausstattung aus. Die Förderbank rechnet nur bis zu diesem Höchstbetrag – alles, was darüber liegt, müssen Eigentümer selbst zahlen.
Wärmepumpe als Klimaanlage: Effizienz hängt auch vom Gebäude ab
Doch nicht nur der Heizkörper an sich ist wichtig: „Entscheidend für die Effizienz einer Wärmepumpe ist auch die Gebäudebeschaffenheit“, erklärt der Wärmepumpen-Profi. Je besser die Gebäudehülle gedämmt und je größer die Heizflächen seien, desto effizienter und sparsamer arbeite eine Wärmepumpe beim Heizen und Kühlen. In einem schlecht gedämmten Altbau mit kleinen Heizkörpern fällt die Kühlleistung demnach deutlich geringer aus als in einem Effizienzhaus mit einer guten Isolierung gegen den Wärmeverlust und einem entsprechenden Hitzeschutz.
Wärmepumpe bietet gegenüber Klimaanlagen zwei große Vorteile
Eine konventionelle Split-Klimaanlage arbeitet über ein separates Kältemodul und ist primär für das Kühlen und Aufheizen einzelner Räume konzipiert. Im Vergleich dazu bietet das Kühlen mit einer Wärmepumpe trotz der erhöhten Anforderungen an Dämmung und Heizfläche zwei große Vorteile:
- Zum Kühlen benötigt die Wärmepumpe nur wenig Energie. Die passive Kühlung ist besonders stromsparend: Dabei laufen lediglich die Umwälzpumpen, nicht aber die Wärmepumpe selbst.
- Wer das gesamte Gebäude kühlen möchte, kommt bei der Wärmepumpe mit einem einzigen System aus. Eine Split-Klimaanlage hingegen kühlt nur einzelne Räume.
Ob sich das Kühlen mit einer Wärmepumpe lohnt oder eine Split-Klimaanlage die bessere Wahl ist, hängt also vom Gebäude und den Bedürfnissen der Bewohner ab. „Auch mit einer Wärmepumpe lassen sich einzelne Räume kühlen“, so der Experte. Möglich sei zum Beispiel, nur die Räume mit Wärmepumpen-Heizkörpern auszustatten, die gekühlt werden sollen. Wichtig zu wissen: Werden nur bestimmte Räume gekühlt, müssen die Thermostate in den anderen Räumen zugedreht sein.
Was macht die Umwälzpumpe?
Die Umwälzpumpe sorgt dafür, dass das Wasser in einem Heiz- oder Kühlsystem ständig in Bewegung bleibt. Sie transportiert das Wasser durch die Rohre und Heizkörper oder Kühlflächen. Beim passiven Kühlen läuft nur diese Pumpe, die Wärmepumpe selbst bleibt aus. So bleibt es ohne großen Stromverbrauch angenehm kühl.
Wärmepumpe oder Klimaanlage? Wann es sich lohnt, diese Frage zu stellen
Ein weiterer Pluspunkt für das Kühlen mit der Wärmepumpe: Sie ist häufig etwas leiser als günstige Klimageräte. Ist zum Beispiel auch nachts ein Kühlbetrieb gewünscht, ist das ein wichtiger Aspekt. „Auch wird das Umwälzen von Luft bei einer Klimaanlage teilweise als unangenehme Zugflut wahrgenommen“, ergänzt Grieshaber. Die Wärmepumpe kann hier eine Alternative sein – vor allem, wenn sie ohnehin als Wärmeerzeuger zum Einsatz kommt.



