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Ursprünge der Velberter Firma Rutec liegen im Kinderzimmer

Erdal Dogru und seine Schwester Baran Demir sind die Geschäftsführer der Firma Rutec, die 30 Jahre alt geworden ist.

Erdal Dogru und seine Schwester Baran Demir sind die Geschäftsführer der Firma Rutec, die 30 Jahre alt geworden ist.

Foto: Alexandra Roth

Familie Dogru begann vor über 30 Jahren mit Heimarbeit. Daraus entwickelte sich ein Unternehmen. Warum zwei Geschwister es leiten.

Es gibt Geschichten, die klingen wie ein Märchen und sind dennoch wahr. So wie die Geschichte der Velberter Firma Rutec. Was vor rund 30 Jahren im Kinderzimmer von Erdal Dogru, dem heutigen Geschäftsführer, begann, hat sich zu einem mittelständischen Unternehmen entwickelt.

Aber der Reihe nach. Ende der 60er Jahre kam Vater Dogru aus der Türkei ins Münsterland, bald wurde die Familie nachgeholt und in Heiligenhaus fand der Mann eine neue Arbeit. Dann ereilte die Familie das Schicksal. Der Ernährer der Familie starb, Mutter Dogru blieb mit sieben Kindern im Alter von zwei bis 22 Jahren allein zurück. Durch einen der älteren Söhne, die schon arbeiteten, kam die Familie an Heimarbeit.

Ins Wohnzimmer ausquartiert

Das Kinderzimmer von Erdal Dogru wurde zum Arbeitszimmer umfunktioniert, der 16-Jährige ins Wohnzimmer ausquartiert. Die ganze Familie entgratete Werkstücke, montierte einfache Sachen. „Unsere Mutter hat oft nachts die Teile vorbereitet, die wir am Tag dann zusammenbauten, außerdem hat sie noch den Haushalt gemacht und die Familie versorgt“, erinnert sich Erdal Dogru zurück.

„Oft haben wir schon vor der Schule Kisten gepackt und nach dem Unterricht ging es weiter“, sagt seine Schwester Baran Demir. „Es war schon sehr schwer, aber es ging ja nicht anders,“ fügt Erdal Dogru hinzu. Oft wäre er viel lieber zum Fußball gegangen, als Teile zusammenzubauen.

Der Fernseher lief

Damit es bei der Arbeit nicht zu langweilig wurde, stellten sie im Kinderzimmer einen Fernseher auf. „Dort liefen dann Bollywood-Filme auf Video“, sagt Baran Demir. Das Familienunternehmen erwies sich als zuverlässig, die Aufträge wurden immer mehr, so mieteten die Dogrus 1988 eine 200-Quadratmeter-Halle an, die Gründung des Vorgängers der heutigen Firma Rutec. „Die Arbeit wurde immer mehr, schließlich schafften wir auch Maschinen an“, sagt Erdal Dogru. Da sich die Familie nicht mit Maschinen auskannte, arbeitete Erdal Dogru einige Wochen lang nach seiner Schicht im heimischen Unternehmen acht Stunden in einer befreundeten Firma, um die Technik kennen zu lernen. Die Firma wuchs weiter. Seit 2011 ist sie auch ein Ausbildungsbetrieb. „Darauf sind wir sehr stolz“, betont Erdal Dogru.

Ernsthaft erkrankt

Doch die Jahre lange Arbeit, sieben Tage die Woche, ging nicht spurlos an Dogru vorüber. Er wurde schwer krank und konnte sich mehr als ein Jahr nicht um die Firma kümmern. Gut, dass ein paar Jahr zuvor seine Schwester Baran Demir wieder in die Firma eingestiegen war. Sie hatte zunächst mit leichten Bürotätigkeiten angefangen, einen Refa-Schein sowie einen Ausbilderschein gemacht. Sie wurde auch Geschäftsführerin und leitete die Firma allein, bis ihr Bruder wieder gesund war. „Das war ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt Baran Demir. „Aber sie hat es glänzend gemeistert“, fügt ihr Bruder hinzu.

Mitarbeiter aus 14 Nationen beschäftigt

Das Unternehmen, das Mitglieder der Schlüsselregion ist, hat heute rund 40 Mitarbeiter „aus 14 Nationen“. Sie verrichten Montagearbeiten sowie Materialbearbeitung für Unternehmen aus der Umgebung. Bruder und Schwester teilen sich die Geschäftsleitung und weitere Familienmitglieder sind beschäftigt. Auch Erdal Dogrus Tochter. „Vielleicht will sie ja das Familienunternehmen weiter fortführen“, hofft Erdal Dogru.

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