Soziales

Projektcafé hilft beim Aufbruch in eine neues Leben

Psychologin Kataryna Prokhorova berät im Café einen Klienten. Das Café dient als Anlaufstelle und Treffpunkt für junge Jobcenterkundinnen und -kunden.

Psychologin Kataryna Prokhorova berät im Café einen Klienten. Das Café dient als Anlaufstelle und Treffpunkt für junge Jobcenterkundinnen und -kunden.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Velbert.  Seit Mai hat in Velbert BreakUp geöffnet. In Zusammenarbeits mit dem Jobcenter unterstützt Tertia junge Menschen mit schlechten Startchancen.

Marco ist Anfang 20. Er hat keinen Job und seit einiger Zeit auch keine Bleibe mehr. Aber seit zwei Wochen eine neue Anlaufstelle, das Projektcafé „BreakUp“ an der Nedderstraße. Seit Mai hat das Café, das vom Jobcenter ME-aktiv in Zusammenarbeit mit der Tertia Berufsförderung betrieben wird, seine Türen geöffnet. Hier sollen junge Menschen Hilfe finden, die schlechte Startchancen haben, die die Schule abgebrochen oder Schulden haben oder ohne Wohnung sind.

Der Begriff Café für die Einrichtung ist fast eine Untertreibung, denn sie umfasst ein ganzes dreistöckiges Haus. Hier gibt es eine Küche, ein großes Esszimmer, ein gemütliches Wohnzimmer mit selbst gebauten Paletten-Möbeln, einen Kicker, auch Bildschirmarbeitsplätze und einen Boxsack, wenn jemand seinen Frust abbauen muss.

20 junge Leute werden betreut

Insgesamt 20 junge Männer und Frauen werden momentan von den Mitarbeitern – darunter eine Psychologin, ein Ergotherapeut und Sozialarbeiter – betreut. „Sieben weitere stehen noch auf der Warteliste“, sagt Sozialarbeiterin Adrienne Sobotta. Die jungen Leute kommen auf Vermittlung des Jobcenters. Dort sind sie die schweren Fälle, die nur schwierig in einen Job zu bringen sind. Langfristiges Ziel, so Karla Klose, stellvertretende Regionalleiterin von Tertia, sei es, die Klienten in Arbeit zu bringen. Doch das gelingt nur in ganz kleinen Schritten.

Problematisches Elternhaus

„Die Klienten haben die Auflage, mindestens einmal die Woche ins Café zukommen“, sagt Adrienne Sobotta. Wenn sie aber erst diesen Schritt getan haben, kommen die meisten von ihnen häufiger. Denn das Café ist ein wenig auch Zuflucht, vor allem für die Klienten, die keine Bleibe haben, oder aus einem Elternhaus kommen, in dem man sich weniger gern aufhält, sei es dass die Eltern alkoholsüchtig, drogenabhängig oder psychisch krank sind. Hier finden sie unter den Mitarbeiten aber auch unter den Altersgenossen Ansprechpartner. Oft müssen die Mitarbeiter elementare Bedürfnisse erfüllen. „In eines unserer Cafés im Kreis kam vor kurzem ein Mädchen, das hatte keine Schuhe und kein Geld. Da sind dann Mitarbeiter mit ihr Schuhe kaufen gegangen“, sagt Karla Klose.

Ein wenig Familienersatz

In vielen Bereichen ist das Café sogar ein wenig Familienersatz. Die jungen Menschen lernen hier Dinge, die ihre Familien versäumt haben ihnen beizubringen. „Manchen können sich noch nicht einmal ein Brötchen schmieren“, berichtet Arno Landgrafe, Niederlassungsleiter von Tertia. So wird im Café auch gemeinsam gekocht. Es steht eine Waschmaschine bereit, die jungen Leute lernen den Umgang mit ihr.

Langfristig auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen

Aber die Klienten sollen ja nicht nur Lebenspraxis lernen, sie sollen langfristig auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen und ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können. Deshalb helfen Mitarbeiter bei der Berufsfindung, vermitteln Praktika und helfen beim Schreiben von Bewerbungen. Und auch bei sonstigen Behördengängen. Viele der jungen Leute sind verschuldet, hier kann die Schuldnerberatung helfen. Manche haben auch psychische Probleme, auch hier wissen Tertia-Mitarbeiter Ansprechpartner. Den jungen Leuten soll ein dichtes Netz an Unterstützungsmöglichkeiten aufgezeigt werden.

Ein wahres Märchen

Überhaupt hilft es den jungen Leuten, wenn ihre Persönlichkeit unterstützt und das Selbstwertgefühl gesteigert wird. Und manchmal läuft es sogar richtig gut. Wie zum Beispiel bei Chantal. Die junge Frau war Teilnehmerin im BreakUp-Café in Langenfeld. Im Rahmen eines Workshops gestaltete sie einen Raum mit Farbe neu. Das gefiel ihr so gut, dass sie weitere Räume strich und anschließend ein Praktikum bei einem Malerbetrieb absolvierte. Seit September macht sie nun dort ihre Ausbildung. „Das ist fast ein Märchen, aber es ist passiert“, so Karla Klose.

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