Was macht eigentlich...?

Der Arbeitslose vom Plakat: Dortmunder hat wieder einen Job

Mission erfüllt! Fachkräftemangel, hier bin ich – so hatte Thomas Kurth aus Dortmund für sich per Plakat geworben. Trotz Coronakrise hat der Arbeitslose nun tatsächlich wieder einen Job.

Mission erfüllt! Fachkräftemangel, hier bin ich – so hatte Thomas Kurth aus Dortmund für sich per Plakat geworben. Trotz Coronakrise hat der Arbeitslose nun tatsächlich wieder einen Job.

Foto: privat

Dortmund.  Was macht eigentlich...? Thomas Kurth aus Dortmund, 57 und arbeitslos, machte aus seiner Bewerbung eine Plakatwerbung – trotz Corona, mit Erfolg!

„Mission erfüllt, neuer Job ab 01.11.“ Was hier erst der Anfang eines beruflichen Re-Starts sein wird, ist gleichzeitig auch das Happy End einer aufsehenerregenden Aktion. Doch der Reihe nach…

Thomas Kurth ist 57 und arbeitslos. Gewesen! Weil er sein Herz in die Hand und sein Anliegen zur Anzeige brachte: auf großen Plakatwänden in der Dortmunder Innenstadt. „Hallo Fachkräftemangel, hier bin ich!“, stand dort groß und breit zu lesen auf dreieinhalb mal zweieinhalb Metern. Die Sonntagszeitung hatte zuerst darüber berichtet, ein wahres Medientrommelfeuer folgte bis hin ins Fernsehen. „Mit Ihrem Artikel hat alles angefangen und ist jetzt auch zu einem guten Ende gekommen“, freut sich der Familienvater – und erinnert hier noch mal an seine ungewöhnliche Mutmach-Geschichte.

Link zu Facebook und Xing

Nach 35 Jahren im internationalen technischen Vertrieb gekündigt, war Thomas Kurth klar, dass er in seinem Alter direkt durchs Raster der Personaler fallen würde. „Die Hürde war, gar nicht erst ins Vorstellungsgespräch zu gelangen.“ Zu Hause rumsitzen, das wäre auf Dauer nicht sein Ding, das war klar. Scham oder Chance? Also nahm er seinen Mut, 1200 Euro – so viel kostete die Anmietung der Plakatflächen – und ein paar Zerquetschte für den Friseurbesuch zusammen und machte aus seiner Bewerbung eine Werbung. „Vielleicht zu alt für Rock’n’Roll, aber nicht, um in meinem Job zu arbeiten“, stand da mit einem Link zu seinen Profilen auf Facebook und Xing.

Kurth: „Die Aktion hat erstmal eine Lawine ausgelöst. Es hätte ja auch ein Rohrkrepierer werden können, aber ich habe unheimlich guten Zuspruch bekommen.“ Wobei: seriöse Angebote, na ja. „Ich wollte ja keine Nahrungsergänzungsmittel an der Haustür verkaufen, da habe ich dann höflich ,nein danke‘ gesagt.“ Nur ein einziger negativer Internetkommentar – immerhin, da hatte Thomas Kurth mit Schlimmerem gerechnet – wollte wissen, warum er es nicht einfach „ganz normal“ versucht hätte. „Hab ich doch“, hat er doch, aber im Online-Verfahren war er einfach zu oft direkt ausgesiebt worden. Deshalb das Gesuch im Großformat.

Und dann kam Corona! Nix ging mehr, das zeichnete sich ab – „aber ich konnte die Aktion nicht mehr stoppen.“ Was Thomas Kurth aber konnte, war eben diese Aktion dann als Anhang mit in die Anschreiben zu nehmen. „Man muss auffallen, um sich abzuheben.“ Und siehe da: „Letztlich hat sich die Geduld ausgezahlt, meine Frau und meine Tochter sind auch hellauf begeistert.“

Eine mittelständische Firma in Essen, die Welte Cardan-Service GmbH mit mehreren Standorten in Deutschland und Europa, ist ein Systemlieferant für Autos, Loks, Schiffe – also genau richtig für einen, der vorher Ersatzteile für Baumaschinen gehandelt hat. „Passt!“, freut sich Kurth, „das ist meine Branche und Außendienst wollte ich schon immer gerne machen.“ Sein Lebenslauf hat überzeugt, sein Mut und seine Kreativität haben aber womöglich den Ausschlag gegeben. Am 1. November, dann ist der Dortmunder nicht mal ein ganzes Jahr („aus betrieblichen Gründen“) arbeitslos gewesen, geht’s los. Gelenkwellen sind sein Antrieb.

Mission erfüllt. Thomas Kurth, der sich auf Facebook an seine Freunde richtet („Vielen Dank für eure moralische Unterstützung in den letzten Monaten“), aber auch der Agentur für Arbeit in seiner Stadt sehr dankbar ist, „weil die Zusammenarbeit klasse war“, hatte seine positive Einstellung nie verloren. Das eigentliche Geheimnis des Erfolges sei jedoch gewesen, überhaupt Hilfe anzunehmen: „Man muss sich nicht schämen, wenn man seinen Job verliert. Und es ist nachvollziehbar, sich dann einsam und alleine zu fühlen. Aber man kann nicht nur auf andere warten – und muss diese Hilfe auch zulassen.“ Die Möglichkeiten nutzen. Auch die unmöglichen.

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