Oberhausen und Saporischschja feiern 40 Jahre Städtepartnerschaft. Vom 17. bis 20. Mai 2026 besucht eine ukrainische Delegation unter Leitung der jungen Oberbürgermeisterin Rehina Kharchenko die Stadt. Der Besuch würdigt eine Verbindung, die mitten im Kalten Krieg begann und bis heute trägt.

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Die Partnerschaft entstand bereits 1986 aus Kontakten von Stahlarbeitern beider Städte. Sie setzte ein Zeichen für Verständigung und Frieden. Oberhausen war nicht die einzige westdeutsche Großstadt, die damals zu Sowjetunion-Zeiten Kontakte in die Ukraine knüpfte: In den 1970er- und frühen 1980er‑Jahren begannen mehrere westdeutsche Städte zunächst formlose Partnerschaften mit Städten in der damaligen Ukrainischen SSR (z. B. Dnipropetrowsk, Donezk, Lwiw in der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik) - oft im Rahmen von Gewerkschafts- oder Kulturkontakten. Doch Oberhausen war dann die erste westdeutsche Großstadt mit einer offiziellen geschlossenen Partnerschaft.
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Städte erneuern den Vertrag zur Partnerschaft
Oberhausen wird nach Angaben der Stadt anlässlich des Jubiläums am Montag, 18. Mai 2026, während einer Ratssitzung die Vereinbarung mit Saporischschja erneuert, da der alte Vertrag ja noch aus sowjetischer Zeit stammt. Oberbürgermeisterin Kharchenko trägt sich dann im Rathaus beim Festakt in das Goldene Buch ein.

Schon im Vorfeld betont der Oberhausener Oberbürgermeister Thorsten Berg die noch engere Bindung mit Saporischschja seit dem russischen Angriff auf die Ukraine: „Oberhausen und seine Bürgerinnen und Bürger stehen fest an der Seite ihrer ukrainischen Freunde und leisten weiterhin Unterstützung. In den vergangenen 40 Jahren sind zahlreiche Verbindungen, Kooperationen und Freundschaften entstanden.“
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Oberhausen hat für die ukrainische Delegation und für Einheimische hier ein kleines, aber inhaltlich intensives Programm geplant. Die Jubiläumswoche verbindet Geschichte und Zukunft – und setzt ein Zeichen für Frieden. So besuchen die Ukrainer am 19. Mai das Bertha-von-Suttner-Gymnasium. Die Schule prägt den Austausch seit vielen Jahren. Die Gäste werden über das Lehren und Lernen mitten im Angriffskrieg von Russland berichten: über Bildungsprojekte und unterirdische Klassenräume im Kriegsgebiet. Schülerinnen und Schüler schildern eigene Erfahrungen aus beiden Ländern.
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Am 20. Mai erinnert die Veranstaltung „Vom Kriege“ im Gdanska an die Ursprünge der Städtepartnerschaften nach 1945. Private Filmaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg zeigen die Brutalität des Krieges. Auch Live-Musik mit einem ukrainischen Sänger hebt die Bedeutung von Versöhnung zwischen den Völkern hervor. Der Eintritt ist auch für alle interessierten Bürger frei.

Theater lädt erstmals zum ukrainischen Wyschywanka-Fest ein
Am 23. Mai lädt das Theater Oberhausen zum ersten Wyschywanka-Fest ein. Musik, Workshops und traditionelle Stickereien feiern die ukrainische Kultur und schaffen Raum für Begegnung. Dabei geht es um mehr als nur ein Stück Stoff: An diesem Tag zelebrieren Ukrainerinnen und Ukrainer ihre Kultur, Geschichte, Traditionen und Bräuche.
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Blickt man zurück auf die Entwicklung der Städtepartnerschaft, dann zeigt sich, wie breit die Zusammenarbeit zwischen den beiden Industrie-Kommunen gewachsen ist: Hilfstransporte seit 1989, humanitäre Hilfe nach Tschernobyl, Vereinsarbeit, Jugendaustausch, Kulturprojekte und enge Kontakte im Sport. Die Gedenkhalle bleibt Ansprechpartnerin für ehemalige Zwangsarbeiter. Der Verein „Oberhausen hilft e.V.“ unterstützt seit 2012 Waisenhäuser und liefert seit 2022 verstärkt Hilfe in die Partnerstadt.
Chronik: Entwicklung der Städtepartnerschaft
1973: Erste Freundschaftsschmelze
Siemens‑Martin‑Stahlwerk Oberhausen (heute Zum Eisenhammer in Lirich) – Beginn der Arbeiterkontakte.
1983: Zweite Freundschaftsschmelze
Dnjeprospezstahl Saporischschja (damals noch russisch Saporoshje) in der UdSSR. Oberhausener Ältestenrat empfiehlt Aufbau einer Städtepartnerschaft.
1985: Ratsbeschluss
Oberhausen beschließt am 4. November 1985 die Partnerschaft mit Saporischschja (damals noch russisch Saporoshje).
1986 20. Mai – Offizielle Begründung
Gründung der Städtepartnerschaft kurz nach der Tschernobyl-Atom-Katastrophe. Die Oberbürgermeister Jalanskij und van den Mond erklären die Ziele offiziell: „Vielfältige freundschaftliche Kontakte zu knüpfen sowie in gegenseitiger Achtung und Toleranz zu helfen, damit ein Beitrag geleistet wird für die Verständigung unter den Völkern und den Frieden in der Welt.“
1989 Erster Hilfstransport
Unterstützung für Waisen und ältere Menschen. Gedenkstein aus Saporischschja gelangt nach Oberhausen. So kam der Gedenkstein, der auf dem Saporischschja-Platz steht, im sehr harten Winter 1993 von der Chortitsa-Insel im Dnjepr nach Oberhausen. Er schützte den leeren LKW auf der Rückfahrt von Saporischschja nach Oberhausen auf eisglatter Fahrbahn davor, ins Schleudern zu geraten.
1991 Unabhängigkeit der Ukraine
Aus Saporoshje (russisch) wird Saporischschja (ukrainisch). Partnerschaft wird fortgeführt.
1994–2016 Humanitäre Vereine
„Förderkreis Saporoshje e. V.“ (für humanitäre Hilfe) und „Grüne Luftbrücke“ (für Erholungsurlaube von Kindern in Oberhausen nach der Tschernobyl-Katastrophe) aktiv. Erholungsaufenthalte, Hilfstransporte, soziale Projekte.
2012 Gründung „Oberhausen hilft e.V.“
mit Oberhausener Handwerkern Renovierungen, Sachspenden, Unterstützung von Waisenhäusern.
2014 Überfall auf die Krim
Krieg vor der Haustür, Sicherheitslage in Saporischschja erlaubt keine Besuche dort.
2017-2021 Förderung Demokratie
Neue Projekte zu Bürgerbeteiligung, Zivilgesellschaft, Demokratie zusammen mit dem Büro für Interkultur
2022 Russischer Angriffskrieg
Humanitäre Hilfe mit „Oberhausen hilft e.V.“ rückt in den Mittelpunkt. Rund 5000 Geflüchtete kommen nach Oberhausen, 3600 sind aktuell hier gemeldet.
2026 40‑jähriges Jubiläum
17.–20. Mai: Delegationsbesuch.
18. Mai: Erneuerung der Vereinbarung, Eintrag ins Goldene Buch.
19. Mai: Besuch im Bertha‑von‑Suttner‑Gymnasium.
20. Mai: Filmabend „Vom Kriege“ im Gdanska.
23. Mai: Erstes Wyschywanka‑Fest im Theater Oberhausen.









