Museen und Kunst haftet ja oft ein hartnäckiger Ruf der Verstaubtheit, der Ewiggestrigkeit an. Hat in den allermeisten Fällen nichts mit der Realität zu tun, aber hat sich die gesellschaftliche Meinung erstmal gebildet – Sie wissen schon. Das Lehmbruck-Museum in Duisburg hat nun sein Programm für das Jahr 2025 vorgestellt, und damit ein eindrucksvolles Statement geliefert, wieso die bildende Kunst noch immer von Relevanz ist – in unserer schnelllebigen Leistungsgesellschaft vielleicht sogar mehr denn je. Das betonte bei der Programmvorstellung übrigens auch die Kulturdezernentin Linda Wagner: „Eine lebendige Kulturlandschaft ist für unsere Stadt überlebenswichtig.“
Eva Aeppli und Jean Tinguely: „Mechanik und Menschlichkeit“, 23. März bis 24. August
Zum 100. Geburtstag des Schweizer Künstlerehepaares holt das Duisburger Museum rund 90 Werke von Aeppli und Tinguely in die Stadt, und damit die weltweit erste so umfassende Ausstellung zum Duo. Von Tinguely gibt es vor allem Maschinen zu sehen, die – von Motoren angetrieben – die Frage behandeln: Wie viel Menschliches steckt in der Maschine, und umgekehrt?

Jean Tinguely, der 1976 den Wilhelm-Lehmbruck-Preis bekam, erörtert diese Frage etwa mit einer Malmaschine, die den Schaffensakt des Künstlers an einen Roboter delegiert, und ist damit brandaktuell: Mit dem Beginn des KI-Zeitalters stehen Menschen, nicht nur Künstler, auf der ganzen Welt vor einem ganz ähnlichen Problem. Mit dabei ist auch die Maschine „Rotozaza No. 2“, deren einzige Funktion es ist, Bierflaschen zu zertrümmern. „Damit macht sie genau das nicht, was Maschinen machen sollen: produzieren“, erklärt Lehmbruck-Direktorin Dr. Söke Dinkla. Damit lehnte sich Jean Tinguely schon in den 60er-Jahren gegen eine Gesellschaft auf, die ihr ganzes Streben auf die Produktivität ausrichtet – ganz so, wie es junge Generationen heute tun.

Die Werke Eva Aepplis hingegen bewegen sich nicht, zumindest nicht im physischen Sinne. Thematisch allerdings behandeln sie ganz ähnliche Felder wie die ihres damaligen Ehemanns Tinguely. Zum Beispiel die „Groupe de 48“, 48 lebensgroße Figuren, uniform in schwarzen Gewändern, die Gesichter zu einem stummen Schrei verzerrt. Eine Rebellion, ein lautloser Protest, und in ihrer bedrohlichen Pracht ein skulpturgewordener Protest. Obendrauf zeigt das Lehmbruck-Museum aber auch Werke, die die beiden Künstler gemeinsam geschaffen haben, etwa die Maschinen-Skulptur „Komm mit mir auf die Schaukel, Luise“ – die genauso skurril ist, wie ihr Titel.
Mika Rottenberg: „Queer Ecology“, 27. September bis 1. März 2026
Die argentinisch-israelische Künstlerin nimmt sich im Lehmbruck-Museum eines anderen großen Themas unserer Zeit an: dem Konsum. Zum Beispiel mit ihrem Werk „Lampshares“, das recyceltes Plastik aus ihrer New Yorker Wahlheimat mit invasiven Pflanzenarten aus den umliegenden Wäldern zu – oberflächlich – schönen Lichtskulpturen kombiniert. Oberflächlich, weil beide Materialien in ihren jeweiligen Welten giftig für das Leben dort sind. Die Verflechtung der Materialien erklärt dabei den Titel der Ausstellung: Die Auflösung des binären Verständnisses von Mensch und Natur, der Weg zu einer integrativen Existenz, um den Folgen unseres Raubbaus der Erde zu begegnen.

In Zusammenarbeit mit dem Modellprojekt „Urban Zero“, das Ruhrort zu einem umweltneutralen Stadtteil machen soll, will das Lehmbruck-Museum die Ausstellung nutzen, um einen Workshop auf die Beine zu stellen – und eventuell eine eigene, kleine Kreislaufwirtschaft im Museum. Mit 30 Werken wird „Queer Ecology“ die größte Mika-Rottenberg-Ausstellung in Deutschland.
Und was gibt’s sonst noch?
Peter Kogler: Im Rahmen der Reihe „Sculpture 21st“ gestalten Werke des österreichischen Künstlers vom 5. Juli bis zum 20. Oktober die Räume des Museums unmittelbar. Mithilfe von Computeranimationen, Projektionen und „Mixed Reality“ werden die Hallen des Lehmbruck-Museums zu illusorischen, immersiven Labyrinthen. Kunst, nicht zum Anfassen, aber zum Erleben.

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Hans-Jürgen Vorsatz: Einer der bedeutendsten Bildhauer der Stadt wird 80 Jahre alt, und das Lehmbruck-Museum widmet ihm vom 23. Februar bis zum 7. September eine Ausstellung. Zu sehen gibt es unter anderem seine gewaltigen, raumgreifenden Skulpturen aus Stein und Metall.
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Audioguide zur Kunst im Kantpark: Das Lehmbruck-Museum öffnet sich mit der Audioführung in den Park. Ab sofort steht die Führung unter lehmbruckmuseum.de zur Verfügung und gibt Einblicke zur Kunst im öffentlichen Raum, mitten im Herzen Duisburgs.
Natürlich hat das Museum 2025 noch eine ganze Menge mehr zu bieten: Alle Ausstellungen, Aktionen wie die Extraschicht oder das Sparda-Sommerfest und weitere Projekte finden Sie im Internet unter lehmbruckmuseum.de.
>> Bilanz: So war das Jahr 2024 für das Duisburger Lehmbruck-Museum
- „Sehr zufrieden“ ist Söke Dinkla mit dem vergangenen Jahr. 43.260 Besucher kamen ins Museum, noch ein wenig mehr als im Jahr 2023.
- Sonderaktionen wie die Extraschicht und das Sparda-Sommerfest lockten auch Besucher, die sonst weniger Berührungspunkte mit dem Museum haben. Moderne Finissagen mit DJ und Cocktailbar zogen vor allem jüngeres Publikum an.
- Auch auf Social Media wächst das Museum, 13.000 Menschen folgen dem Lehmbruck-Museum mittlerweile auf Instagram. Besonders gut kommen die Beiträge zu den Werken Wilhelm Lehmbrucks an.





