Der Staat ist an allem Schuld: Der Kaffee ist schon wieder teurer geworden. Und warum machen die nicht endlich mal eine zweite Kasse auf? Was hat die Regierung nur aus diesem Land gemacht? Über die jüngsten Erlebnisse, die Dirk Paasch im Supermarkt gemacht hat, möchte man am liebsten lachen.

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Doch das Lachen könnte einem im Halse stecken bleiben. Denn was der überzeugte Demokrat erzählt, ist bitterernst. Menschen sehen für alle (negativen) gesellschaftlichen Entwicklungen den Staat als Schuldigen. Eine nennenswerte Zahl an Bürgern geben in Umfragen an, dass sie mittlerweile sogar die Demokratie, die jedem Bürger eine Stimme gibt, in ihrer jetzigen Form ablehnen.

Mit der zweiten Woche der Demokratie will die Stadt Oberhausen dagegenhalten. Schulen, Vereine, die Volkshochschule und viele andere Akteure haben ein Programm mit knapp 60 Angeboten entwickelt: Ausstellungen, Workshops, Vorträge, Diskussionen, Lesungen, gemeinsames Kochen, ein Bürgerdialog mit der Polizei, ein Poetry-Slam und vieles mehr findet in der Woche der Demokratie vom Montag, 8. September, bis zum Montag, 15. September 2025, in ganz Oberhausen statt.

Vereinte Nationen rufen Internationalen Tag der Demokratie aus

Der Termin ist kein Zufall: Den 15. September hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen 2007 zum „Internationalen Tag der Demokratie“ ausgerufen. Dass Oberhausen einen Tag vorher, am 14. September, einen neuen Oberbürgermeister und einen neuen Stadtrat wählt, bezeichnet Amtsinhaber Daniel Schranz (CDU) als „schönen Zufall“. So biete sich die Möglichkeit, mit der Woche der Demokratie die Menschen daran zu erinnern, an diesem Sonntag wählen zu gehen.

Antidemokratisches Gedankengut ist leider auch bei jungen Menschen vorhanden.

Daniel Schranz
Daniel Schranz (CDU), Oberbürgermeister der Stadt Oberhausen

„Die Demokratie ist eines unserer höchsten Güter, die wir nicht als selbstverständlich nehmen sollten“, sagt Schranz. „Seit einigen Jahren erleben wir eine massive Veränderung der politischen Stimmung und des politischen Bewusstseins, eine Entsolidarisierung, zurückgehendes Vertrauen.“ Kräfte, die Stimmung gegen die Demokratie in ihrer jetzigen Form machen, erhielten immer mehr Zulauf. Mit dem Programm der Demokratiewoche wollten alle Beteiligten zeigen, wie wichtig ein Miteinander ist.

Stadtoberhaupt lobt Engagement der Oberhausener Schulen

Daniel Schranz sei ganz besonders dankbar für das Engagement der an der Demokratiewoche teilnehmenden Oberhausener Schulen, antwortet er auf die Frage, ob man mit den angebotenen Workshops und Vorträgen womöglich nur Menschen erreiche, die von der Demokratie gar nicht überzeugt werden müssten. „In den Schulen erreichen wir alle Teile der Gesellschaft; in die Schule geht jeder.“ Und je früher man den Menschen demokratische Werte, Weltoffenheit und Toleranz näher bringe, desto besser. „Antidemokratisches Gedankengut ist leider auch bei jungen Menschen vorhanden.“

Die Woche der Demokratie - das Programm

Das Programm mit allen öffentlichen Terminen der Demokratiewoche finden Interessierte in einem kleinen Heft, das unter anderem im Rathaus an der Schwartzstraße und im Bert-Brecht-Haus an der Langemarkstraße zu haben ist. Online findet sich eine Übersicht auf www.demokratiewoche.de.

Dem Heftchen liegt zudem eine Postkarte bei. „Mein Wunsch an die Kommunalpolitik in Oberhausen“ steht darauf. „Das Bedürfnis der Menschen, gehört zu werden, ist groß“, sagt Matthias Ruschke von der VHS. Auf der Postkarte können Interessierte ihre Anregungen hinterlassen. Die Organisatoren der Demokratiewoche werten die Antworten am Ende aus und leiten die Wünsche ans Rathaus und an die Politik weiter.

Deshalb müsse man „Schülern zeigen, dass sie in demokratischen Prozessen etwas bewirken können“, ergänzt André Wilger vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ in Oberhausen. Wilgers Mitstreiter Dirk Paasch meint: „Wir erreichen mit unserer Demokratie-Woche vielleicht nicht alle Demokratiefeinde in Oberhausen. Wir zeigen aber denjenigen, die für die Demokratie einstehen und kämpfen: Ihr seid nicht allein!“

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Um Menschen, die sich von der Demokratie abwenden, wieder zurückzugewinnen, braucht man aus Sicht des Oberhausener Kulturdezernenten Apostolos Tsalastras vor allem eines: einen langen Atem. Über die vergangenen Jahre seien viel zu viele Menschen vor allem durch die sozialen Netzwerke zunehmend in ihre eigene Blase geflüchtet. „Aus dieser Blase müssen wir die Leute wieder rausholen.“