Zukunft der Arbeit

Velbert kennt schon und kann auch den Strukturwandel

Tauschten sich über den Wandel der Arbeit in Velbert aus: (v. li.) IHK-Zweigstellenleiter Marcus Stimler, Kerstin Griese (MdB), Silke Iffländer, Verdi, und der Gastgeber, der SPD-Vorsitzende Rainer Hübinger.

Tauschten sich über den Wandel der Arbeit in Velbert aus: (v. li.) IHK-Zweigstellenleiter Marcus Stimler, Kerstin Griese (MdB), Silke Iffländer, Verdi, und der Gastgeber, der SPD-Vorsitzende Rainer Hübinger.

Foto: Ulrich Bangert / FUNKE Foto Services

Velbert.  Die SPD sprach über schon vollzogenen, vor allem aber noch anstehenden Wandel der Arbeit in Velbert. Strukturwandel braucht aber auch Flächen.

Bevor die SPD Velbert in ihre Podiumsdiskussion zum Wandel der Arbeit einstieg, blickte der Parteivorsitzende Rainer Hübinger weit zurück: „Weil die Böden nicht genug hergaben, fing man an, in Heimarbeit Schlösser und Beschläge herzustellen. Um die Jahrhundertwende kamen Gießereien hinzu, später Kfz-Zulieferindustrie. 10.000 Pendler kamen nach Velbert, viele Busse aus dem Ruhrgebiet. In den achtziger Jahren setzte eine Strukturkrise ein, von den vielen Gießereien blieb nur eine übrig. Velbert kennt also den Strukturwandel.“

Der Wandel ist greifbar

Ohne das Industriegebiet Röbbeck sei ein Strukturwandel nicht möglich gewesen. „Das hat Velbert aus der Strukturkrise geholt. Jetzt stehen die Betriebe vor den neuen Entwicklungen der Industrie 4.0. Elektroautos brauchen auch Schließsysteme, es fallen andere Dinge weg wie Getriebe oder Trommelbremsen.“ Hübinger kennt noch die Arbeitslosenzahlen der 90er Jahre und schaut mit Sorge auf die Firma Huf, wo jeder sechste Arbeitsplatz wegfallen soll: „Da geht noch sozial vonstatten, aber der Wandel ist greifbar, es wird weitere schlechte Nachrichten geben.

Es bedarf weiterer Flächen

Wir haben mit Steuermitteln versucht, Gießeren am Laufen zu halten; Fördermittel gab es nicht für uns, sondern fürs Ruhrgebiet. So wie damals wird es nicht weiter gehen. Wir müssen sehen, dass neue Betriebe kommen – Strukturwandel braucht Flächen. Dass wir in Velbert keine weiteren brauchen, ist ein Irrweg, den wir als SPD nicht gehen“, so Rainer Hübinger. Er bekannte sich zum umstrittenen Gewerbegebiet „Große Feld“.

Digitalisierung krempelt die Arbeit um

„Der Wandel der Arbeit ist das wichtigste Thema von der Bundesebene bis zu den Städten“, so Kerstin Griese, MdB-SPD und Staatssekretärin im Ministerium für Arbeit und Soziales. „Die Demografie ändert sich, es stellt sich die Frage, welche Arbeitsplätze wir brauchen, auch im Hinblick auf die Rentensysteme; die Wirtschaft wird nachhaltiger, sie wird klimafreundlicher werden müssen, die Digitalisierung wird die Arbeit umkrempeln, sie soll im Dienste der Menschen stehen, wir wollen den Wandel gestalten.“ Die Abgeordnete sieht für den Nordkreis besondere Chancen bei den Autozuliefern und für den Tourismus: „Das ist eine wachsende Branche.“ Daneben bescheinigt Griese dem Handwerk „goldenen Boden“ und hält es für superwichtig, Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu motivieren.

Für neue und vorhandene Firmen

Marcus Stimler, Leiter der IHK-Zweigstelle vor Ort, sieht Velbert als gar nicht so schlechten Standort an: „Wohnen ist hier noch bezahlbar im Gegensatz zur unmittelbaren Nachbarschaft an Düsseldorf. Mit der Stadtgalerie, dem Platz am Offers und dem Umbau des Forums und der Hertie-Entwicklung wird sich noch mehr tun. Für die Arbeit brauchen wir das große Feld, wir werden Potenziale für neue und vorhandene Firmen haben.“ Trotz leichter Beruhigung hätten zwei von drei Firmen Schwierigkeiten, Fachkräfte zu finden.

Der DGB steht bereit

Silke Iffländer, stv. Geschäftsführerin der Gewerkschaft Verdi Rhein-Düssel-Wupper, schnitt die nur schwer begreifbaren Dimensionen der Digitalisierung an: „Sie bietet viele Chancen, ein Thema wird sein, ob wir die Potenziale nutzen, die dadurch freigesetzt werden.“ Dabei schaut sie auf die Mitbestimmung bei mobiler Arbeit: „Das ist ein politischer Auftrag, der DGB ist bereit.“

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