Geschichte

Velbert: Viele spannende Seiten des Diakonissen-Mutterhauses

Das neue Buch über die Bleibergquelle haben Schwester Brigitte Kaufmann vom Diakonissen-Mutterhaus sowie der Velberter Heimatforscher Jürgen Lohbeck verfasst.

Das neue Buch über die Bleibergquelle haben Schwester Brigitte Kaufmann vom Diakonissen-Mutterhaus sowie der Velberter Heimatforscher Jürgen Lohbeck verfasst.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert.  1945 wurde das Diakonissen-Mutterhaus an der Bleibergquelle gegründet. Dessen Geschichte sowie der Historie des Geländes widmet sich ein Buch.

Seit 1945 befindet sich das Diakonissen-Mutterhaus an der Bleibergquelle – doch das Gelände hat eine reiche Geschichte, die schon viele Jahrhunderte vor der Ansiedlung der Schwesternschaft zurückreicht. Von der spannenden Vergangenheit, der Gegenwart sowie der Zukunft erzählt nun das nun im Scala Verlag erschienene Buch „Bleibergquelle Velbert – 75 Jahre Diakonissen-Mutterhaus“. Viele historische Fotos und Karten runden die umfangreiche Dokumentation ab.

In dem Band lädt zunächst der Velberter Heimatforscher Jürgen Lohbeck zu einem Streifzug durch die wechselvolle Geschichte der Bleibergquelle von 1491 bis 1945 ein. Danach beleuchtet die diakonisch-theologische Leiterin des Mutterhauses, Brigitte Kaufmann, die Wurzeln der Schwesternschaft sowie das Leben der Diakonissen in Velbert seit 1945 – und zeigt Zukunftsperspektiven auf.

Name ist im Bergbau begründet

Doch erst einmal dürfte wohl nicht jedem in Gänze bekannt sein, warum ein Diakonissen-Mutterhaus ausgerechnet Bleibergquelle heißt. Die Antwort liefert Jürgen Lohbeck in dem Kapitel „Reichen Erzes reiche Beute sei der treuen Arbeit preis“. Denn: „1491 wurde der Bergbau auf dem Gelände der heutigen Bleibergquelle erstmals erwähnt. Vermutlich aber schon länger wurden etwa Blei, Zink, Kupfer, Eisen und Mineralien abgebaut.“

Dafür sei ein 500 Meter langer, horizontaler Stollen angelegt worden. Dann jedoch bereiteten die Naturgewalten dem Bergbau ein jähes Ende: „1772 gab es einen Gewitterregen, was zu einem Wassereinbruch in den Stollen führte.“ Neues Leben wurden der Grube 1847 durch den Unternehmer Friedrich Harkort eingehaucht. Er ließ den alten Stollen erkunden, 1852 öffnete das Bergwerk unter dem Namen „Emanuel“ wieder. Sechs Jahre später wurde zum Tiefbau übergegangen: Insgesamt entstanden fünf senkrechte Schächte mit 14 Solen, also Abbau-Ebenen, die Grube wurde 1858 in „Prinz Wilhelm“ umbenannt.

In den 1920ern entstand ein Freizeitpark

Die Bergleute förderten auch jede Menge zutage – etwa 1861 beachtliche 390 Tonnen Bleierz, 468 Tonnen Zinkerz und 373 Tonnen Kupfererz. Allzu lange war der Grube das Glück aber nicht beschieden: Nach einem neuerlichen schweren Wassereinbruch wurde das Bergwerk 1900 aufgegeben – nun endgültig.

Das Gelände verkam zur Brache, bis 1924 der Essener Architekt Heinrich Wassermann auf die Idee kam, es in einen Freizeitpark umzuwandeln. Er ließ ein Kurhaus errichten und eine Wasserlandschaft unter anderem mit „Springbrunnen, Wasserfall und Badeteichen anlegen“. Auch Gastronomie und ein Gästehaus entstanden. „Es kamen sehr viele Besucher, Wassermann hatte noch weitere Pläne, etwa für eine Wasserrutsche oder für eine Wochenendhaussiedlung“, so Lohbeck.

Arbeitstreffen von hochrangigen Nazis

Dann kam allerdings der Zweite Weltkrieg. Die NS-Organisation „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF) kaufte 1942 das Gelände. Gedacht war es beispielsweise für die Erholung von Rüstungsarbeitern. „Doch es wurde nie ganz klar, wozu es genau genutzt wurde“, berichtet der Heimatforscher. Unter anderem durch Gespräche mit dem Rechtsanwalt Achim Carius, die kurz vor dem Druck des Buches geführt wurden, konnte einiges verifiziert werden. Denn Carius’ Großvater Carl war für die Velberter DAF-Einrichtung zuständig. Lohbeck: „In der Bleibergquelle wurden wohl auch Arbeitstreffen hochrangiger Nazis wie Robert Ley abgehalten.“

Nach dem Einmarsch der US-Truppen in Velbert am 16. April 1945 diente die Bleibergquelle mehrere Monate lang zur Unterbringung von ehemaligen Zwangsarbeitern – bis am 1. November die Diakonissen dort das Mutterhaus für zunächst rund 200 Schwestern gründeten, die zum Teil aus den deutschen Ostgebieten vertrieben wurden. Diese widmeten sich vielen Aufgaben und arbeiteten etwa in Kindergärten, Heimen oder Krankenhäusern. Vor rund 20 Jahren erfolgte eine konzeptionelle Neuausrichtung, wie Schwester Brigitte Kaufmann erläutert: „Wir haben dann einen Schwerpunkt in dem Bereich Bildung gesetzt.“

Nun ist noch eine Grundschule geplant

Unter anderem seien das Berufskolleg sowie die Christliche Gesamtschule Bleibergquelle gegründet worden. 2001 wurde die Kita „Quellenzwerge“ für null- bis dreijährige Kinder ins Leben gerufen – lange bevor die U3-Betreuung ein großes Thema wurde. Dieses Innovative betont auch Schwester Brigitte und ergänzt: „In diesem Jahr wollen wir mit dem Ausbau der Kita für Kinder bis sechs Jahren beginnen.“

In dem Bildungsangebot der Schwesternschaft klafft noch eine Lücke im Grundschulbereich, diese soll aber bald geschlossen werden – durch die Errichtung einer Grundschule auf dem Gelände. „Bei sportlicher Planung soll die Schule 2022 eröffnen.“

Auch für die Zukunft ist gesorgt

Ein wegweisender Plan für den Nachwuchs also – doch bei dem eigenen „Nachwuchs“ plagen die Schwesternschaft Sorgen: „Derzeit sind 86 Schwestern hier im Mutterhaus, doch nur zehn sind noch beruflich aktiv“, berichtet die diakonisch-theologische Leiterin, die am 28. Juni ihre Leitungsfunktion aufgibt und dann wieder als Lehrerin tätig sein wird.

Doch die Diakonissen haben vorgesorgt, wie Schwester Brigitte erklärt: „Wie haben 2007 die Diakonissengemeinschaft zusammen mit engagierten Menschen gegründet, die für die Zukunft sorgen. So sind wir eingestellt auf die Zeit, wenn es keine Diakonissen mehr gibt“ – und somit dürfte die Fortführung des Einsatzes für Bildung auch weiter an der Bleibergquelle gesichert sein.

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