Wo werden Fleischesser und Veganer in Dortmund gleichermaßen satt und zufrieden? Das testen wir in unserer Gastro-Kolumne „DOppelt schmeckt besser“. Diesmal sind wir in ein italienisches Restaurant gegangen, das uns mehrfach empfohlen worden war und viele Fans hat: die Trattoria „Da Nino“ in Aplerbeck. „Da gibt es auf Wunsch auch veganen Käse auf der Pizza“, hieß es. Na, dann kann ja nichts mehr schiefgehen. Oder?

Jeden Mittwoch
Newsletter WochenDOsis: Jetzt anmelden
Deine wöchentliche Portion Dortmund: Geschichten aus unserer Stadt, für die wir ganz genau hingesehen haben. Jeden Mittwoch um 6 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
„WochenDOsis“: So heißt unser Newsletter aus Dortmund und für Dortmund. Jeden Mittwochmorgen um 6 Uhr verschickt das Team der WAZ Dortmund eine fein abgestimmte Story-Mischung direkt ins E-Mail-Postfach – hintergründig, informativ, unterhaltsam. Hier geht‘s zur kostenlosen Anmeldung.
Die Speisekarte ist groß, ein bisschen zu groß für meinen Geschmack. Über 160 Speisen stehen darauf. Neben Pizza und Pasta, Salaten und Gnocchi gibt es Fleisch und Fischgerichte. Außerdem wird uns eine Tageskarte mit besonderen Empfehlungen gereicht. Das Essen soll „eine kulinarische Reise durch die echten Aromen“ Italiens und vor allem Kalabriens bieten, wirbt das Restaurant, die Pasta sei hausgemacht. Da machen wir uns doch gerne auf den Weg.
Dortmunder Trattoria verspricht kalabrische Küche
Kalabrische Küche, also dann. Als Vorspeise bestelle ich Vitello Tonnato, also Kalbfleisch mit Thunfischsauce, und Stephie eine Tomatensuppe. Die kommt auf der Speisekarte im Kleingedruckten ganz ohne Allergen-Hinweis aus, Zusatzstoffe wie Milchprodukte, Ei oder Krebstiere sind ansonsten im Anhang aufgelistet. Trotzdem fragt Stephanie sicherheitshalber noch mal nach und erfährt: Den üblichen Klecks Sahne auf der Suppe könne man für sie ja weglassen.
Der Geschmack: Mein Vitello ist wirklich gut gelungen. Das Fleisch ist nicht nur zart, sondern auch zartrosa, die Thunfischsauce angenehm frisch, nicht so mayo-schwer, wie sonst häufig, und zum Glück auch nicht sehr fischig. Ein Tick mehr Salz hätte ihr gutgetan, finde ich. Aber darüber lässt sich streiten. Der Teller ist schön angerichtet, auf dem hübschen Soßen-Gitter thront ein Häufchen Rucola und eine Tomate, die sieben Kapern fand ich eher knapp bemessen.
Bei der Tomatensuppe bleiben Zweifel
Stephies Tomatensuppe ist hingegen eine wirklich ordentliche Portion, sie duftet gut. Doch meine Kollegin traut dem Braten nicht. Denn die Suppe hat die typische rosarote Farbe, die entsteht, wenn Sahne auf Tomate trifft. Deshalb fragt sie beim (inzwischen leicht genervt wirkenden) Kellner noch mal nach, ob die Suppe wirklich vegan ist. Die Antwort: „Ist normal. Tomatensuppe.“

Wir probieren beide. Die Suppe ist zweifellos lecker, schmeckt fruchtig nach frischen Tomaten und Kräutern. Aber eben auch recht cremig. Stephie kann und will ihre Abneigung nicht überwinden und schiebt ihren Teller nach drei Löffeln daher doch lieber weg. Mir ist es recht. Dann eben zwei Vorspeisen.
Italienische Nudeln nur mit Ei?
Leider wiederholt sich das Problem mit den Zutaten auch bei der Hauptspeise. Alle Pizzen und Nudeln sind in der Karte mit dem Hinweis auf Ei gekennzeichnet, auch die einfachen Varianten. Stephanie fragt beim Kellner nach, ob denn wohl Ei im Pizza-Teig ist. Kurze Rückversicherung bei der Küche: Nein, ist nicht. Und in den Nudeln? „Natürlich, Pasta kann man nicht ohne Ei machen.“ Doch kann man, als Italiener sowieso.
Die letzten Folgen des Gastro-Checks
Sicherheitshalber wählt die Veganerin lieber eine Pizza mit Gemüse und veganem Käse, den sich das Restaurant 4 Euro extra bezahlen lässt. Auf der Vegetariano liegen Champignons, Paprika, Brokkoli, Artischocken, Zwiebeln, Spargel und Spinat. Der Boden der 24-Zentimeter-Mini-Pizza ist damit mehr als reichlich belegt. Der Käse sieht mir etwas dröge aus – Fäden zieht er jedenfalls nicht – doch der Eindruck täuscht: Mit Geschmack und Konsistenz ihrer Pizza ist Stephie recht zufrieden, nur der Rand war ihr zu fest. Der hätte fluffiger sein können, meint sie.

