Der städtische Veranstalter Duisburg Kontor hat das viertägige Matjesfest in der Innenstadt am Sonntag wegen der Hitze anderthalb Stunden vor dem Ende abgebrochen. Trotz der geringen Verkürzung diskutieren Nutzer im Internet, ob der Abbruch die richtige Entscheidung war und wie man dies hätte verhindern können – auch mit Blick auf künftige Sommer-Veranstaltungen in der Fußgängerzone. Für Duisburg Kontor bezieht Sprecher Alexander Klomparend Stellung.
Auch interessant
In den sozialen Netzwerken hielten sich Zuspruch und Kritik zum Abbruch in etwa die Waage. „Allenfalls machen die das, weil sie bei der Hitze nicht genug von den Sachen verkauft kriegen. Wir sind alle keine mündigen Bürger mehr, affig! In Oberhausen-Sterkrade sagt keiner die Kirmes ab, die fand immer schon bei Höllenhitze statt!“, kritisiert zum Beispiel Facebook-Nutzer Stefan Krüger.

Kontor-Sprecher Klomparend bestätigt, dass in der Hitze am Sonntag der Verkauf auf dem König-Heinrich-Platz gelitten habe. „Am Nachmittag war anders als an den Vortagen auch nicht mehr viel los.“ Gleichwohl betont er die gesundheitlichen Probleme der Menschen vor Ort: Gäste hätten über Unwohlsein geklagt und Beschäftigte der Marktbeschicker mit Schwindel zu kämpfen gehabt. Einige seien „kurz vorm Umkippen“ gewesen.
Matjesfest Duisburg: Hinter den Kühltheken steigt die Temperatur
„Für den gekühlten Fisch waren die Temperaturen unproblematisch, aber hinter den Kühltheken steigt in den Wagen durch die Abwärme der Kühlung die Temperatur zusätzlich“, erläutert Klomparend. Einzelne Händler und Wirte hätten darum und wegen der geringen Nachfrage die Veranstaltungsleitung gebeten, den Markt vorzeitig zu beenden. „Wir können aus Sicherheitsgründen nicht einzelne abfahren lassen, darum wurde es wegen der Probleme für alle beendet.“

Täglich (außer Samstag)
Duisburg-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!
Jeden Abend die wichtigsten News und exklusive Storys aus Duisburg – persönlich, mit Angeberwissen, Event- und Gastro-Tipps.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
[Wir schicken Ihnen jeden Abend die wichtigsten News und exklusive Storys aus Duisburg – persönlich, mit Angeberwissen, Event- und Gastro-Tipps. Hier können Sie den Duisburg-Newsletter bestellen.]
Der Abbruch sei zum Schutz von Angestellten und Gästen erfolgt und habe „sicher Schlimmeres und den Einsatz des Rettungsdienstes verhindert“, so Klomparend: „Einige Personen mussten von anderen begleitet und nach Hause gebracht werden, weil es ihnen in der Hitze nicht gut ging.“
Messstation in Duisburg-Hochfeld: 35,8 Grad am Sonntag
Das WDR-Wetterstudio meldete auf der Grundlage einer Messung im innerstädtischen Hochfeld für Duisburg die zweithöchste am Sonntag gemessene Temperatur in Nordrhein-Westfalen: 35,8 Grad. Nur in Köln-Porz-Wahn wurde eine noch höhere Temperatur gemessen, 36,1 Grad.

Vielen älteren und folglich hitzeempfindlicheren Besuchern hätten auf den versiegelten Flächen, zwischen den hohen Gebäuden der City, nicht nur die Temperaturen am heißesten Tag des Jahres zu schaffen gemacht, so der Sprecher. „Hitze, Sonneneinstrahlung, Luftdruck und Trockenheit – es war eine schwierige Situation.“
War die dank Wettervorhersage nicht absehbar? Auf der Hauptveranstaltungsfläche, wo sonst ein ebenerdiger Brunnen sprudelt, saßen die Gäste (wie in den Vorjahren auch) ohne Schutz in der prallen Sonne. „Wir kamen extra von der Nachbarstadt schon Freitag. Wenn man keine Sonnenschirme aufstellen kann, ist das traurig. Es war Freitag schon die Hitze pur!“, berichtete Facebook-Nutzerin Sabine Bettina Wink. Schattenplätze sind bei normalem Andrang rar.
Keine Sonnenschirme: Kontor will zusätzliche Beschattung prüfen
Über eine zusätzliche Beschattung „müssen wir mit Blick auf den Klimawandel und andere Sommerveranstaltungen auf der Königstraße intensiv nachdenken“, sagt Alexander Klomparend. Eine große bauliche Lösung an dieser prominenten Stelle wäre baulich und finanziell aufwändig, müsste politisch beschlossen werden. Vergleichsweise einfach umsetzbar wäre es für Duisburg Kontor, die Marktbeschicker zu verpflichten, vor ihren Ständen und Wagen selbst für Schattenplätze zu sorgen. „Einige wie der Merteshof bringen ja schon Doppelpavillons mit. Wir werden prüfen, wie man das ausbauen kann.“
Auch interessant für Sie? 5 viel gelesene Duisburg-Artikel:
- Pink-5k-Lauf in Duisburg: 170 flotte Fotos von Läuferinnen und Läufern im Regen
- DVV-Gehaltsaffäre: Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen acht Beschuldigte
- Ex-Chefarzt überrascht im Missbrauchsprozess: „Ich habe mich in sie verliebt“
- Massive Mängel in Seniorenresidenz entdeckt: Prüfbericht enthüllt Details
- Delta Musik Park: 70 exklusive Fotos – Erinnerungen an legendäre Party-Nächte
Keine Option sei es wegen der Interessen der Gastronomen dagegen, ab einer bestimmten Temperatur kostenlos Wasser an die Besucher zu verteilen, so Klomparend. Zumal es Trinkwasserspender auf der Königstraße gebe. Das Problem sei vielmehr, dass viele ältere Menschen ihren Flüssigkeitsmangel erst (zu) spät bemerken. Für ein Glas Wasser waren auf dem Matjesfest in diesem Jahr 3,50 Euro fällig.
Bäume und Sonnensegel am Hauptbahnhof
Der Vorfall dürfte die Debatte über Klima-, Baum- und Bevölkerungsschutz in einer der heißesten Städte Deutschlands anheizen. Die Stadt hatte vor wenigen Tagen bekanntgegeben, auf einer anderen Hitzeinsel der Innenstadt reagieren zu wollen. Der 12.000 Quadratmeter große Portsmouthplatz zwischen Hauptbahnhof und Mercatorstraße ist voll betoniert, unter der „Bahnhofsplatte“ liegt die A59. 20 zusätzliche Bäume in Pflanzkübeln und Sonnensegel sollen in Zukunft Schattenplätze bieten (wir berichteten).
Zuletzt hatten die Grünen in der Bezirksvertretung Mitte konkrete Maßnahmen für die Betonwüste gefordert. Die neuen Baumkübel hatte die Fraktion Junges Duisburg im März 2024 durch eine Anfrage im Umweltausschuss angestoßen.
>> Duisburg hälte Hitzerekord mit 41,2 Grad
Duisburg hält auch einen Hitze-Rekord: Die höchste jemals an einer Station des Deutschen Wetterdienstes gemessene Temperatur beträgt 41,2 Grad – sie wurde Ende Juli 2019 im Duisburger Stadtteil Baerl und in Tönisvorst (Kreis Viersen) erreicht.
Die DWD-Wetterstation in Baerl liegt gleichwohl fernab der dicht bebauten Duisburger Innenstadt im linksrheinischen Westen am Niederrhein.





