Der Seeadler-Nachwuchs in der Walsumer Rheinaue wächst und gedeiht, ist inzwischen sechs Wochen alt. In diesem Jahr freuen sich Naturschützer über zwei Küken. Mit den drei vom letzten Jahr gibt es damit schon fünf Nachwuchsadler in Duisburg. Und wieder kommen viele Vogelliebhaber an den Horst, um zu beobachten, was sich da tut.

Duisburger Seeadler ziehen in der Rheinaue zwei Junge auf

Und obwohl die Mini-Adler noch so jung sind, ist das einiges: Neben der Fütterung kann man auch die ersten Vorbereitungen der Kleinen auf ihr Leben als größter Greifvogel Europas beobachten: Sie schlagen schon mit den Flügeln. Die wachsen jetzt jeden Tag ein bisschen: „Die großen Federn schieben sich Stück für Stück aus den sogenannten Blutkielen heraus“, erklärt Duisburgs Greifvogel-Experte Michael Kladny vom BUND. Wenn sie ausgewachsen sind, werden die Tiere eine imposante Spannweite von etwa 2,50 Metern erreichen.

Auf diesem Foto sind die Kleinen gerade einmal zwei Wochen alt und man muss genau hingucken, um ihre Köpfchen zu entdecken.
Auf diesem Foto sind die Kleinen gerade einmal zwei Wochen alt und man muss genau hingucken, um ihre Köpfchen zu entdecken.© Christian Falk

In den nächsten Wochen wird das Training gesteigert: „Zwei bis drei Wochen vor dem ersten Ausflug, mit dem wir in etwa sechs Wochen rechnen, intensivieren sie ihre Übungen. Dann kann man sie auch im Nest springen sehen“, erklärt Kladny. Mit diesen Sprüngen üben sie spätere Punktlandungen.

Der Vogelschützer freut sich, dass ihm auf dem Weg, von dem aus man den Horst besonders genau beobachten kann, viele bekannte Gesichter aus 2025 begegnen – die Adler haben eine treue Fanbase. Nicht nur die Besucher stellen ihm die Frage, die viele Duisburger und Duisburgerinnen beschäftigt: Was ist aus dem Sensations-Nachwuchs vom vergangenen Jahr geworden?

Umweltminister Oliver Krischer besucht die Adler
Nicht nur Michael Kladny, Greifvogel-Experte beim BUND Duisburg, behält die Seeadler im Blick.© FUNKE Foto Services | Markus Joosten

Wo ist der Nachwuchs aus dem letzten Jahr hin?

Die Antwort macht nicht glücklich: „Wir haben null Ahnung“, erklärt Michael Kladny. Denn leider ist es nicht möglich, den Seeadlern einen Ring zu verpassen, den sie dann wie einen Personalausweis mit sich herumtragen würden. „Das Nest ist sehr hoch und so gebaut, dass die äußeren Äste bei einem Versuch abbrechen würden.“ Für die Tiere ist der Horst perfekt: nicht nur sehr sicher, sondern er bewegt sich auch sanft im Wind. Nur das Gewicht eines Menschen würde der Nestrand nicht aushalten.

Der Erfahrung nach bewegen sich Jung-Adler in einem Umkreis von etwa 100 Kilometern. Erst nach drei bis sechs Jahren werden sie sesshaft und sorgen für eigenen Nachwuchs. Dann haben die Seeadler einen Partner und ein eigenes Revier gefunden.

Das Duisburger Seeadler-Paar zieht zwei Junge auf.
Das Duisburger Seeadler-Paar zieht zwei Junge auf.© Christian Falk

Nun tauchen in Duisburg immer mal wieder junge Single-Adler auf, die manchmal sofort, manchmal erst nach ein paar Tagen wieder verschwinden. Auf solche Stippvisiten reagieren ältere Adler gelassen: „Sie genießen eine Art Welpenschutz“, so Kladny. Nur soll sich bloß niemand trauen, sich dort niederlassen zu wollen. Dann gibt es einen Revierkampf.

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Ob es sich bei den Adlern auf Besuch um die Kleinen aus dem letzten Jahr handelt? „Das kann, muss aber nicht sein“, erklärt der Vogelexperte. Manchmal lässt sich ein Tier anhand des Rings identifizieren: „Daher wissen wir, dass sich schon junge Adler aus den Niederlanden bei uns umgeguckt haben. Wer weiß, vielleicht sind unsere drei jetzt dort?“ Am Gefieder kann man die Tiere übrigens auch nicht erkennen. „Sie mausern sich einmal im Jahr und ändern dabei etwa die Farbe.“

Sich über die Küken 2025 Gedanken zu machen, führt zu nichts. Da ist es besser, den aktuellen Nachwuchs im Blick zu behalten. Er hat jede Menge Aufpasser: Neben Kladny und seinen Mitstreitern behalten die Nachbarn die junge Familie im Blick. Dazu kommen Ranger und Vertreter des Landesarbeitskreises Seeadler NRW, eines Arbeitskreises im BUND. Nicht zuletzt haben die Naturschützer Kameras installiert.

Wie es um die Störche steht

Aktuell brüten zwölf Störchenpaare in der Walsumer Rheinaue – ein Paar mehr als 2025. Es könnte bald noch eins mehr werden. Aktuell ist ein Single-Mann auf Brautschau. Sein Weibchen ist ihm aus unbekannten Gründen abhanden gekommen.

„Wir können beobachten, dass er versucht, Weibchen anzubalzen, die über die Rheinaue fliegen“, berichtet Michael Kladny. Vielleicht kann er ja eine Storchendame dazu bewegen, in sein Nest zu ziehen.