Ich bin beim Hauptgang ebenfalls fleischlos unterwegs. Ich habe Spaghetti Aglio bestellt, also mit Knoblauch, Öl und Peperoni. Die mag ich nicht nur gern, sie sind, finde ich, auch ein gutes Basis-Gericht, um zu schauen, wie gut ein Restaurant kocht. In diesem Fall habe ich nichts zu meckern. Die Pasta (das sollen wirklich Eiernudeln sein?) ist perfekt al dente, scharf, aber nicht zu scharf, der Knoblauch schön geröstet. Die kurz mitgegarten Cocktail-Tomaten hätte ich nicht gebraucht, aber sie stören auch nicht.

Die Atmosphäre: Das Lokal ist gediegen und gemütlich eingerichtet, für eine Trattoria eher edel. Die Tische stehen nicht so eng, dass man jedes Gespräch der Nachbarn mitbekommt. Obwohl wir Mittag essen gegangen sind, war das Lokal ziemlich gut besucht und sicher mehr als die Hälfte der Tische besetzt. Immer wieder kamen auch Gäste, um bestellte Gerichte abzuholen, an einem Stehtisch hatte sich eine Gruppe Männer auf ein Glas Wein getroffen. „Da Nino“ ist offenbar ein beliebter Treffpunkt. Der Kellner hatte also gut zu tun.

Der Service: Ob es daran lag, dass er auf Stephies Fragen und Wünsche sehr wortkarg und „kurz ab“ reagierte oder daran, dass er mit vegan nichts am Hut hat – letztlich ist es egal: „Ich fühlte mich einfach wirklich nicht willkommen“, sagt meine Kollegin. Erst zum Ende hin wurde der Kellner bemühter. Da war für Stephie der Zug aber bereits abgefahren.
Aufschlag für Vegan-Käse finden wir zu hoch
Der Preis: 9 Euro kostet die Suppe, 16,90 Euro das Vitello. Mit 12,50 Euro steht die Pizza in der Mini-Variante auf der Karte, plus vier Euro für den veganen Käse, 11,80 Euro werden für die Spaghetti Aglio verlangt. Das sind typische Restaurant-Preise: Nicht gerade wenig, aber bei guter Qualität angemessen. Den Preis für die wirklich sehr kleine Pizza und den Vegan-Aufschlag finden wir indes zu hoch.

Der Veganer-Fleischesser-Faktor: Von dem hatten wir uns mehr erhofft. Nervig genug, die Zutaten im Kleingedruckten suchen zu müssen, aber wenn sie dann noch nicht einmal stimmen, fühlt man sich als Gast mit Essens-Einschränkungen nicht ernst genommen. Da kann ich Stephies Ärger verstehen. Zumal der extra beworbene vegane Käse ja zuvor vermuten ließ, dass das Lokal auf Veganer eingestellt ist.
Unsere Bewertung:
Geschmack: 4 von 5 Punkten
Service: 2,5 von 5 Punkten
Atmosphäre: 3,5 von 5 Punkten
Insgesamt: 3,5 Punkte
Hinweis der Redaktion: Diese Gastro-Kritik entspricht dem subjektiven Geschmacksurteil der Verfasserinnen. Bei unseren Tests geben wir uns nicht zu erkennen, bewerten unabhängig und bezahlen das Essen selbst.
Trattoria Da Nino, Edelstahlweg 1, 44287 Dortmund; Telefon: 0231 441353, trattoria-danino.de, mi-mo 11-22 Uhr, so bis 21 Uhr. di geschlossen.





