Das teilte Peter Appelhoff, Leiter der Drogenberatungsstelle Recklinghausen, in seinem Jahresbericht dem Sozialausschuss mit. Während die Zahl der Methadon-Patienten im vergangenen Jahr angestiegen ist, nimmt die Zahl der behandelnden Ärzte ab. Neun Arztpraxen gibt’s im Ostvest, die 471 Suchtkranke betreuen. Das sind im Schnitt 54 pro Praxis. In Datteln gibt’s momentan nur einen Arzt, bei dem Drogensüchtige Methadon erhalten.

Ein Skandal, so die Kommunalpolitiker unisono. Vor allem, weil sie sich jedes Jahr aufs Neue mit dieser Problematik befassen, sich aber nichts ändert. "Es müsste doch ein Aufschrei durch alle Städte des Kreises gehen", sagt SPD-Sozialpolitiker Manfred Bilk. Er prangert vor allem die ungünstigen rechtlichen Rahmenbedingungen an, unter denen die Ärzte handeln.

"Es ist in der Tat eine Gratwanderung, die substituierende Ärzte täglich machen", sagt Peter Appelhoff. Der Ersatzstoff Methadon schaffe keinen Rauschzustand. Und mit einem klaren Kopf falle es Süchtigen oft schwer, mit ihren Problemen umzugehen. "Viele trinken dann Alkohol oder nehmen andere starke Medikamente zum Methadon, um ihr Leben erträglich zu machen", so Appelhoff. Und da sind die Ärzte in einem Spannungsfeld. Was schadet den Patienten weniger, was hilft mehr? Eine Entscheidung, die Mediziner immer wieder neu treffen müssten. Viele Ärzte lehnten die Betreuung von Drogensüchtigen ab, weil sie Sorge hätten, dass sich die übrigen Patienten dadurch gestört fühlen.

Was kann man tun? Für Peter Appelhoff liegt die Verantwortung beim Gesundheitsamt. "Das Thema muss in die Ärzteschaft hineingetragen werden", sagt der Leiter der Recklinghäuser Drogenberatungsstelle. Die Mitglieder des Sozialausschusses wollen ihren Teil dazu beitragen. Sie beabsichtigen, sich mit dem Kreisgesundheitsamt in Verbindung zu setzen, die Problematik dort darzulegen. In der Hoffnung, im nächsten Jahr vielleicht eine Verbesserung verbuchen zu können.