Heiß, heißer – Innenstadt. Bis Mittwoch steigen die Temperaturen in Duisburg auf bis zu 38 Grad Celsius an. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor einer starken Wärmebelastung. Die extreme Hitze wird in der Innenstadt durch dichte Bebauung und viele versiegelte Flächen verstärkt. Zu viel für Handel und ihre Kunden? Ein Traditionsgeschäft in Duisburg geht vorweg und passt die Öffnungszeiten an.
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Das Spielwarengeschäft Roskothen am Sonnenwall schließt bis einschließlich Mittwoch bereits mit der Mittagspause um 13 Uhr. Die montags bis freitags übliche zweite Öffnungsperiode von 14 bis 18.30 Uhr entfällt an diesen Tagen.
Es ist eine Vorsichtsmaßnahme: „Wir schließen eher, um unsere Kunden und uns selbst zu schützen“, erklärt Inhaber Boris Roskothen. Durch die großen Glasfronten des Geschäfts werden im Laden hohe Temperaturen erreicht. Gerade im oberen Stockwerk wird das Wetter so zu einer echten Belastung.

Für die Hitzetage hat Roskothen zudem entschieden, eine Stunde früher und somit bereits um 9 Uhr zu öffnen. So möchte Duisburgs erste Adresse für Spielwaren den Kunden die Möglichkeit geben, den Einkauf bei kühleren Temperaturen zu erledigen.
Über die geänderten Öffnungszeiten hat der Inhaber in sozialen Netzwerken informiert, auch bei Google hat er die Zeiten angepasst, um Enttäuschungen bei Kunden zu vermeiden. Telefonisch wird Boris Roskothen ebenfalls Auskunft geben und beraten, kein Kind solle am Geburtstag enttäuscht werden.
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Kaum Umsatz an heißen Tagen: „Es macht auch kaufmännisch keinen Sinn“
„Es macht auch kaufmännisch keinen Sinn“, erklärt Roskothen. Hitzetage sind für ihn nicht besonders umsatzstark. Bei hohen Temperaturen verirren sich weniger Menschen in die Innenstadt. Auch der Handelsverband Niederrhein sieht einen negativen Einfluss extremer Hitze auf das Konsumverhalten.
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Roskothen bringt für den Sommer mit langen Hitzeperioden deshalb auch ein Umdenken ins Spiel: Eine verlängerte Mittagspause für den Handel – angelehnt an die südeuropäische Siesta. In Spaniens Innenstädten öffnen viele Geschäfte, jenseits der touristischen Zentren und klimatisierten Einkaufstempeln, bis zur Mittagszeit. Dann folgt in der Regel von 14 bis 17 Uhr eine Pause. Am Nachmittag und bis in die Abendstunden werden Ladenlokale wieder geöffnet.

Braucht Duisburg eine Siesta – oder vielmehr eine klimaresiliente Innenstadt?
Ein Szenario, das bei langen Hitzeperioden perspektivisch denkbar wäre. „Handel ist Wandel“, sagt Doris Lewitzky, Geschäftsführerin des Handelsverbandes Niederrhein. Wenn sich Käuferströme verändern, wäre ein Prozess der Anpassung denkbar. Doch viele Menschen sind an durchgehend geöffnete Geschäfte gewöhnt, zudem braucht es flexible Arbeitszeitmodelle.
Bevor Geschäfte ihre Öffnungszeiten auf breiter Front ändern, muss die Stadt die Innenstadt hitzetauglicher gestalten. „Wir brauchen viel mehr Bäume und Fassadenbegrünung“, sagt Boris Roskothen über die City der Zukunft. Der Kampf gegen Hitzeinseln ist bei der Entwicklung der Innenstädte von morgen eine zentrale Herausforderung für Städteplaner.
Initiative kämpft für lebenswerte Innenstadt
Wissenschaftler sind sich einig: Intensität und Häufigkeit der Hitzetage gehen auf den Klimawandel zurück. Ab Temperaturen von 30 Grad gilt ein Tag als Hitzetag. Auch Tropennächte nehmen zu, also Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius sinkt. In der verdichteten Innenstadt ist die Belastung aufgrund der dichten Bebauung deutlicher spürbar.

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Mit mehr Bäumen, mehr Verschattung, fließenden Wasserquellen und außenliegendem Sonnenschutz sowie Dachbegrünungen ließe sich ein Aufenthalt in der Innenstadt angenehmer gestalten. Bürgerinitiativen wie „Duisburg in Wallung“ versuchen solche Themen anzustoßen.
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Test in der Innenstadt zeigt Hitzebelastung
Mitten in der Hitzeinsel Innenstadt hat es im Rahmen der Umweltwochen in den vergangenen Wochen einen Test gegeben, der die Auswirkungen von heißen Tagen in der Innenstadt zeigt. Im Bereich König-Heinrich-Platz wurden zwei Modellhäuser errichtet, von denen eins gut gedämmt war, das andere keine Dämmung hatte. Im Rahmen der Initiative Energiesparhaus Ruhr wurden jeweils zirka 200 Kilogramm Eis in den Modellhäusern verschlossen.
Zwölf Tage mit viel Sonnenschein inklusive vier Tagen mit bis zu 35 Grad Celsius – in dieser Zeit kam es aufgrund der Hitze in der Innenstadt auch zum Abbruch des Matjesfestes – haben dem Eis in beiden Häusern zugesetzt.
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Nach fünf Tagen war das Eis im ungedämmten Haus geschmolzen, während im gedämmten Haus noch rund die Hälfte des Eises vorhanden war. Nach sieben weiteren Tagen war auch dieses Eis geschmolzen. Einen Unterschied gab es bei der Wassertemperatur: im ungedämmten Haus lag sie mit 26 Grad deutlich über der im gedämmten Haus mit 11 Grad.
>> STADT ARBEITET AN HITZEAKTIONSPLAN
- Und welche Maßnahmen ergreift Duisburg? Ein Hitzeaktionsplan wird nach Angaben der Stadt erarbeitet. Um einen gezielten Umgang mit Hitzeperioden zu gewährleisten, hat die Verwaltung im Juni 2023 eine interdisziplinäre Projektgruppe aufgestellt, die verschiedene Maßnahmen ausarbeitet.
- Im Fokus stehen hierbei insbesondere die vulnerablen Gruppen, z.B. Senioren, Kleinkinder oder Obdachlose, die in besonderem Maße von Hitze betroffen sind. „Ein besonderes Augenmerk liegt in der Sensibilisierung der Bevölkerung“, teilt die Verwaltung mit.
- Abrufbar sind Tipps gegen Hitze auch im Internet: www.duisburg.de/hitzetipps.
- Auf der Königstraße wurden als eine Maßnahme zwei Trinkwasserbrunnen errichtet, an denen es rund um die Uhr frisches Trinkwasser gibt. „Weitere Brunnen werden folgen“, informiert die Verwaltung.








