Wo werden Fleischesser und Veganer in Dortmund gleichermaßen satt und zufrieden? Das testen wir in unserer Gastro-Kolumne „DOppelt schmeckt besser“. Diesmal haben wir das Open-Air-Restaurant von Sternekoch Michael Dyllong im Hafengarten getestet. Die neue Location, direkt am Gelände für Public Viewing und Filmnächte, entwickelt sich ja gerade zum angesagten Treffpunkt für die kommenden (hoffentlich schönen) Sommernächte. Aber was kann die Hafenkitchen wirklich – und findet auch Veganerin Stephie hier etwas Leckeres?

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Das ist gar nicht so einfach. Die Speisekarte ist mit insgesamt zehn Gerichten nämlich ziemlich klein – und etwas Veganes findet sich nicht darauf. Huhn, Rind, Garnelen, Ceviche, Tartar: Klingt alles toll, ist jedoch nichts für meine Begleiterin. Aber bei „Artischocke Vegetarino“ oder dem „Wilden Brokkoli“ haben wir Hoffnung, dass sich daraus etwas Vegetarisches zaubern lässt.
In der Tat bietet die Servicekraft zunächst an, bei der Artischocke die Salsa verde und den Parmesan oder beim Brokkoli die Kräutermousseline einfach wegzulassen. Stephanie kann das nicht überzeugen. „Was bleibt dann noch übrig? Dann ist das Gericht ja nicht mehr rund.“ Die Kellnerin fragt noch mal nach und hat gute Nachrichten: Beim Brokkoli könnte die Mousseline durch Süßkartoffel ersetzt werden. „Das ist dann auch ein bisschen cremig.“ So machen wir‘s.

Als Vorspeise bestellen wir „Tomate Mozzarella“ zum Teilen. „Oliven, Focaccia, Basilikum“ steht noch dabei. Davon können wir beide etwas essen – so der Plan. Doch der geht nicht auf. Tomaten, frisch und getrocknet, Oliven, Silberzwiebeln, Mozzarella-Kugeln und Rucola stapeln sich auf zwei Brotscheiben. Die sind aber mit Pesto bestrichen. Und beim Parmesan ist Stephanie nun mal raus.
Sie pickt sich daher nur eine Olive und eine halbe Tomate und schmollt. Nachdem wir so lange über vegane Möglichkeiten verhandelt haben, findet sie: „Das hätte man uns schon bei der Bestellung sagen müssen.“ Doch ihr Leid ist meine Freud: Der Geschmack ist köstlich. Mit der klassischen, oft faden Variante, hat das Gericht in der Dyllong-Version nicht mehr viel gemein. Die verschiedenen Texturen und Aromen ergänzen sich wunderbar, die Käsekugeln haben nichts Gummiartiges und zerfließen fast auf der Zunge.
Die letzten Folgen des Gastro-Checks
Mit dem Hauptgericht sind wir dann beide wieder glücklich. Meine Tagliata di Roma – vom Heritage Angus Beef, verrät die Karte – ist wunderbar zart und genau so medium, wie ich es wollte. Die kleinen Fleischscheiben liegen zusammen mit zwei Salatherzen ebenfalls an der von Stephie abbestellten Kräutermousseline, einem sahnigen, feinen Püree. Dazu gibt‘s eine feine dunkel-glänzende Sauce. Süß, sauer, sahnig, würzig: eine tolle Kombination.

