Stadtgeschichte

Neues Buch über Velbert im Luftkrieg erschienen

Opfer eines Bombenangriffs vom 26. März 1944 werden aufgebahrt

Opfer eines Bombenangriffs vom 26. März 1944 werden aufgebahrt

Foto: Verlag Scheidsteger

Velbert.   Jürgen Lohbeck beschäftigt sich in seinem Buch mit den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs in Velbert. Zwangsarbeiter bauten tiefe Schutzstollen.

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Auch wenn nach wie vor vielfach die Meinung vorherrscht, dass Velbert im Zweiten Weltkrieg vom Luftkrieg verschont geblieben ist: Auch hier hat es zahlreiche Bombenabwürfe zu verzeichnen gegeben, rund 120 Menschen kamen im Luftkrieg ums Leben. Das alles dokumentiert der Velberter Heimatforscher Jürgen Lohbeck auf anschauliche Weise in seinem neuen Buch „Velbert, Langenberg und Neviges im Luftkrieg 1939-1945“. Dabei fördert er auch buchstäblich neue Aspekte zu diesem Thema zu Tage – etwa zu Luftschutzstollen.

Siebte Buch des Velberter Hobby-Historikers

Das nunmehr siebte Buch des Velberter Hobby-Historikers ist dabei in drei Bereiche aufgeteilt, wie Lohbeck erläutert: „Im ersten Kapitel wird der Bereich Luftschutz und Luftabwehr behandelt.“ Neben Zeitzeugen-Berichten sowie Ausführungen und Fotos etwa zu Flakgeschützen in der Stadt, beleuchtet der 56-Jährige auch umfassend die Bedeutung der – völlig in Vergessenheit geratenen – Stadtstollen.

Diese waren als Luftschutzraum für die Velberter Bevölkerung in 15 Metern Tiefe von Zwangsarbeitern gebaut worden. Die Stollen hätten sich dabei zum Teil über mehrere Etagen erstreckt und seien so riesig gewesen, dass sogar Autos hineingepasst hätten.

„Luftschutzorte erster Ordnung“

So berichtet Lohbeck, der als Qualitätsmanager in der Elektroindustrie arbeitet und ehrenamtlich in der Bodendenkmalpflege aktiv ist, dass es zunächst in der Stadt nur einen Luftschutzbunker gegeben habe – nämlich an der Bismarckstraße. Und das, „obwohl Velbert und Neviges wegen ihrer Schwerindustrie eigentlich Luftschutzorte Erster Ordnung waren“ – also als besonders schutzwürdig galten. Daher seien, neben Luftschutz-Deckungsgräben, ab 1943 über „mehrere Hundert Meter“ Stadtstollen zum Schutz der Bevölkerung angelegt worden. Diese hätten zum Teil auch Platz für 2500 Menschen geboten – zum Beispiel in der Nähe von Industrieanlagen.

190 schwere Sprengbomben

Im zweiten Abschnitt des Buches befasst sich Lohbeck dann mit den vier nachgewiesenen Abstürzen alliierter Flugzeuge auf dem Stadtgebiet. Das hatte er zwar bereits in seinem vorherigen und nun vergriffenen Werk „Abgestürzt“ getan. Doch nun gibt es viele neue Details: So wird erstmalig ein Absturz in Tönisheide dokumentiert.

Im dritten Teil „Verschont???“ geht Lohbeck dann auf das tatsächliche Ausmaß des Luftkriegs in Velbert ein – und widerlegt die Annahme, dass die Stadt nicht so viel abbekommen habe, „auch wenn es im Verhältnis zu Städten im Ruhrgebiet natürlich eher wenig war“. So seien alleine am 26. März 1944 bei Bombenangriffen in Velbert und Neviges 44 Menschen ums Leben gekommen. Und: Neben 190 schweren Sprengbomben seien noch rund 11 000 Stab-Brandbomben abgeworfen worden.

Ausstellung im Schloss- und Beschlägemuseum

Das Thema „Velbert im Luftkrieg“ wird derzeit auch in einer gleichnamigen Schau des hiesigen Bergischen Geschichtsvereins im Schloss- und Beschlägemuseum (Forum Niederberg) beleuchtet. Die Ausstellung, an der Lohbeck mitgewirkt hat, wurde Ende September eröffnet und ist noch bis Ende Januar zu sehen. Dabei betont der Heimatforscher, dass sowohl sein neuestes Buch als auch auf die Schau nicht nur die Ereignisse des Luftkriegs widerspiegeln sollen, sondern auch „als Mahnung gegen den Krieg“ zu verstehen sind.

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