500 Euro Grundbetrag, 95 Euro für eine Autobahnfahrt, 130 Euro Anmeldegebühr zur praktischen Prüfung: Wer heute seinen Führerschein erwerben möchte, muss tief in die Tasche greifen. Wie teuer es für Fahranfänger genau wird, hängt von vielen Faktoren ab, etwa dem Wohnort, wie viele Fahrstunden sie benötigen und mit welcher Technik die Fahrschulen ausgestattet sind. Der Verkehrsclub ADAC taxiert die Summe im günstigsten Fall auf knapp 2500 Euro. Wer mehr Zeit benötigt und in einer teureren Region wohnt, der muss dagegen durchaus mit bis zu 4500 Euro rechnen. Im Schnitt werden laut Bundesverkehrsministerium derzeit für den Führerschein der Klasse B rund 3.400 Euro fällig.
Das kann sich längst nicht mehr jeder leisten. Für manche sei der Führerschein zum „unerschwinglichen Luxus“ geworden, andere würden sich für den Erwerb verschulden, klagte Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverbandes und verwies auf die niedrigeren Kosten im Ausland: „In Tschechien kostet ein Führerschien 300 Euro, in Belgien und Frankreich zahlt man maximal 1.200 Euro für den Führerschein. Irland, Schweden und Dänemark verlangen etwa 1.500 Euro.“
Das Handwerk weist seit geraumer Zeit darauf hin, dass insbesondere für Auszubildende im ländlichen Raum der zu teure Führerschein eine Hürde bei der Berufsausbildung darstellt. Und auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder findet, dass es so nicht weitergehen kann: „Mobilität ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge – sie darf kein Privileg sein“, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag in Berlin. Schnieder, für den es der erste öffentliche Auftritt nach seinem Kreislaufkollaps bei der Kabinettsklausur der Bundesregierung in der Villa Borsig Ende September war, legte nun ein Eckpunkte-Papier mit Sparideen vor. „Mindestens mehrere Hundert Euro“ sollten so gespart werden, sagte Schnieder.
Exklusive Politik-Hintergründe – für Sie recherchiert
Führerschein soll günstiger werden: Was sich beim Theorieunterricht ändern soll
Ansetzen möchte der Minister bei der theoretischen Fahrausbildung. Wegfallen soll künftig die Pflicht zum Präsenzunterricht, es solle ermöglicht werden, sich das Wissen rein digital, zum Beispiel per App, anzueignen. Fahrschulen müssten dann auch keine Schulungsräume mehr bereithalten. In der Folge würden Kontrollpflichten für die Bundesländer entfallen, die Bürokratie würde zurückgestutzt werden. Ein guter Ansatz, findet ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand: „Die zusätzlichen Freiräume für Fahrschulen und Entlastungen von bürokratischen Pflichten eröffnen die Chance, dass diese zum Vorteil der Fahrschüler ihre Betriebskosten senken können.“
Zudem soll der Umfang der theoretischen Prüfung überarbeitet werden. Aktuell enthält der Katalog 1169 Fragen. Zu viele, findet Schnieder. Er solle um ein Drittel auf rund 750 Fragen reduziert werden. Zuletzt war fast jeder zweite Fahranfänger durch die theoretische Prüfung gerasselt: Die Durchfallquote lag laut TÜV-Verband im vergangenen Jahr beim Klasse-B-Führerschein bei 45 Prozent. Und auch im zweiten Versuch fiel demnach die Hälfte der Prüflinge erneut durch, ehe nach dem dritten Versuch zumindest 91 Prozent der Absolventinnen und Absolventen die Theorieprüfung bestanden hätten. Bei der Verkehrssicherheit dürfe es aber keine Abstriche geben, betonte der Minister.

Führerschein bald bezahlbarer? Praktische Prüfung soll kürzer dauern
Bei der praktischen Fahrausbildung hat Schnieder ebenfalls Kostenfallen ausfindig gemacht, die er beheben möchte. So soll die Fahrzeit in der praktischen Prüfung auf die europarechtliche Mindestvorgabe von 25 Minuten zurückgeschraubt werden. Aktuell beträgt die reine Fahrzeit 30 Minuten, mit Vor- und Nachbereitung 55 Minuten. Auch soll die Anzahl der verpflichtenden Sonderfahrten, also Nachtfahrten, Autobahnfahrten und Überlandfahrten, reduziert werden – in welchem Umfang genau, darauf will sich das Ministerium noch nicht festlegen. Aber: Ein Teil der Fahrten könne im Simulator absolviert werden, schlägt Minister Schnieder vor. „Die Reduzierung der Fahrprüfung auf die Mindestanforderungen kann helfen, Kapazitätsprobleme zu lösen“, sagte ADAC-Verkehrspräsident Hillebrand. Skeptisch ist der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DRV): „Eine Reduzierung der theoretischen Prüfungsanforderungen oder praktischen Ausbildungseinheiten ist hingegen der falsche Weg. Junge Fahranfängerinnen und Fahranfänger müssen umfassend und praxisnah auf eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr vorbereitet werden“, sagte DRV-Präsident Manfred Wirsch dieser Redaktion.
