Schlösser

Die strahlende Burg am Phoenixsee ist im Inneren topmodern

Am Ufer des Phoenixsees: Die Hörder Burg strahlt in neuem Glanz.

Foto: Lars Heidrich

Am Ufer des Phoenixsees: Die Hörder Burg strahlt in neuem Glanz. Foto: Lars Heidrich

Dortmund.   Schlösser-Serie: Die Sparkassen-Akademie NRW ist in die Hörder Burg am Ufer des Phoenixsees in Dortmund eingezogen.

Wer sich ein bisschen auskennt in der Industriegeschichte des Ruhrgebiets, kann den Irrtum gut nachvollziehen, dem man weit über die Stadtgrenzen Dortmunds hinaus aufsaß: Die Hörder Burg galt für mehr als 100 Jahre als Gebäude, das sich ein Stahlbaron selbst als Machtsymbol errichtet hatte, eben um die eigene Wichtigkeit zu untermauern. Kein Wunder, schließlich stand sie seit 1840 auf dem Gelände eines Puddel- und Walzwerks, das der Unternehmer Hermann Diedrich Piepen­stock hier bauen ließ. Und warum sollte sich so jemand nicht ein Verwaltungsgebäude im Stil des Historismus auf sein 22 Morgen Land fassendes Gelände stellen? Auch die Thyssens und andere Industrielle wohnten ja auf Schlössern. Zudem meinte man zu wissen, dass die alte Hörder Burg 1673 an dieser Stelle vollständig abgebrannt war.

Stahlarbeiter gingen durch das „Burgtor“

Die Stahlarbeiter gingen ganz selbstverständlich durchs „Burgtor“ zur Schicht – und holten freitags an der Hauptkasse im Burgturm ihre Lohntüten ab. „Hier standen dann die Frauen und passten auf, wenn Vater aus dem Werk kam, dass er das Geld nicht in die Kneipe trug“, sagt Heimatforscher Willi Garth, was nicht nur in der Bierstadt Dortmund ein Problem dargestellt haben dürfte. Keiner von ihnen wird daran gedacht haben, dass vielleicht einst Ritter in diesem Turm lebten.

Jene Hütte wurde als Phoenix-Ost bekannt und bedeutend. Das Stahlwerk wurde 2001 stillgelegt, nach China transportiert und dort wieder aufgebaut, während man in Hörde das Wasser einließ in jene Kuhle, die wir heute als Phoenixsee kennen.

Zu Stahlzeiten war die Hörder Burg ein rußgraues Gebäude, dessen Schönheit verborgen lag, aber nun, Ende 2017 strahlt sie prächtiger denn je, in gedecktem Weiß und Rot, topmodern saniert, mit Hochgeschwindigkeits-Internet und digitalen Schulungs- und Seminarräumen im Inneren. Hier ist Anfang des Jahres die Sparkassenakademie Nordrhein-Westfalen eingezogen, entstanden aus der rheinischen und der westfälisch-lippischen Sparkassenakademie. „Wir sind die zentrale Bildungseinrichtung für die Sparkassen in NRW“, sagt Jürgen Köhling, Personalleiter der Akademie.

Eine Burg mit Anlegestelle

Hinter der Burg erstreckt sich der Phoenixsee, mit Anlegestelle. Man könnte auch auf dem Wasserweg anreisen.

Die Geschichte der Hörder Burg lässt sich heute nicht mehr ohne Willi Garth erzählen. Der Hörder war schon seit 1953, als er hier ein Vorstellungsgespräch hatte, von der Burg beeindruckt, doch es dauerte mehr als vier Jahrzehnte, bis er die Existenz des Gemäuers entscheidend beeinflussen sollte. Er war schon Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Heimatpflege Hörde, als sich 2001 an der Burg, die nach Schließung des Stahlwerks leer stand, Mauerwerk am Turm löste. Und so wurde ein Stück mittelalterliche Bausubstanz freigelegt, die belegte: Der Turm war 1673 doch nicht abgebrannt – er enthält die alten Mauern, nur andere Gebäudeteile wurden später angebaut.

Prächtiger Goldring mit Granatstein

Wie es hier ursprünglich aussah, lässt sich an mehreren Stellen nachvollziehen: Zwischen Burg und Flussufer sind Teile der alten Mauern und Fundamente in einem kleinen „Freilichtmuseum“ zu sehen, hier wurde auch das wertvollste Stück gefunden: „Ein Goldring mit Granatstein, bei dem drei Hände ineinandergreifen. Ein ganz tolles Teil“, freut sich Garth. Vor der Burg kann man auf einer Cortenstahl-Skulptur eine Karte der damaligen Burg sehen – und des historischen Hörde. In der Vorburg betreiben die Hörder Heimatpfleger zudem ihr Museum, das den Bogen durch mehr als 800 Jahre Hörder Geschichte spannt.

Hörde durch die Jahrhunderte

Hier stehen viele Funde aus der Geschichte verblüffend gleichberechtigt nebeneinander: Von den zurückgelassenen Fertiggerichten der chinesischen Arbeiter, die einst das Stahlwerk abbauten, bis hin zu Abbildungen von Messgewändern, die eine kunstvolle Auferstehungsszene in goldenen Fäden zeigen und im Hintergrund eine Darstellung von Hörde. „Wenn ich eine Führung hier habe, dann frage ich auch schon mal: Wo war die Auferstehung Christi?“ Na, in Hörde selbstverständlich!

Wer die Hörder Burg und die Umgebung näher kennen lernen will, ist bei Heike Regener gut aufgehoben. Sie führt rund um die Burg, die während des Akademiebetriebs nicht offen zugänglich ist, und um den Phoenixsee. Sie und Garth leiten kundig durch die Jahrhunderte – von der ersten Erwähnung 1198 über die Stahlära bis ins digitale Zeitalter.

>>>Hörde ist einen Besuch wert

Das Museum des Heimatvereins Hörde ist regelmäßig an jedem ersten Donnerstag im Monat von 15 bis 18 Uhr geöffnet, sonst nach Vereinbarung: Tel. 0231/ 730511, www.heimatverein-hoerde.de

Stadtführungen rund um die Hörder Burg und den Phoenixsee bietet Heike Regener an, Tel. 0231/39562970, Internet: www.meineheimat.ruhr

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