Zusammenfassung

  • Marvis, ein achtjährige American Staffordshire Terrier-Mix, lebt seit 2018 im Wittener Tierheim und sucht dringend ein neues Zuhause.
  • Marvis hat besondere Bedürfnisse und benötigt eine Umgebung mit festen Routinen. Das liegt an seiner blauen Fellfarbe und damit verbundenen Verhaltensauffälligkeiten.
  • Neue Besitzer sollten Erfahrung mit schwierigen Hunden mitbringen und sich auf einen behutsamen Kennenlernprozess einstellen.

Als Unbekannte in der Nacht auf Karfreitag in das Tierheim Witten eingebrochen sind, haben sie nicht nur den Hund Thyson gestohlen. Auch Marvis, ein American Staffordshire Terrier-Mix, wurde verletzt. Gut möglich, dass die Täter ihn zunächst mit seinem Artgenossen mit derselben Fellfarbe verwechselt hatten. Noch heute humpelt der acht Jahre alte Rüde, der den Großteil seines Lebens im Heim an der Wetterstraße verbracht hat. Findet er nun endlich ein Zuhause?

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Seit 2018 lebt Marvis schon im Tierheim. „Er wurde wegen Verhaltensauffälligkeiten sichergestellt und kam dann zu uns“, erinnert sich Wiebke Blomberg, die erste Vorsitzende des Trägervereins. Seine damalige Familie sei mit dem noch jungen Rüden restlos überfordert gewesen. „Das waren Menschen ohne Hundeerfahrung, sie haben ihm keinerlei Grenzen gesetzt.“ Also habe Marvis sein Leben mehr oder weniger selbst in die Hand genommen.

Bei Hunden wie Marvis sorgt die blaue Fellfarbe für ein dünnes Nervenkostüm

Was dazu führte, dass er außerhalb der eigenen vier Wände anfing, um sich zu beißen. „Die Familie war verzweifelt, bekam ihn nicht in den Griff“, so Blomberg. Also kam Marvis ins Heim. Neben seiner nicht vorhandenen Erziehung macht dem Rüden aber noch etwas schwer zu schaffen: „Es ist die blaue Fellfarbe“, sagt die 34-Jährige. Diese sei ein Gen-Deffekt. „In der Natur gibt es sie nicht, aber sie wurde angezüchtet.“

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Damit verbunden sei aber ein „sehr dünnes Nervenkostüm“ der Hunde. Das sehe man nicht nur bei den als gefährlich geltenden Rassen wie etwa dem American Staffordshire, sondern auch bei anderen Rassen. Aktuell wartet auch ein blauer Labrador im Tierheim auf ein neues Zuhause. „Die Hunde sind vom Wesen her immer ein bisschen ,drüber‘, sind sehr stressempfindlich“, beschreibt es Blomberg.

Staff-Mix Marvis braucht feste Routinen und ruhiges Umfeld

Bei Marvis ist dieser Charakterzug leider sehr ausgeprägt: „Er ähnelt einem Autisten.“ Was bedeutet, dass er seine feste Routine braucht, jede Veränderung ihn enorm stresst – und ausflippen lassen kann. „Er mag auch keine Spaziergänge“, erzählt die Tierschützerin. „Am liebsten wäre er den ganzen Tag in seinem Zwinger, auch wenn das vielleicht komisch klingt.“

Mavis Tierheim Witten
Er kann auch anders: American Staffordshire-Mix Marvis lebt seit sieben Jahren im Tierheim Witten. Er reagiert extrem empfindlich auf Stress. © Tierheim Witten | Tierheim Witten

Für den Hunde-Senior wünscht sich das Tierheim-Team deshalb einen Ort, an dem er zur Ruhe kommen kann. „Denn wir merken schon, dass er älter geworden ist.“ Die Rasse werde in Kombination mit besagter Fellfarbe meist nur zwischen acht und zehn Jahre alt. Am besten für den Lebensabend von Marvis wäre ein eingezäuntes Grundstück, auf dem er seine Tage verbringen könnte – idealerweise mit einem beheizten Gartenhäuschen, in dem er sich nachts und bei Kälte aufhalten kann. „Wir glauben zwar, dass es mit ihm im häuslichen Umfeld klappen kann. Aber so wäre er glücklicher.“

Geduld und Erfahrung für Marvis' Eingewöhnung nötig

Wer dem Rüden ein Zuhause geben will, der sollte bereits Erfahrung im Umgang mit schwierigen Hunden haben. Und auch zu einer längeren Kennenlernphase bereit sein. Bei Marvis, den jede noch so kleine Veränderung aus der Bahn wirft, müsse man in kleinen Schritten vorgehen, so Blomberg. Etwa ihn mehrere Male im Tierheim besuchen, mit ihm spazieren gehen – und ihn dann ganz langsam an sein neues Umfeld gewöhnen. Natürlich alles mit Maulkorb.

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„Man muss einfach lernen, mit seinen Macken umzugehen“, so Blomberg. Dass man ihn in seinem Alter noch groß verändern kann, hält sie für eher unwahrscheinlich. Doch Marvis hat bei aller Unberechenbarkeit auch eine weiche Seite. Von seinen vertrauten Pflegepersonen lässt er sich im Zwinger gerne streicheln. Auch bei Tierarztbesuchen benimmt er sich vorbildlich. „Das haben wir sehr viel mit ihm geübt, das lässt er einfach über sich ergehen.“

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