Geschichte

Velberter veröffentlichen Buch über abgestürzte Halifax-Bomber

Autoren und Angehörige: Teresa Church und Paul Knott (vorne), haben Verwandte, die einst in einem der Halifax-Bomber saßen. Hinten haben sich die Autoren versammelt: (v.l.) Jürgen Lohbeck, Dr. Helmut Grau, Sven Polkläser, Marcel Lesaar.

Autoren und Angehörige: Teresa Church und Paul Knott (vorne), haben Verwandte, die einst in einem der Halifax-Bomber saßen. Hinten haben sich die Autoren versammelt: (v.l.) Jürgen Lohbeck, Dr. Helmut Grau, Sven Polkläser, Marcel Lesaar.

Foto: WAZ FotoPool

Velbert.   Gleich fünf Halifax-Bomber sind während des Zweiten Weltkrieges in einem Umkreis von zehn Kilometern um Velbert herum abgestürzt. Jürgen Lohbeck, Dr. Helmut Grau, Sven Polkläser, Marcel Lesaar haben nicht nur die Wracks geortet und ausgegraben, sie haben auch die Geschichte der Besatzungen rekonstruiert.

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Zwei traurige Jahrestage prägen in diesem Jahr die Berichterstattung vieler Medien: Vor 100 Jahren brach der Erste, vor 75 Jahren der Zweite Weltkrieg aus. Doch etliche Menschen haben kaum noch eine Bindung zu diesen schrecklichen Ereignissen: Einmal ist seit dem eine Menge Zeit vergangen und auch räumlich scheinen die Einschläge für viele aus der Region ganz weit weg zu sein. Dabei gibt es auch aus Velbert interessante Geschichten zu erzählen, etwa die der fünf Halifax-Bomber, die in einem Umkreis von nur zehn Kilometern abgestürzt sind: einer in Wuppertal, einer in Mettmann, einer in Neviges und zwei in Langenberg. Vier Archäologen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Flieger zu identifizieren und die Schicksale der Besatzungen zu erforschen. Das Gesamtbild haben Dr. Helmut Grau, Marcel Lesaar, Jürgen Lohbeck und Sven Polkläser in dem Buch „Abgestürzt“ niedergeschrieben.

Angehörige sind zu Besuch

Das Ziel des Projektes ist klar definiert: „Wir haben versucht, das komplette Ereignis zu rekonstruieren“, sagt Grau. „Das heißt vom gefundenen Gegenstand bis hin zum Menschen. Wir wollten uns nicht nur auf die Ausgrabungen beschränken, sondern auch die Schicksale der 35 Besatzungsmitglieder beleuchten“, ergänzt der Archäologe und ehrenamtliche Mitarbeiter beim Amt für Bodendenkmalpflege (LVR). Dabei hätten neben den Friedhofsbüchern und Militärarchiven besonders die Gespräche mit den Zeitzeugen und Angehörigen der Besatzungsmitglieder sehr geholfen, sagt sein Kollege Marcel Lesaar, Spezialist für den in Mettmann abgestürzten Bomber. „Es war einfach nur toll, wie selbstverständlich uns Fotos und Dokumente zur Verfügung gestellt wurden, damit wir das Rätsel lösen konnten.“

Da die Halifax-Bomber zwar in England starteten, die Besatzungsmitglieder aber aus dem gesamten Commonwealth kamen, führte die Suche über Frankreich, Kanada, Indochina bis nach Australien. Ein Besatzungsmitglied rückt dabei ganz besonders in den Fokus – und zwar Harry Knott. Doch nicht unbedingt deswegen, weil er der Bordingenieur der am 4. November 1944 abgestürzten LV-936 der Australian Air Force gewesen ist, vor der Explosion aus dem Flieder geschleudert wurde und sich über Tage verstecken konnte. Sondern eher, weil sein Neffe Paul Knott zur selben Zeit wie die vier Autoren über die Geschichte von Harrys Besatzungskollegen geforscht hat. „Das erste Treffen war unglaublich“, erinnert sich Jürgen Lohbeck. „Das war sehr emotional für mich, als das erste Teil sichtbar wurde“, erzählt Paul Knott. Über 600 Teile wurden alleine in Voßnacken gefunden. „Da die kleinsten Teile Nummern haben, konnten wir sie zu den Halifax-Bombern zuordnen“, sagt Polkläser. Mit Hilfe von Detektoren haben die Archäologen die Teile geortet, Marker gesetzt, alles protokolliert und mit GPS festgehalten, so dass der Ablauf rekonstruiert werden kann.

Das Buch „Abgestürzt“ ist keine bloße Erzählung über die Ausgrabungen: Vielmehr haben es die Autoren geschafft, mit Hilfe von Zeitzeugenberichten und Angehörigen die einzelnen Geschichten der Besatzungsmitglieder niederzuschreiben und so eine Situation zu schaffen, als wenn man selbst im Flieger sitzen würde.

Der Absturz jährt sich nun zum 70. Mal. Daher wird am 8. November ein Gottesdienst in der ev. Stadtkirche Neviges in Gedenken an die Besatzungen stattfinden. Auch Paul Knott wird mit seinen Angehörigen teilnehmen.

Bomber kamen vom Einsatz über Bochum zurück 

Die Halifax-Bomber waren auf dem Weg nach Bochum, um Zechen und Industriebetriebe des Bochumer Vereins für Bergbau und Gussstahlfabrikation zu zerstören. Auf dem Rückweg explodiert in einer Höhe von 17 500 Fuß (ca. 5300 Meter) eine Flakgranate in unmittelbarer Nähe. Harry Knott bemerkt, dass das Flugzeug Feuer gefangen hat und versucht den Brand zu löschen – allerdings vergeblich. Die Besatzung entscheidet sich dazu, mit den Fallschirmen den Flieger zu verlassen. Von den sieben Mitgliedern haben drei überlebt, darunter Harry Knott.

„Wir haben herausgefunden, dass einige zu schwer verletzt waren. Wir haben aber auch Beweise, dass ein Überlebender von den Deutschen erschossen wurde“, erzählt Lohbeck. „Gerade diese Geschichten haben uns immer wieder angetrieben, über die Archäologie hinauszugehen“, sagt der Autor. Diese Sorgfalt habe dafür gesorgt, dass vom ersten Spatenstich bis zum fertigen Buch ein Jahr und acht Monate vergangen seien.

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