„Stell dich mal nicht so an, so schlimm ist es doch gar nicht.“ Diesen Satz nicht mehr zu sich selbst zu sagen, hat Sabine Jahre gekostet. Die Mülheimerin leitet eine anonyme Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholikern. Seit zwölf Jahren hat sie Einblicke in alle Facetten von Sucht- und Co-Abhängigkeit bekommen.

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Sie hat mit Kindern, Eltern, Partnern und Freunden von Alkoholkranken zusammengesessen. In manchen Fällen war die Sucht unkontrolliert, in anderen Fällen war der Partner seit längerer Zeit trocken. Es waren Teilnehmer darunter, deren Angehörigen die Sucht eingestanden, verleugnet oder niemals darüber gesprochen haben.
Mülheimerin sitzt in letzter Zeit oft alleine da
Besonders erinnert sich Sabine an eine 16 Jahre alte junge Frau, die als Tochter eines alkoholkranken Menschen an der Gruppe teilgenommen hat. Doch inzwischen sitzt Sabine meistens montags allein an der Schulstraße. Dann nämlich, wenn sich die anonyme Gruppe trifft. „Die Corona-Zeit hat etwas verändert“, sagt sie. Seitdem ziehe es Menschen noch weiter in die Anonymität des Internets. Sabine jedoch sagt: „Es tut so gut, mit Menschen persönlich zu sprechen.“
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Alkoholismus sei deshalb eine so enorme Herausforderung, weil er alle drei Bereiche betreffe: „Es ist eine geistige Krankheit mit psychischer Abhängigkeit und körperlichen Konsequenzen.“ In der Gruppe sprechen sie zudem davon, dass Alkoholismus eine Familienkrankheit ist.
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„Al-Anon“ nennen sich die Selbsthilfegruppen für Angehörige, die eine lange Tradition in der Stadt haben. 1967 wurde die Al-Anon Gruppe Mülheim als erste deutsche Gruppe in das Al-Anon Weltregister aufgenommen. Die Treffen haben ihren ritualisierten Ablauf, der Verlässlichkeit geben soll. Zu jedem Treffen gehört der Monolog. Eine Runde, in der jeder erzählen kann, was ihn aktuell beschäftigt und wie man sich fühlt. „Jeder spricht nur von sich“, sagt Sabine. Ungebetene Kommentare sind nicht erwünscht.
Mülheimer können montags vorbeikommen
Ziel der Treffen ist, die eigenen Ziele und Bedürfnisse wieder ernster zu nehmen, sich selbst wieder mehr Beachtung zu schenken und den alkoholkranken Angehörigen als kranken Menschen zu akzeptieren. Denn auch das sei Teil der Erkenntnis: Alkohol macht machtlos, der betroffene Angehörige kann nicht verändert werden, muss es selbst wollen.
Wer an einem Treffen teilnehmen möchte, kann einfach montags zu einem Treffen kommen. Sabine ist immer da, selbst wenn niemand kommt. „Die Treffen sind ja anonym, ich kann ja niemandem absagen“, sagt Sabine. Treffpunkt ist jeweils montags von 16 bis 18 Uhr im Foyer von Ategris an der Schulstraße 10a (ehemaliges Schwesternheim). Am Rosenmontag findet kein Gruppentreffen statt.
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