Bis zum Kommunalwahltermin am 14. September 2025 dürfte sich der Wahlkampf der Spitzenkandidaten und Parteien noch verschärfen. Viel Rhetorik, wenig Konkretes? Worauf kommt es wohnortnah in den Oberhausener Stadtteilen an? Welche Projekte zählen in den Wohnquartieren? Eine Übersicht.
Projekt in Holten: der neue Marktplatz als Treffpunkt

Die Neugestaltung des Marktplatzes in Holten gehört zu den am längsten diskutierten Projekten in Oberhausen; insofern ist die Politik hier besonders in der Pflicht, in der neuen Wahlperiode zu liefern: Die facettenreiche Holtener Stadterneuerung ist ja Ende 2024 formal auf den Weg gebracht worden. Ein Kernpunkt dabei ist die zeitgemäße Neugestaltung des Marktplatzes, teils mit mehr Bäumen und Sitzgelegenheiten, wobei aber auch Pkw-Stellplätze erhalten bleiben sollen und vor allem genügend Platz für große Veranstaltungen. Die Bushaltestellen sollen dort neu geordnet werden. Auf der großen Kreuzung Burgstraße/Siegesstraße soll ein Kreisverkehr entstehen.
Projekt in Holten/Biefang: Emscher-Renaturierung darf nicht stillstehen

Der Emscherumbau in Höhe des Holtener Bruchs wird auch in den nächsten beiden Jahren wahrscheinlich zwangsweise ruhen. Das hat Projektleiter Johannes Siepenkötter von der Emschergenossenschaft im Juni 2025 im Umweltausschuss bestätigt, nachdem diese Redaktion Wochen zuvor als erste über den Stillstand berichtet hatte.
Die Ankündigung des Fluss-Fachmanns löste in den Reihen der Lokalpolitiker erwartungsgemäß wenig Begeisterung aus. Seit im Juni 2023 auf der Emscher in Höhe des Holtener Bruchs nach starken Regenfällen eine Ölspur aufgetreten ist, steht das große Renaturierungsvorhaben still. Eine Altlast auf dem Gelände von Oxea (Ruhrchemie) wird dafür verantwortlich gemacht. Die Lokalpolitik ist in der Pflicht, bei diesem Thema den Druck aus Oberhausen hochzuhalten, damit es mit der neuen Emscher bald weitergeht.
Projekt in Sterkrade: ein Ende des Möbelhaus-Desasters

Der Sterkrader Bezirksbürgermeister Ulrich Real (SPD) hat mit seinen Stellvertretern Helmut Bennewa (CDU) und Sebastian Girrullis (Grüne) im Mai 2025 einen Brandbrief an Möbelhaus-Chef Johannes Segmüller geschickt. Darin fordern die Sterkrader Stadtteil-Spitzen das Unternehmen aus Friedberg (Bayern) auf, endlich klare Perspektiven für das seit dem Jahr 2016 leerstehende Möbelhaus am Neumarkt zu schaffen. Nach einem Jahrzehnt des Stillstands am Neumarkt wollen die Menschen in Sterkrade hier Ergebnisse sehen. Eine echte, parteiübergreifende Bewährungsprobe für die Politik in der neuen Wahlperiode.
Projekt in Osterfeld: Was wird aus der Heidekirche?

Ende 2024 wurde bekannt: Die geplante Sportkirche in Osterfeld-Heide wird erheblich teurer. Sie sollte nun 8,4 Millionen Euro kosten, das waren über fünf Millionen Euro mehr als zunächst geplant. Diese Summe hätte die Stadt Oberhausen selbst finanzieren müssen, weil eine Aufstockung der bereits bewilligten Fördermittel in Höhe von drei Millionen Euro nicht möglich war. Die Lokalpolitik hat das Vorhaben daraufhin gestoppt. Jetzt stellt sich die Frage: Was wird aus dem stadtbildprägenden Gotteshaus an der Vestischen Straße? Wegweisende Antworten der Politik gibt es bislang kaum; eine weitere wichtige Aufgabe für die neue Wahlperiode.
Projekt in Borbeck: die Erneuerung der Kanalbrücke

Die Menschen im Stadtteil Borbeck wollen nicht länger akzeptieren, dass ihr Stadtteil bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts unter der maroden Brücke (Einbleckstraße) über den Rhein-Herne-Kanal leiden soll. Mit der Stadt Oberhausen hatte der Bürgerverein Oberhausen-Borbeck Mitte 2024 bereits eine ungewöhnliche Protestreise nach Bonn geplant, um an höchster Stelle beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt einen schnelleren Brücken-Neubau einzufordern. Diese Initiative ist allerdings bislang im Sand verlaufen; die angekündigte Protestreise nach Bonn hat nicht stattgefunden. Die Politik ist in der Pflicht, hier endlich Konkretes zu erreichen.
Projekt in Lirich: besserer Lärmschutz am Gleis

Kaum ein Stadtteil ist so von Verkehrslärm geplagt wie Lirich. Neue Schallschutzwände entstehen entlang der viel befahrenen Eisenbahnstrecke zwischen dem Güter- und Rangierbahnhof Oberhausen West und dem Hauptbahnhof. Die von Lirichern über viele Jahre vehement geforderte Verlängerung der Lärmschutzwand im Abschnitt zwischen Wilmsstraße und Buschhausener Straße nördlich der Gleise wird allerdings laut Bundesbahn nicht kommen. Davon würden vor allem die Liricher im Bereich der Katharinenstraße profitieren. Hier ist die Politik dringend gefragt, nicht aufzugeben und weiter Druck zu machen, damit umfassender Lärmschutz gewährleistet ist.
Projekt im Bismarckviertel: Was wird aus der Lutherkirche?

Auf das Bismarckviertel und östliche Marienviertel kommt eine große Herausforderung zu: Die altehrwürdige evangelische Lutherkirche an der Lipperheidstraße soll verkauft oder vermietet werden. Das Presbyterium hat als Leitungsgremium der Gemeinde diese viel Aufsehen erregende Entscheidung getroffen. An wen verkauft oder vermietet wird, ist noch unklar. Geeignete Interessenten werden dringend gesucht. Hier darf sich die Politik ruhig einmischen, auch wenn es vorrangig um eine Kirchenangelegenheit geht. Das stadtbildprägende Gotteshaus ist so groß und so wichtig, dass seine Zukunft möglichst breit diskutiert werden sollte.
Projekt in Alstaden: eine nachhaltige Deichsanierung

Auch eineinhalb Jahre nach dem verheerenden Weihnachtshochwasser Ende 2023 an der Ruhr in Alstaden kann die Verwaltung keinen konkreten Zeitpunkt für den Baubeginn zur dringend notwendigen Deichertüchtigung nennen. Darauf hat die FDP in diesem Sommer kritisch hingewiesen. Ein neuer Deichverteidigungsweg wird zwar seit dem Frühjahr in Höhe Ruhrpark gebaut; Im wichtigen und entscheidenden Deichabschnitt entlang der Straße Am Ruhrufer tut sich aber nichts. Hier sollen neue, zehn Meter lange Spundwände, die in den Boden getrieben werden, den Schutzwall stabilisieren. Vier Meter davon sollen aus dem Boden herausragen. Dieses Detail der Planung ist bislang weitgehend ohne Kritik geblieben, obwohl es optisch fragwürdig erscheint. Wie auch immer: Die Deichsanierung ist für Alstaden ein drängendes Top-Thema. Die Stadtpolitik hat in der neuen Wahlperiode die Pflicht, kontinuierlich nachzuhaken und das Vorhaben voranzutreiben.