Auch interessant
Die Fahrschulen sollen künftig zudem verstärkt Simulatoren nutzen können. Dem Ministerium schwebt vor, dass man etwa die Kompetenz für die Führung eines Schaltwagens vollständig im Simulator erwerben können soll, sodass diese Fahrzeuge von der Fahrschule nicht mehr vorgehalten werden müssten und man die Prüfung in einem Auto mit Automatikschaltung absolvieren könne. Hier allerdings sind die Fahrschulen selbst skeptisch.
So hatte Kurt Bartels, Vizevorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), bereits im Frühjahr gegenüber unserer Redaktion gewarnt: „Fahrsimulatoren können die Lebenswirklichkeit draußen nicht ersetzen.“ Insbesondere Sonderfahrten könne man nicht ersetzen, zudem sei die Anschaffung der Simulatoren kostspielig. 30.000 bis 40.000 Euro müssten Fahrschulen pro Simulator kalkulieren, eine Investition, die in Form von höheren Preisen an die Fahrschülerinnen und Fahrschüler weitergegeben werden müsse. Begrüßen dürften die Fahrschulen dagegen, dass sie von Bürokratie befreit werden sollen. So sollen etwa die Aufzeichnungs- und Dokumentationspflichten reduziert werden.
Mehr Politik-News
Werden bald die Eltern bei Fahrstunden miteinbezogen?
Die Fahrschulen haben schon seit geraumer Zeit mit einem Fachkräftemangel zu kämpfen. Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer werden im Schnitt immer älter, Nachwuchs bleibt häufig aus. Schnieder setzt nun darauf, dass die bestehende Lücke auch von nahestehenden Personen, etwa den eigenen Eltern der Fahrschüler, geschlossen werden könnte. Dafür soll eine sogenannte Experimentierklausel eingebaut werden. Es solle diskutiert werden, inwieweit nahestehende Personen in die Fahrausbildung einbezogen werden könnten, heißt es aus dem Ministerium. Vorbild für das Modell ist Österreich. Zunächst soll das Projekt wissenschaftlich begleitet werden.
Zudem fordert der Verkehrsminister mehr Transparenz bei den Preisen. Führerscheinabsolventen solle es in Zukunft möglich sein, online die Kosten und Durchfallquoten aller Fahrschulen einzusehen. „Mit unseren Reformvorschlägen machen wir den Weg zum Führerschein einfacher und bezahlbarer – und halten dabei die Sicherheitsstandards auf höchstem Niveau“, versprach Schnieder. Ziel sei, dass die Neuerungen im ersten Halbjahr des kommenden Jahres rechtlich umgesetzt sein sollten.
Auch interessant
Lob von der Autoindustrie – Jusos fordern besseren ÖPNV
Zuspruch für die Pläne kommt aus der Automobilindustrie: „Es ist zu begrüßen, dass sich die Bundesregierung dafür einsetzt, den Führerschein bezahlbarer zu machen“, sagte ein Sprecher des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) dieser Redaktion. Das Auto bleibe eine Schlüsselkomponente für die Mobilität der Menschen. Gerade im ländlichen Raum sei das Auto meist unverzichtbar.
Der Juso-Bundesvorsitzende Philipp Türmer begrüßte ebenfalls die Pläne, forderte aber einen stärken ÖPNV-Ausbau. „Der ÖPNV ist noch längst nicht flächendeckend gut genug ausgebaut, doch insbesondere junge Menschen sind häufig auf ihn angewiesen. Deswegen können wir nicht nur allein den Führerschein günstiger machen, sondern müssen auch an die ÖPNV-Preise ran“, sagte Türmer dieser Redaktion. Es sei etwa „fatal“, dass der Preis beim Deutschlandticket steige, sagte Türmer.









![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)



