Sie gurren an Bahnhöfen, nisten unter Brücken und picken in Fußgängerzonen nach Krümeln: Tauben gehören längst zum Stadtbild. Doch woher kommen die vielen Tiere eigentlich und was wird gegen ihre rasante Vermehrung getan?

Woher kommen die vielen Stadttauben?

Stadttauben stammen von der Felsentaube ab, die einst in den Felswänden des Mittelmeerraums lebte. Bereits vor tausenden Jahren wurden diese von Menschen domestiziert – zunächst als Fleischlieferanten, später auch wegen ihres Orientierungssinns als Brieftauben. Die heutigen Stadttauben sind ihre verwilderten Nachfahren: ehemalige Haus- und Zuchttiere, die aus ihren Schlägen entflogen sind oder gar ausgesetzt wurden. Sie haben sich perfekt an das Leben in der Stadt angepasst und brüten das ganze Jahr über. Zurück bleiben Kot, Federn und verdreckte Fassaden – besonders rund um ihre Nistplätze.

Taubenloft Lünen
Eine Taube brütet in einem speziell dafür eingerichteten Nistplatz, doch ihr Nachwuchs wird nie schlüpfen: Die Eier wurden rechtzeitig von Tierschützern gegen Gips-Attrappen ausgetauscht.© Funke Medien NRW | Lisa Goedert

Überall Tauben: Was unternimmt die Stadt Dortmund?

Auf Nachfrage dieser Redaktion erklärt Stadtsprecher Christian Stein, man habe sich schon vor einigen Jahren für ein sogenanntes „integriertes Konzept“ entschieden, das eine „tiergerechte Lösung sowohl für den Konflikt zwischen manchen Menschen und Tauben als auch für die Gesunderhaltung der Stadttauben“ sein soll.

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Unsere WochenDOsis zum Thema Tauben & Gänse in Dortmund:

In der Praxis bedeute das, dass Tauben „an dafür geeigneten Stellen“ gezielt mit artgerechtem Futter versorgt werden. „Wenn die Tauben diese Stellen angenommen haben, kann dort eine Fortpflanzungskontrolle durch Austausch von Eiern erfolgen, kranke Tauben können eingefangen und behandelt werden.“ Solche Stellen sind beispielsweise der Taubenturm im Dortmunder Stadtgarten (TierSchutzVereins Gross-Dortmund e.V.) und das Stadttaubenprojekt in Körne-West.

Taubenloft Lünen
Die Taubeneier werden gegen Attrappen aus Gips ausgetauscht, um die Anzahl der Nachkommen zu reduzieren.© Funke Medien NRW | Lisa Goedert

Tauben werden in spezielles „Taubenloft“ gelockt

Die Tierschützerinnen und Tierschützer, die alle anfallenden Aufgaben ehrenamtlich übernehmen, würden dabei von der Stadt Dortmund „durch Bereitstellung von Flächen, Sachmitteln, Beratung und Vermittlung“ unterstützt. Zwei von ihnen sind Lelaina Otto und Lorena Ratzke von der Stadttaubenhilfe Dortmund/Lünen e.V., die wir auch bei einem Einsatz in der Dortmunder City begleiten durften.

Taubenloft Lünen
Das „Taubenloft“ in Lünen wird von der Stadttaubenhilfe Dortmund/Lünen e. V. betreut.© Funke Medien NRW | Lisa Goedert

An der Stadttorbrücke in Lünen kümmern sie sich seit Herbst 2024 um eine ganz besondere Einrichtung: Ein zum „Taubenloft“ umgebauter Container, der für rund 43.000 Euro aus öffentlichen Mitteln angeschafft wurde.

Taubenloft Lünen
Blick in das Taubenloft in Lünen: Es gibt Futter, Wasser sowie Sitz- und Brutplätze.© Funke Medien NRW | Lisa Goedert

Ein Taubenloft oder Taubenhaus ist ein spezieller Taubenschlag, der vor allem in Städten zur artgerechten Unterbringung, Versorgung und Kontrolle von Stadttauben eingerichtet wird. Das können umgebaute Container sein, ist aber auch in Gebäuden möglich. So wurde in Bochum-Langendreer kürzlich ein Taubenhaus eröffnet, in Hagen kümmern sich Tierschützer in einer Schrott-Immobilie am Bahnhof um die Tiere.

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Eine weitere Möglichkeit sind Volieren auf Dächern von Gebäuden. Ein solches Projekt gab es in Moers, ehe es Anfang Juni von Vandalen zerstört wurde.

Taubenabwehr ähnlich teuer wie Taubenloft

In Duisburg werden aktuell noch Spenden von einem Tierschutzverein gesammelt, um ein Taubenhaus in der Innenstadt zu realisieren. Bis dahin müssen sich die Betroffenen selbst um artgerechte Taubenabwehr kümmern. Das Intercity-Hotel am Hauptbahnhof beispielsweise ließ auf dem Dach des Gebäudes für 40.000 Euro riesige Netze installieren, weil die Tiere es sich in den neuen Klimaanlagen gemütlich gemacht hatten. Die Anschaffung eines Taubenloft-Containers hätte ähnlich viel gekostet.

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