Rätselraten über Sanierungspläne

Zankapfel Kreishaus

Über 30 Jahre alt ist das Kreishaus. Es könnte, muss aber offenbar nicht unbedingt saniert werden.

Über 30 Jahre alt ist das Kreishaus. Es könnte, muss aber offenbar nicht unbedingt saniert werden.

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Recklinghausen.Lange Zeit sorgte das Thema Kreishaussanierung für hohe Wellen. Die drohen nun sogar überzuschwappen. In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter der Kreisverwaltung soll Landrat Cay Süberkrüb (SPD) an seinen Plänen für eine „große Sanierung“ festhalten, auch wenn diese momentan aus politischen Gründen nicht durchsetzbar seien, wie es in dem Schreiben heißen soll.

Damit wendet er sich offenbar gegen einen Kreisverbandsbeschluss seiner Partei aus der vergangenen Woche, in dem es heißt, die Sanierung des Kreishauses soll auf das „rechtlich unbedingt notwendige Maß“ reduziert werden. Zugleich taucht auch noch der Verdacht auf, die Argumentation für eine aufwendige, vermutlich mehr als 40 Millionen Euro teure Sanierung könnte konstruiert sein. Gegenüber der WAZ sagt ein Kreistags-Mitglied: „Wir fühlen uns verarscht.“

Der Eindruck, mangelnder Brandschutz würde eine Sanierung unumgänglich machen, stimme so nicht. Angezweifelt wird demnach die vermeintliche Dringlichkeit einer umfassenden Sanierung des in den 1970er Jahren errichteten Gebäudes. Vor allem Brandschutzgründe hatte der Kreis immer wieder dafür angeführt, hatte ein Brandschutzgutachten erstellen und dieses jüngst durch die zum TÜV Nord gehörende DMT GmbH prüfen lassen.

In einer Unterlage zum 17. Kreistag am 12. März 2012 heißt es zum Thema Brandschutz: „Im Kreishaus wurden konkrete Gefahren für Leben und Gesundheit festgestellt, die eine brandschutztechnische Sanierung erforderlich machen.“ „Stimmt“, sagt Dietmar Schneider, Leiter der Bauaufsicht bei der Stadt Recklinghausen. „Aber alles Notwendige wurde bereits erledigt. Nach unserem Ermessen und dem der Feuerwehr gibt es momentan keine Gefahr für Leib und Leben. Wenn es anders wäre und ich würde das dulden, würde ich mich strafbar machen.“

Vielmehr bestehe Bestandsschutz für das Kreishaus so wie für viele andere ältere Gebäude auch, selbst wenn sie nicht den aktuellen Anforderungen entsprächen, die beim Bau eines Neubaus erfüllt werden müssten. Dass der Termin 2016 immer wieder ins Spiel gebracht wird (Stadtsprecherin Corinna Weiß: „Den haben wir nicht gesetzt“), könnte nach Einschätzung von Dietmar Schneider mit den Umbauplänen zu tun haben, die der Kreis 2006 mit dem dafür notwendigen Brandschutzkonzept an die Stadt herangetragen hat.

Richtig sei, dass es nach der Bauvoranfrage eine gemeinsam erarbeitete Prioritätenliste gegeben hat. Die wichtigsten Punkte darauf, die etwa Fluchtwege oder Bodenbeläge in den Fluren betrafen, hätte der Kreis bereits abgearbeitet. Alle weiteren Maßnahmen sind dem Vernehmen nach vorerst nicht notwendig. Es sei denn, das Gebäude soll aus anderen Gründen umgebaut werden, etwa um die Idee des „nonterritorialen Büros“ umzusetzen. „Dass ältere Gebäude nicht dem technischen Stand oder den aktuellen DIN-Normen entsprechen, stimmt“, sagt Recklinghausens Stadtsprecherin Corinna Weiß. Aber die für die juristische Prüfung zuständige Bauaufsicht habe keine Mängel zu beanstanden. Und liegt damit offenbar richtig. Dem Vernehmen nach hat nämlich die obere Bauaufsicht keine weiteren Maßnahmen gefordert. Und die ist immerhin beim Kreis selbst angesiedelt.

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