Duisburg ächzt unter der Extrem-Hitze – die Stadt ist auch offiziell einer der heißesten Orte Deutschlands. Hier wurde am 25. Juli 2019 mit 41,2 Grad der offizielle deutsche Hitze-Rekord gemessen, und auch in den aktuellen Temperatur-Rankings landet Duisburg ganz weit oben: Am Dienstag (1. Juli) lag Duisburg-Hochfeld in der „Hitliste Deutschland“ des Wetterdienstleisters DTN mit 37,9 Grad auf Rang 2; am Mittwochmittag (2. Juli, 13.30 Uhr) ermittelte der Deutsche Wetterdienst (DWD) – vor dem Hitzegewitter – nirgends in Deutschland höhere Werte als in Duisburg-Baerl: bis zu 38,3 Grad.

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In Duisburg gibt es zwei Wetterstationen, deren Daten Medien aufgreifen können: zum einen die des DWD im ländlichen Baerl, die Landwirt Michael Stermann nebenberuflich betreut. Auf dem freien Feld dort am Niederrhein wurden 2019 die 41,2 Grad gemessen.

Noch heißer als der offizielle Deutschland-Rekord: 41,6 Grad in Duisburg-Hochfeld

Die zweite Station liegt in Duisburg-Hochfeld und ist seit 2006 Teil des privaten Messnetzes von DTN, das einst zu Jörg Kachelmanns Meteomedia gehörte, inzwischen zur MeteoGroup Nederland BV mit Sitz in Utrecht. An jenem historischen 25. Juli zeigte das Thermometer dieser Station sogar noch eine höhere Temperatur an als das in Baerl: 41,6 Grad, wie Beate Debiel berichtet, die das DTN-Netzwerk verwaltet. Aber die offiziellen Rekordwerte bestimmt mit dem DWD allein der staatliche Wetterdienst.

Die DTN-Messstation in Hochfeld dürfte gleichwohl eher als die Baerler DWD-Station das Großstadtklima und die Wärmebelastung abbilden, der viele Bewohner der innerstädtischen Viertel an extrem heißen Tagen ausgesetzt sind. Denn wie erklärt der DWD zu seinen amtlichen Hitzewarnungen: „Mit einer zusätzlichen Belastung aufgrund verringerter nächtlicher Abkühlung ist insbesondere im dicht bebauten Stadtgebiet von Duisburg zu rechnen.“ Die gefühlte Temperatur in Duisburg gab der Dienst Wetterkontor am Mittwoch mit bis zu 46 Grad an.

Wo die Wetterstation in Hochfeld liegt, das verrät DTN nicht. „Die Standorte der Stationen unserer Kooperationspartner, zu denen auch Städte und Gemeinden gehören, geben wir aus Datenschutzgründen nicht an“, sagt Beate Debiel. Aber nach Informationen unserer Redaktion liegt die Station nicht mal im besonders heißen Zentrum von Hochfeld, sondern in der Nähe des Rheinparks.

Heiße Luft aus Afrika und Spanien strömt ungehindert an den Niederrhein

Warum aber wird es ausgerechnet in Duisburg so heiß? Der Rhein spielt dabei entgegen weit verbreiteter Annahmen wohl keine unmittelbare Rolle, meint Diplom-Meteorologe Thomas Kesseler-Lauterkorn, beim DWD stellvertretender Leiter des regionalen Klimabüros Essen. Er sagt, vor allem Folgen der geografischen Lage und Topografie (Gelände) treiben die Temperaturen im Hotspot Duisburg in die Höhe.

Denn Duisburg liegt in einer der wärmsten Regionen Deutschlands, in einem Dreieck von Kölner Bucht, Niederrhein und westlichem Ruhrgebiet – in den tiefsten Lagen Nordrhein-Westfalens. Wenn Kesseler-Lauterkorn Duisburgs „Orografie“ anführt, dann meint er im meteorologischen Sinne den Einfluss des Geländes auf das Wetter. Stark vereinfacht gilt: An Orten, die besonders tief liegen, kann es besonders warm werden.

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Es ist also kein Zufall, dass Duisburg den deutschen Hitzerekord gemeinsam mit Tönisvorst hält: Auch dort, im Kreis Viersen –ebenfalls am Niederrhein – wurden am 25. Juli vor sechs Jahren 41,2 Grad Celsius gemessen. Die meisten DWD-Stationen, die noch tiefer liegen als die in Baerl (24 Meter über dem Meeresspiegel), haben Standorte in Küstennähe.

Klimawandel: immer mehr Hitzetage in Duisburg

Duisburgs Lage in der westdeutschen Tiefebene hat in der aktuellen Großwetterlage auch direkte meteorologische Folgen, erklärt Kesseler-Lauterkorn: „Die heißen Luftmassen aus Afrika und Spanien strömen auf direktem Weg ungehindert über Westfrankreich und das Pariser Becken hinweg in den Westen von Nordrhein-Westfalen.“ Ein Gebirge kommt ihnen dabei nicht in die Quere.

Drittens erhitzen die bekannten „Ballungsgebiet-Effekte“ Duisburg zusätzlich, sagt der Sachgebietsleiter Stadt- und Regionalklimatologie. Zu Wärmeinseln führen beispielsweise der hohe Anteil versiegelter und bebauter Flächen, aber auch Luftschadstoffe und „anthropogene“, also menschengemachte Wärmefreisetzung durch Verkehr und Industrie an Europas größtem Stahlstandort.

Statistisch eindeutig belegt ist, dass es immer mehr Hitzetage in Duisburg gibt, also Tage, an denen die Höchsttemperatur 30 Grad erreicht oder überschreitet. Gerade mal fünf davon gab es in Duisburg laut Klimaatlas NRW zwischen 1951 und 1980 pro Jahr, zwischen 1991 und 2020 waren es schon elf. Der Rekord liegt bei 23 Hitzetagen im Jahr 2006 (wir berichteten).