Geschichte

Neue Ausstellung in Velbert mahnt gegen den Krieg

Jutta Scheidsteger und Jürgen Lohbeck bereiten gemeinsam die Ausstellung „Velbert im Luftkrieg“ vor. Diesen Propeller eines deutschen Jagdflugzeugs hat das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Jutta Scheidsteger und Jürgen Lohbeck bereiten gemeinsam die Ausstellung „Velbert im Luftkrieg“ vor. Diesen Propeller eines deutschen Jagdflugzeugs hat das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Foto: Ulrich Bangert

Velbert-Mitte.   Aufbau der dritten Schau des Bergischen Geschichtsvereins geht in die Endphase. „Velbert im Luftkrieg“ profitiert von geleisteter Vorarbeit.

Nach den beiden komplett eigenständigen Ausstellungen des Bergischen Geschichtsvereins (bgv/Abteilung Velbert-Hardenberg) namens „Velbert – Industrie in der Stadt“ und „Velbert – einst bedeutender europäischer Gießereistandort“ ist die nunmehr dritte als Gemeinschaftsprojekt mit dem Deutschen Schloss- und Beschlägemuseum angelegt. „Velbert im Luftkrieg 1939 – 1945“ erinnert an ein Kapitel unserer Geschichte, von dem die meisten Zeitgenossen – falls überhaupt – wohl allenfalls durch Berichte von Erinnerungen deutlich älterer Eltern bzw. Großeltern gehört haben.

Luftschutz und Luftabwehr

Es geht um Luftschutz, Luftabwehr, Flugzeugabstürze und Schicksale. Es ist zwar eine Ausstellung über den Krieg, „vor allem aber eine gegen den Krieg“, wie Jürgen Lohbeck (Konzeption) betont. „Wir wollen damit auch ganz eindringlich warnen und mahnen,“ ergänzt bgv-Vorsitzende Jutta Scheidsteger, „damit so etwas nie wieder passiert!“

Noch ist die letzte Sonderausstellung in dem Industriemuseum, das ja bekanntlich ein neues Domizil bekommt, im Aufbau. Die herangekarrten, schweren Kisten mit Leihgaben sind noch unausgepackt, an den Wänden sind Flächen für 46 Bild- und Texttafeln reserviert. Aber die Simulation eines Luftschutzbunkers mit Originalteilen steht bereits, die Vitrinen füllen sich zusehends mit Dokumenten und Artefakten. Auf einem Monitor laufen schon die Filme über die Kruppsche Nachtscheinanlage und die unvollendet gebliebenen „Stadt-Stollen“.

Hundertfach Teile gefunden und geborgen

Die Schau ist dem Einsatz vieler Ehrenamtler zu verdanken und profitiert nicht zuletzt von der Vorarbeit Lohbecks. Er ist bgv-Vorstandsmitglied, Heimatforscher, ehrenamtlicher Mitarbeiter beim LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Er hat über „Das vergessene Scheindorf“ und den „Krieg vor unserer Haustür“ geschrieben, hat gemeinsam mit drei Co-Autoren „Abgestürzt“ verfasst. Das LVR-Team hat hundertfach Teile abgeschossener und abgestürzter Halifax-Bomber gefunden und geborgen, die ausnahmsweise nicht in einem Depot verschwunden sind, sondern im hiesigen Stadtarchiv aufbewahrt werden dürfen. Auch sie spielen nun eine wichtige Rolle.

Sich um Völkerverständigung bemühen

Velbert sei vom Luftkrieg verschont geblieben, wird oft gesagt. „Das ist richtig“, erklärt Lohbeck, „aber auch nur in Relation z. B. zum Ruhrgebiet oder zu Wuppertal.“ Durch den Luftkrieg seien in Neviges, Langenberg und Velbert mehr als 100 Menschen getötet worden, darunter auch viele Zwangsarbeiter. Und mindestens 13 alliierte Flieger seien ums Leben gekommen. Für Lohbeck und Scheidsteger ist jedes dieser Schicksale ein Antrieb, sich um die Völkerverständigung zu bemühen und sie zu pflegen.

>>>BUCH ZU „VELBERT IM LUFTKRIEG“ IST IN ARBEIT<<<

Die hiesige Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins hat die Palette ihrer Aktivitäten und Angebote seit 2016 um Ausstellungen erweitert, um mehr in die Öffent lichkeit zu gehen. Der erhoffte Effekt ist laut Vorstand eingetreten, „die Resonanz war zuletzt enorm“.

Die neue Sonder- bzw. Wechselausstellung wird am Donnerstag, 27. September, 19 Uhr, mit einer Begrüßung nebst Vortrag im Foyer des Forums sowie anschließender Führung eröffnet. Im Oktober kommt das Buch zu „Velbert im Luftkrieg“ auf den Markt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben