Stadtentwicklung

Velberter Anwohner machen mobil gegen Gewerbegebiet

Anwohner haben sich am Sonntag zu einem Spaziergang rund um das geplante Gewerbegebiet getroffen.

Anwohner haben sich am Sonntag zu einem Spaziergang rund um das geplante Gewerbegebiet getroffen.

Foto: Uwe Möller

Velbert-Mitte.   Bürger trafen sich zu einem „Spaziergang“ rund ums Areal. Waldbesitzer fürchtet um seine pädagogischen Angebote in der Nachbarschaft.

Die Stadt will steuerbringende Gewerbebetriebe ansiedeln und will an der Langenberger Straße ein neues Gewerbegebiet entstehen lassen. Dies sorgt allerdings nicht nur für Beifall. Am Sonntag unternahmen 60 Anwohner einen Spaziergang ums Gelände. Sie wollen nicht, dass weitere Naturflächen versiegelt und so verloren gehen.

Argument: Freie Flächen in der Röbbeck

Ihr Argument gegen das neue Gewerbegebiet zwischen Bleibergstraße, Langenberger Straße und Kreisverkehr: Es gäbe im angrenzenden Gewerbegebiet in der „Röbbeck“ noch genug freie Flächen. „Die sollten erst genutzt werden, bevor ein solches Stück Natur verloren geht“, erklärt dazu Angela Köhler, eine der Anwohnerinnen, die mitmarschiert ist.

„Pläne sind eine Katastrophe“

Mit dabei war auch Robert Schuberth. Er ist zwar kein Anwohner, besitzt aber ein Waldstück, das unmittelbar an das geplante Industriegebiet angrenzt. In seine zwei Hektar Wald kommt er regelmäßig mit Kindern und Jugendlichen zu waldpädagogischen Projekten. „Für mich sind die Pläne eine Katastrophe“, sagt er im WAZ-Gespräch. Deshalb hat er bei der Stadt Einspruch gegen das geplante Gewerbegebiet erhoben.

Mit Kindergruppen in den Wald

„Ich komme etwa dreimal in der Woche mit Gruppen in das Waldgebiet“, berichtet der Erzieher. Mit dabei sind dann Kinder und Jugendliche aus dem Essener Heim, in dem er arbeitet oder aber Gruppen aus verschiedenen jugendpsychiatrischen Einrichtungen, von der Velberter Erziehungsberatung, Pfadfinder und viele mehr. Sie toben durch den Wald, spielen im Bach und klettern auf die Bäume, lernen also Natur hautnah kennen. Den Wald hat Schuberth eigens für seine Projekte angeschafft. „Das Besondere ist die natürliche Umgebung“, sagt Schuberth und fürchtet, dass es damit bald vorbei sein könnte.

„Das Industriegebiet macht Lärm, der Blick in die Natur geht verloren“, argumentiert der Waldpädagoge. Zudem würden die städtischen Pläne vielen dort lebenden Tieren die Lebensgrundlage entziehen. Feuersalamander, Dachse, Eisvögel, Rotmilane und Falken seien hier heimisch, ein Bussardpaar brüte hier sogar.

Stadtgärten als Alternative

Zudem sieht Schuberth die Gefahr, dass durch die große versiegelte Fläche bei Regen Wasser den Hang hinunter ins Tal laufen könnte, es seien Überschwemmungen zu befürchten. Statt eines Industriegebietes könnten auf der Fläche „Stadtgärten“ angelegt werden, wo Bürger selbst Obst und Gemüse anbauen könnten, schlägt er vor.

„Am Sonntag haben sich die Anwohner beim Spaziergang erstmals getroffen, das wird aber nicht die letzte Zusammenkunft gewesen sein“, ist sich Anwohnerin Angela Köhler sicher.

>>180000 QUADRATMETER FLÄCHE

  • Auf dem Areal zwischen Langenberger Straße, Bleibergstraße und Siemensstraße soll ein 180 000 Quadratmeter großes Gewerbegebiet entstehen.


  • Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan wurde im Oktober gefasst. Am 20. März wird nun die Öffentlichkeit zu den Plänen angehört: um 17 Uhr im Ratssaal.
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