Integration

Mit Herzblut in Velbert für Flüchtlinge aktiv

Juristin Dörte Frisch und Dolmetscher Javad Kasemi bereiten eine afghanische Frau auf die Anhörung für ihr Asylverfahren vor.

Juristin Dörte Frisch und Dolmetscher Javad Kasemi bereiten eine afghanische Frau auf die Anhörung für ihr Asylverfahren vor.

Foto: Uwe Möller

Der Verein „Flüchtlingshilfe Velbert und Projekt Deutsch lernen“ berät an sechs Tagen die Woche Flüchtlinge zu sozialen und rechtlichen Fragen.

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Velbert. Rappelvoll ist der kleine Flur des Vereins „Flüchtlingshilfe Velbert und Projekt Deutsch Lernen“. Männer, Frauen und Kinder, die aus ihren Heimatländern geflüchtet sind, drängen sich auf und neben den wenigen Stühlen, warten auf ihren Termin mit Juristin Dörte Frisch.

Die sitzt mit einer jungen Familie in ihrem Büro. Noch während der Beratung klopfen schon die nächsten Hilfesuchenden ohne Termin an der Tür und bitten darum, vorsprechen zu dürfen. „Hier ist immer so viel los“, sagt Frisch, die sich in ihrem Verein Vollzeit für Flüchtlinge einsetzt.

Frisch und ihre Kollegin Barbara Ginsberg beraten die Asylsuchenden zu sozialen und rechtlichen Belangen, aber auch bei Fragen zu Ausbildung und Arbeitsplatzsuche. Der kleine Verein bietet aber auch Deutschkurse an und stemmt weitere Integrationsprojekte wie „Hallo Nachbar“ (s.u.).

Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit in der Beratungsstelle des Vereins ist es, die Flüchtlinge auf ihre Anhörung im Rahmen des Asylverfahrens vorzubereiten. „Wir simulieren dann eine Anhörung. Das dauert schon mal zwei bis drei Stunden“, sagt Frisch. Gemeinsam wird die Fluchtgeschichte aufgearbeitet. Frisch hilft dabei, die für den Asylantrag relevanten Punkte zu identifizieren. „Ich habe auch schon erlebt, dass Anträge abgelehnt wurden, nur weil die Interviews nicht gut liefen.“

Durch ihre Arbeit will Frisch ein „Minimum an Verfahrensgerechtigkeit“ erreichen und für die Menschen, die zu ihr kommen, „die Weichen stellen so gut es geht“. Für Frisch steht das Einzelschicksal im Mittelpunkt. „Flüchtlinge kann man nicht einfach behandeln wie Nummern“, sagt Frisch.

Rund 20 Dolmetscher stehen dem Verein zur Seite. Zum Beispiel Javad Kasemi, der selbst 2012 aus Afghanistan nach Deutschland kam und seit etwa zwei Jahren im Dauereinsatz als Dolmetscher ist – ehrenamtlich. „Die Übersetzer sind auch Brückenbauer in die neue Kultur. Ihr Einsatz wird viel zu wenig gewürdigt“, sagt Frisch.

In bislang über 1800 Beratungen stand der Verein im laufenden Jahr Geflüchteten zur Seite, bis Jahresende sollen es über 2000 sein. Im Schnitt zehn Beratungen pro Tag und Mitarbeiter; an sechs Tagen die Woche; eine Wochenarbeitszeit von etwa 60 Stunden. „Es ist unglaublich mit wieviel Herzblut Frau Frisch das macht“, sagt Praktikantin Gulnara Ikramova. „Die Schicksale haben mich so mitgenommen, ich konnte die ersten Nächte nicht schlafen.“

Der Verein würde gern mehr Personal einstellen. „Dann müssten die Leute nicht mehr drei, sondern vielleicht eineinhalb Stunden warten“, sagt Frisch. Und dann würde es vielleicht auch im Flur des Vereins ein wenig leerer.

Deutschlehrerinnen ausgezeichnet

Der Verein „Flüchtlingshilfe Velbert und Projekt Deutsch lernen“ wurde für seine Arbeit schon mehrfach ausgezeichnet. Letzte Woche belegte das Deutschlehrerinnen-Team um Jacqueline Montemurri-Jarnicki den zweiten Platz beim Regionalentscheid zum Deutschen Bürgerpreis, einem bundesweiten Wettbewerb, der ehrenamtliches Engagement würdigt. „Ich dachte, ich melde uns da einfach mal an, um dem Team eine Freude zu machen“, sagt Montemurri-Jarnicki. „Es hat mich selbst gewundert, dass wir so weit gekommen sind, es gibt ja so viele, die sich engagieren.“ Sieben Frauen bringen im Projekt neben Beruf und Familie erwachsenen Flüchtlingen die deutsche Sprache näher. Montemurri-Jarnicki: „Wir sind die Andockstelle für Leute, die keinen Integrationskurs bekommen, zum Beispiel weil sie aus einem sicheren Herkunftsland stammen. Oder auch für Leute, die ganz frisch da sind und schon etwas tun wollen.“ „Deutsch lernen“ erhielt bereits 2013 den Integrationspreis der Stadt und war Preisträger im Bundeswettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“.

„Hallo Nachbar – Willkommenskultur mal anders“ heißt ein weiteres Projekt des Vereins. Es wurde 2015 mit dem Integrationspreis der Stadt und bei „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ gewürdigt. Hier bringen Flüchtlinge Interessierten ihr Heimatland näher und sprechen über ihre Flucht.

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