Auch Stephanie schmeckt ihr abgewandeltes Hauptgericht gut. Der Brokkoli kommt nicht nur mit der Süßkartoffel, sondern auch mit Graupen und Quinoa sowie Knoblauchbrotkrumen. „Das ist so gut gewürzt, da brauche ich nicht mal die Aioli zu“, meint meine Kollegin. Nur die kalten, sauer eingelegten Shiitake-Pilze stoßen bei ihr nicht so auf Begeisterung.
Beim Nachtisch schaut sie dann leider wieder in die Röhre. Schokoladen-Brownie und Erdbeer-Tiramisu stehen zur Auswahl, beide sind nicht vegan. Ich nehme das Tiramisu und staune. Es erinnert in Form und Textur mehr an eine Panna Cotta mit Teigstückchen. Aber zugegeben: an eine sehr leckere. Stephie tröstet sich mit dem Wein vom Weingut Manz in der besonderen Hafenkitchen-Edition. Weiß und Rosé sind auf der Karte. Stephie ist angetan: „Beide toll!“

Der Preis: Fun Dining statt Fine Dining hat Michael Dyllong für die „Hafenkitchen“ versprochen. Aber natürlich gibt es die Kreationen des Starkochs, der bis Ende März noch einen Stern hatte, nicht zum Preis einer Currywurst. 9,50 Euro kostet etwa Tom Kha Gai Suppe, 12 Euro die Mozzarella-Tomaten, 16 das Tartar. Unsere Hauptgerichte schlagen mit 16 Euro (Brokkoli) und 24 Euro (Tagliata) zu Buche. Insgesamt zahlen wir am Ende mit Getränken 75 Euro. Wahrlich kein Schnäppchen, aber angemessen für die Qualität und einen Abend in einer wirklich außergewöhnlichen Location.

Wobei man den Charme verfallener Industrie-Anlagen natürlich mögen muss, um die Atmosphäre schätzen zu können. Die Hafenkitchen befindet sich direkt neben dem Stahlskelett der alten Knauf-Interfer-Halle, in der die Public Viewings zur WM und später im Sommer die Kinonächte stattfinden werden. Man blickt auf Graffitiwände und die verlassenen Gebäude, die bald zu neuem Leben erweckt werden sollen. Ab und zu rauscht ein Güterzug vorbei. Wasser sieht man nicht, aber dafür, wie die Kräne im Hafen arbeiten.

Mitten in dieser urban-maroden Kulisse haben die Betreiber des Lokals eine schicke Wohlfühloase geschaffen. Unterm geschwungenen Zeltdach lässt es sich auch bei Nieselregen aushalten. Die Deko ist ansprechend, die Tische hübsch eingedeckt. Wer lieber in der Sonne sitzen will, kann sich in einen der Liegestühle außerhalb des Zelts fläzen und seinen Drink genießen. Es läuft lässige Loungemusik, die manchmal allerdings von der Fußballübertragung und dem Rattern der Züge übertönt wird.
Der Service ist sehr bemüht und freundlich, schnell werden unsere Wünsche umgesetzt. In Sachen „vegane Beratung“ ist allerdings, wie gesagt, noch Luft nach oben. Und auch das System zur Kartenzahlung zickt offenbar immer noch rum. Zum Glück hatten wir genügend Bargeld dabei.
Der Veganer-Fleischesser-Faktor ist leider nicht überzeugend. Obwohl Stephie schließlich ein leckeres, veganes Gericht auf dem Teller hatte, sagt sie: „Einem Veganer würde ich das Lokal nicht empfehlen.“ Dafür war ihr die Auswahl zu klein, das Hin und Her vor der Bestellung zu mühsam. Fleischesser und auch Vegetarier kommen hingegen problemlos auf ihre Kosten.
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Unsere Bewertung:
Geschmack: 4,5 von 5 Punkten
Service: 3,5 von 5 Punkten
Atmosphäre: 4 von 5 Punkten
Insgesamt: 4 Punkte
Hinweis der Redaktion: Diese Gastro-Kritik entspricht dem subjektiven Geschmacksurteil der Verfasserinnen. Bei unseren Tests geben wir uns nicht zu erkennen, bewerten unabhängig und bezahlen das Essen selbst.
Open-Air Kitchen by Dyllong, Bülowstraße 12, 44147 Dortmund. Tel.: 0231 130 542 19. In der ersten Phase gelten folgende Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag ab 16 Uhr, Sonntag ab 12 Uhr. hafenkitchen.de





