Die Sensation ist jetzt schon zum zweiten Mal perfekt: Das Duisburger Seeadler-Paar hat wieder Nachwuchs bekommen. Zu Gesicht bekommen hat sie allerdings noch niemand. Sie sind einfach noch viel zu winzig, um die Köpfchen über den Nestrand strecken zu können.

Duisburger Seeadler: Wie viele Junge geschlüpft sind, ist noch ein Geheimnis

Deshalb wissen nicht einmal die Vogelschützer, wie viele Seeadler-Küken jetzt in dem Horst in der Walsumer Rheinaue hocken. Es kann eins sein, aber auch drei. Mehr Nachwuchs zieht ein Seeadler pro Saison grundsätzlich nicht auf. „Es wird noch bis Anfang April dauern, bis man die Kleinen sieht“, erklärt Michael Kladny, Greifvogelexperte beim BUND in Duisburg.

Wieso ist er sich dann so sicher, dass schon Junge geschlüpft sind? „Weil das Weibchen das Nest nicht mehr verlässt und den Kopf ständig nach unten beugt“, erklärt Kladny. Beim Brüten haben sich Männchen und Weibchen beim Nestdienst noch abgewechselt. Jetzt hat er den Job, das Weibchen mit Futter zu versorgen. Und das erledigt das Adler-Männchen vorbildlich.

Seeadlerküken im Wildpark Eekholt
Die Duisburger Küken zu fotografieren, ist noch unmöglich. Deshalb dieses Foto: So sieht ein kleiner Seeadler aus.© picture alliance / dpa | Carsten Rehder

Um in den Horst in luftiger Höhe hineinschauen zu können, müsste man eine Drohne einsetzen. „Und das verbietet sich total“, erklärt Kladny. Damit könnte man die sensiblen Tiere verscheuchen. „Dann wären die Küken bei den aktuellen Temperaturen nach zehn Minuten tot.“

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Im vergangenen Jahr haben alle Beteiligten ein großes Geheimnis um den wertvollen und seltenen Nachwuchs gemacht – aus Angst, ein Besucheransturm könnte Schaden anrichten. Deshalb haben die Naturschützer vier Wochen gewartet, bis sie mit der Nachricht an die Öffentlichkeit gegangen sind.

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Tatsächlich sind unzählige Vogelfreunde aus ganz NRW nach Duisburg gekommen. Aber alle hätten sich rücksichtsvoll verhalten, lobt Kladny. Sie haben den Horst von einem etwa 300 Meter entfernten Weg beobachtet. Allein die Nachricht, dass die Adler wieder brüten, hat auch in diesem Jahr erneut viele Besucher in die Rheinaue gelockt.

Umweltminister Oliver Krischer besucht die Adler
Greifvogelexperte Michael Kladny beobachtet das Geschehen am Nest.© FUNKE Foto Services | Markus Joosten

Der Standort des Horsts ist gut gewählt

Natürlich gibt es immer noch Sicherheitsvorkehrungen wie Wildkameras oder gebriefte Nachbarn, die sofort melden würden, wenn sich jemand ins Dickicht schlagen und Richtung Nest laufen würde. „Unsere Community ist auch mehr als regelmäßig vor Ort“, sagt Kladny. Ab April werden wieder Ranger unterwegs sein. Die Tiere haben ihren Standort aber auch schlau gewählt: „Da ist man von der Straße nicht mal eben in zehn Minuten. Der Horst befindet sich in einem Sumpf. Bis dort ist man mindestens 45 Minuten unterwegs.“

Seeadler sind die größten Greifvögel Europas und waren fast ausgerottet. In NRW leben aktuell nur drei oder vier Paare. „Genau kann man das nicht sagen, denn die Nester zu finden, ist nicht ganz einfach“, erklärt Kladny. Die Tiere lassen sich am liebsten in schwer zugänglichen, nassen Gebieten nieder. Gesichert sind neben dem Duisburger zwei weitere Paare: eins lebt auf der Bislicher Insel in Xanten, ein zweites in Westfalen.

Sorgen bereiten die Störche

Von elf Sörchen-Paaren, die 2025 in der Rheinaue gebrütet haben, sind neun schon wieder zurück in Duisburg. Zwei Nester sind also noch frei.

Kladny hofft, dass die Tiere nicht der Vogelgrippe zum Opfer gefallen sind. „Es kann aber auch sein, dass sie in einem Zugstau stecken.“ Bedeutet: Wenn es dauernd Gegenwind gibt, sitzen die Störche, die aus Afrika aus dem Winterquartier kommen, vor der Straße von Gibraltar fest.

Bis Mai könnten die freien Nester aber noch besetzt werden. Es gilt also, abzuwarten.