Die Hitparade ist kein Alleinstellungsmerkmal der Schlagerbranche. Auch die deutsche Hochkultur führt penibel Buch über Chartstürmer und Evergreens. Die Jahresstatistik des Deutschen Bühnenvereins ist da.
Das Ergebnis: Die Bühne bleibt ein Ort der Beständigkeit. Die großen Namen dominieren rigoros, One-Hit-Wonder haben kaum Chancen. Mozart in der Oper, Johann Strauß in der Operette, Shakespeare im Schauspiel. Same procedure as....
Besucherzahl knackt die 20-Millionen-Marke
Aber die beste Nachricht doch nach vorn: Deutsche Bühnen haben wieder einen starken Zulauf. Deutschland hat in der Saison 2023/24 (die Erhebung ist extrem aufwendig und kommt deshalb immer eine Spielzeit später) die 20 Millionen-Marke überschritten. Damit ist die Zuschauerzahl, verglichen mit der vorangegangenen Spielzeit, um 1,5 Millionen Menschen gestiegen. Und so ist die Szene auf gutem Wege, den herben Corona-Knick hinter sich zu lassen: Die Karten-Nachfrage hat nun 88 Prozent der Saison 2018/19 erreicht, der letzten vor der Pandemie. Statistisch gehen in Deutschland täglich 55.000 Menschen ins Theater.
Oper: Mozarts „Zauberflöte“ siegt

Keine Überraschung in der Oper: Auch dieser Jahrgang listet bundesweit Wolfgang Amadeus Mozarts „Zauberflöte“ ganz oben. Fast 190.000 Zuschauerinnen und Zuschauer sahen sie bundesweit. Das Werk punktet immer wieder auch als Oper für die ganze Familie. Aber auch mit „Figaro“, „Don Giovanni“ und Co bleibt Mozart ein Magnet. Auf sein Konto gehen nicht nur mit 74 Neudeutungen die meisten Inszenierungen, auch die Gesamtzahl der Zuschauer katapultiert Mozart mit knapp 425.000 Zuschauern auf Platz eins.
Das könnte Sie interessieren
Puccini, Verdi, Wagner folgen Mozart dichtauf. Ebenfalls immer sicher in den Top Ten: Bizets „Carmen“ und Humperdincks Vorweihnachtsklassiker „Hänsel und Gretel“. Zukunftsmusik bleibt die Präsenz von Gegenwartskomponisten: Der Anteil von zeitgenössischen Werken ist auf dem Spielplan verschwindend gering, erst recht in der Zahl der Aufführungen. Das ist im Sprechtheater komplett anders.
Schauspiel: deutlich gegenwärtiger als die Oper

Tatsächlich leben die meisten Autorinnen und Autoren noch, die unter den zehn meistgespielten Dramatikern deutscher Schauspielhäuser gelistet sind. Sechs von zehn Werke unter den Top Ten stammen von Zeitgenossen. Das liegt auch daran, dass Intendanten und Intendantinnen wie Oberhausens Theaterchefin Kathrin Mädler sich vehement für Gegenwartstexte stark machen.
Den Theaterkönig Shakespeare stoßen sie dennoch nicht vom Thron. Er bleibt von „Hamlet“ bis zum „Sommernachtstraum“ der Meistgespielte: 83 Neuinszenierungen, knapp 310.000 Zuschauer. Büchner (52) und Brecht (33) folgen. Dann bricht die Männerriege ein: Yasmina Reza und Elfriede Jelinek haben seit Jahren einen festen Platz in deutschen Schauspielhäusern, Roland Schimmelpfennig und (fürs leichte Fach) René Heinersdorff sind weitere vielgespielte Zeitgenossen.
Musicals immer noch mit Strahlkraft – „Starlight Express“ vorn

Und die leichte Muse? So oft totgesagt, aber recht lebendig: die gute alte Operette. Die flatterhafte „Fledermaus“ ist weit vorn, alte Schätzchen wie „Die lustige Witwe“, „Gräfin Mariza“ oder „Im weißen Rössl“ finden nach wie vor ihr Publikum. Die Massen, die das Musical bannt, können sie nicht aufweisen. Das liegt natürlich auch an Häusern, die im Dauerspielbetrieb nichts anderes auf die Bühne bringen als den „Starlight Express“ oder den „König der Löwen“. Spitzenreiter bleibt Bochums Rollschuh-Show, 459.630 Menschen sahen die Vorstellungen. Entsprechend bleibt Andrew Lloyd-Webber auf dem Spitzenplatz der erfolgreichsten Komponisten des Genres. Klassiker wie „Cabaret“ und „My Fair Lady“ werden vornehmlich von Stadttheatern ins Programm genommen. Das macht in diesem Fall 76.267 bzw. 53.441 Besucherinnen und Besucher.
Regie: Bald Gleichstand zwischen den Geschlechtern?
Noch eine gute Nachricht zum Schluss. Die Regie als Männerdomäne wird immer häufiger auch von Frauen besetzt. Der Anteil der weibliche Regie bei Neuproduktionen liegt nun bei 43 Prozent, bisheriger Höchststand. Der Anteil der Männer liegt nun bei 54 Prozent, 2,5 Prozent entfallen auf Kollektive, 0,5 Prozent auf diverse Menschen.


