„Es ist extrem“, sagt Dirk Nowakowski. „Es sind eine Menge Leute im Wasser.“ Der Betreiber der Rheinfähre Walsum muss in der aktuellen Sommerhitze trotz aller Warnungen besonders häufig mit ansehen, wie Erwachsene am und im Strom ihr Leben riskieren – und oft auch das ihrer Kinder.

Täglich (außer Samstag)

Duisburg-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!

Jeden Abend die wichtigsten News und exklusive Storys aus Duisburg – persönlich, mit Angeberwissen, Event- und Gastro-Tipps.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Am Sonntag hat er auf der Rheinberger Seite wieder mehrere Menschen beobachtet, die sich weit hinaus auf den Strom wagten, vor allem Jugendliche. Frustriert und ratlos postete er über die Facebook-Seite der Rheinfähre ein Foto von den jungen Männern. Sein Text dazu: „Da spielen wieder welche mit ihrem Leben.“

Baden im Rhein: Fährmann warnt – „aber die zeigen mir nur den Finger“

Der Fährmann pendelt seit etwa 20 Jahren zwischen Duisburg-Walsum und Rheinberg-Orsoy. Er hat schon zwei Wasserleichen aus dem Rhein ziehen müssen, konnte aber auch einem Mann das Leben retten. Zwei seiner Mitarbeiter retteten im Sommer 2020 zwei Kinder (4/12) aus dem Rhein, sie und ein Fahrgast wurden dafür später vom Land ausgezeichnet.

Fährmann Dirk Nowakowski hat schon lebende, aber auch tote Menschen aus dem Rhein gezogen.
Fährmann Dirk Nowakowski hat schon lebende, aber auch tote Menschen aus dem Rhein gezogen.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Seit fünf, sechs Jahren nehme die Zahl derjenigen zu, die das Badeverbot und die unsichtbare Lebensgefahr ignorieren. „Ich weise die Leute per Lautsprecher darauf hin, dass das lebensgefährlich und verboten ist, aber die zeigen mir nur den Finger.“ Auf der Rheinberger Seite locke der Sandstrand Leichtsinnige und Unwissende an, darunter mutmaßlich auch Geflüchtete der Zentralen Unterbringungseinrichtung im ehemaligen St.-Marien-Hospital.

Nowakowski glaubt nicht, dass die Menschen allesamt wegen fehlender Deutschkenntnisse unwissend ins Wasser gehen. Schließlich warne der Kreis Wesel in Orsoy sogar mit einem mehrsprachigen Schild. „Viele wollen es einfach nicht verstehen.“ Am anderen Ufer, am Anleger in Walsum, sei ein beliebter Treffpunkt für Familien aus dem Duisburger Norden. „Die Eltern gehen teilweise mit den Kindern ins Wasser oder schauen zu, wie ihre Kinder im Wasser planschen.“

Baden im Rhein verboten

In Duisburg ist das Baden im gesamten Rhein verboten, seit die Stadt im September 2025 ein kommunales Badeverbot erlassen hat. Die ordnungsbehördliche Verordnung gilt überall dort, wo das Baden noch nicht durch die Verordnung der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung verboten war. Diese gilt seit 1972 für 75 Prozent des Uferverlaufs. 

Seit dem 15. Mai gilt auch im Kreis Wesel eine ordnungsbehördliche Verfügung, die das Baden und mehr als knöcheltiefe Betreten des Rheins offiziell verbietet. Sie gilt für die Städte Rheinberg, Xanten, Wesel, Voerde und Dinslaken. Verstöße können mit einem Bußgeld von bis zu 1000 Euro geahndet werden.

„Ich habe nur gebetet, dass nichts passiert“

Die Wasserschutzpolizei warne zurzeit etwa einmal am Tag vor Ort vor den Gefahren und weise auf das Badeverbot hin, so Dirk Nowakowski. „Aber die können auch nicht den ganzen Tag nur hier kontrollieren.“ Die Androhung von Bußgeldern halte die meisten ohnehin nicht vom Abstecher in den Rhein ab, meint Nowakowski. Für problematisch hält er in dem Zusammenhang das ausgedünnte Angebot an Freibädern im Duisburger Norden: „Das Allwetterbad in Walsum ist überfüllt, und sonst ist hier ja nichts.“

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von Facebook, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Unter seinem Facebook-Post schreiben andere Nutzer ihre Beobachtungen. Ein Kommentar lautet: „Ich hab am Donnerstag die Polizei informiert, als 3 Kinder (ca. 3 bis 7 Jahre) alleine im Wasser spielten. Eins ließ sich am Anleger Orsoy treiben, während die Eltern im Schatten saßen. Ich hab nur gebetet, dass nichts passiert.“

Ein Mann aus Wesel schreibt: „Ich werde 75 Jahre alt. Ich bin mit sieben Jahre allein zum Rhein angeln gegangen. Mein Vater hatte zu mir gesagt: Komm nicht auf den Gedanken, im Rhein schwimmen zu gehen, das überlebst du nicht. Das war eine klare Ansage, und das gilt bis heute.“ Es habe schon immer Menschen gegeben, die meinen, im Rhein schwimmen zu müssen.

Lesen Sie auch diese Artikel zum Thema

Zurzeit ist der Rhein für Menschen noch gefährlicher

Dabei ist dies beim aktuellen Niedrigwasser noch gefährlicher, weil die Fahrrinne enger ist. „Wenn sich zwei Schiffe begegnen, gibt es dadurch eine noch größere Wasserverdrängung. Das sind regelrecht Monsterwellen, die an die Strände klatschen und zurück einen unfassbaren Sog entfalten“, erklärte unserer Redaktion einmal Martin Flasbarth von der DLRG in Duisburg. Wer dann im Wasser stehe, habe keine Chance. „Da werden einem die Füße einfach so weggerissen und dann geht’s sofort runter in die Tiefe.“

Zuletzt hatte in Duisburg ein Gelsenkirchener am 18. Juni an der Rheinorange gebadet und einen Großeinsatz ausgelöst. Am 30. Mai waren bei Marxloh unbelehrbare Väter mit ihren Kindern dort ins Wasser gegangen, wo 2021 drei Mädchen von der Strömung erfasst worden waren und ihr Leben verloren hatten. Nach dem Polizeieinsatz hatte unsere Redaktion aufgezeigt, dass Wasserschutzpolizei und Ordnungsamt tatsächlich nur sehr selten Bußgelder verhängen.

Seit 2020 waren in Duisburg 14 Badetote zu beklagen, sechs von ihnen kamen im Rhein ums Leben.