Ermittlungen

Ex-RAF-Trio für Raubüberfall in Wattenscheid verantwortlich

Diese Bombe ist auch in der Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" gezeigt worden.

Diese Bombe ist auch in der Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" gezeigt worden.

Foto: Polizei

Wattenscheid.  DNA-Spuren brachten Ermittler im Fall eines Raubüberfalls auf einen Supermarkt voran. Täter erbeuteten 2006 einen sechsstelligen Geldbetrag.

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Mit Hilfe von DNA-Spuren gelang es der Polizei jetzt, ein mehr als zehn Jahre altes Rätsel zu lösen: Am Morgen des 27. Dezember 2006, es war ein Mittwoch, überfielen zwei bislang unbekannte Männer den Real-Supermarkt an der Wattenscheider Ottostraße. Die bewaffneten und maskierten Männer brachten vier Kassierinnen in ihre Gewalt und erbeuteten die kompletten Einnahmen des Weihnachtsgeschäftes – einen sechsstelligen Betrag.

„Spurentechnische Auswertungen“, so Oberstaatsanwalt Christian Kuhnert, führten die Fahnder schließlich auf die Spuren der drei ehemaligen Terroristen der Rote Armee Fraktion (RAF), Ernst-Volker Staub (63), Burkhard Garweg (49) und Daniela Klette (59).

Das LKA Niedersachsen ermittelt

Das zuständige Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen bestätigte gegenüber der WAZ einen Bericht des Spiegels. Ein Sprecher erläuterte, dass das dortige LKA bislang zehn Raubüberfälle in Norddeutschland mit den seit Jahren untergetauchten ehemaligen RAF-Mitgliedern in Verbindung gebracht habe. Jetzt wird das Trio auch mit zwei Überfällen in Nordrhein-Westfalen, eben der Überfall auf den Real-Markt, und ein weiterer Fall aus dem westfälischen Löhne (2009) in Verbindung gebracht. Ein LKA-Sprecher: „Es ist schon offensichtlich so, dass diese beiden Fälle dem Trio zuzurechnen sind.“

Die Polizei war übrigens schon damals davon ausgegangen, dass eine dritte Person an dem Überfall beteiligt gewesen sei.

Kassiererin stand unter Schock

Die mit Sturmhauben vermummten Täter waren gegen 8 Uhr mit einem Trick in den Kassen- und Tresorraum gelangt. Zu diesem Zeitpunkt waren zwei Kassiererinnen und zwei weiterer Mitarbeiterinnen, damals im Alter von 24, 27, 44 und 50 Jahren, dabei, die Einnahmen des Weihnachtsgeschäftes mit Hilfe einer Geldzählmaschine zu zählen und in Beutel zu verpacken. Die Männer zwangen die Angestellten, sich auf den Boden zu legen und rafften fast die kompletten Einnahmen zusammen. Eine der Kassiererinnen war noch viele Monate nach dem Überfall nicht in der Lage, wieder ihrer Arbeit nachzugehen. Sie hatte bei dem mit großer Präzision durchgeführten Überfall einen schweren Schock erlitten.

Die Polizei stieß am gleichen Tag auf das mutmaßliche Fluchtfahrzeug, einen roten Passat Kombi.

Der Wagen war eine Woche zuvor in Hagen gestohlen worden. Ein Spaziergänger, der mit seinem Hund unterwegs war, stieß auf das mit einem Tarnnetz überzogene Fahrzeug in der Nähe der Umspannanlage Eiberg. Was er nicht wissen konnte: Die Täter hatten das Fahrzeug mit einem Brandsatz ausgestattet, der Wagen war mit Benzin getränkt und mit Heu ausgelegt. Möglicherweise aufgrund der Kälte hatte die Batterie versagt.

Fall war in „Aktenzeichen XY ungelöst“

Da die Ermittlungen, die zwischenzeitlich die Polizei in Hagen übernommen hatte, zu keinem Ergebnis führten, nahm Rudi Cerne den Fall ein Jahr später in die beliebte ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ auf.

Obwohl dort sowohl Teile der Bombe als auch das damals sichergestellte Tarnnetz präsentiert worden sind, ergab sich keine heiße Spur.

Bis neue DNA-Technik jetzt offenbar den Durchbruch brachte. Die Zahl der mutmaßlich von den Ex-Terroristen begangenen Straftaten soll jetzt auf insgesamt zwölf angestiegen sein. Das Magazin „Der Spiegel“ zitiert eine interne Berechnung des BKA, wonach das Trio bis 2015 mindestens zwei Millionen Euro erbeutet haben soll. Die Ermittler gehen davon aus, dass alle drei Personen unter einen falschen Identität in Deutschland leben.

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