Fotoprojekt

Langenberger Fotografin lichtet Menschen mit Makeln ab

Die 24-Jährige möchte die Schönheit eines jeden, unabhängig von augenscheinlichen Fehlern zeigen.

Die 24-Jährige möchte die Schönheit eines jeden, unabhängig von augenscheinlichen Fehlern zeigen.

Foto: Viktor Gurov

Langenberg.  Für das Projekt „einzig-art-Ich“ stehen vor Vanessa Schäfers Kamera Models, die innere und äußeren Narben tragen. Langenbergerin will Mut machen.

Wenn Vanessa Schäfer die Linse ihrer Kamera scharf stellt, kann sie bis in das Innerste der Menschen blicken, die sie ablichtet. Dorthin, wo die innere Schönheit jedes Menschen wohnt. Unabhängig davon, welche scheinbaren Makel dem oberflächlichen Schönheitsideal der Gesellschaft nach das Äußere zeigt. Für ihr Projekt „einzig-art-Ich“ schießt die Fotografin aus Langenberg deshalb Fotos von Menschen mit augenscheinlichen Makeln. „Ich finde, dass jeder Mensch schön ist“, sagt die 24-Jährige, und zwar jeder auf seine eigene Weise.

Schön sein trotz Ecken und Kanten

Ihre Models zieren Narben, Feuermale oder Segelohren, sie sitzen im Rollstuhl, leben mit chronischen Erkrankungen und haben schwere Schicksalsschläge verkraften müssen; sie alle haben Ecken und Kanten. Und obwohl sie alle diese Besonderheiten eint, möchte Vanessa Schäfer nicht ihre Makel im Bild festhalten, „sondern der Mensch soll im Fokus stehen“. Anfang des Jahres ist ihr „Herzens-Projekt“ gestartet, mittlerweile standen knapp 20 Menschen im Rahmen von „einzig-art-Ich“ vor der Kamera.

Die beste Freundin was das erste Motiv

Die Idee für dieses besondere Foto-Projekt kam der jungen Fotografin, seit ihre beste Freundin nach einem schweren Unfall selbst große Narben auf der Haut trägt. „Nach dem Unfall lag Ariane sieben Wochen im Koma“, erinnert sich die Langenbergerin an die schwere Zeit. Die junge Frau habe im Anschluss im Rollstuhl gesessen, zahlreiche Narben seien auf ihrem Bauch zurückgeblieben. Bis heute noch kämpft sich Ariane zurück ins Leben, arbeitet mittlerweile wieder, beendet ihr Studium.

Was der Mensch erlebt hat, macht ihn aus

Doch die vielen Narben, die ihren Bauch zeichnen, hindern sie anfangs daran, wieder voll am Leben teilzuhaben. „Beim Schwimmen hat sie sich zum Beispiel zunächst geschämt“, erzählt Vanessa Schäfer. Und da kam der Langenbergerin die Idee: „Ich wollte Fotos von ihr machen, um ihr zu zeigen, dass das nicht so schlimm ist, dass diese Narben jetzt zu ihr gehören.“ Denn, da ist sich die Fotografin sicher, „alles was ein Mensch erlebt hat, macht ihn erst zu dem, der er ist.“

Die Natürlichkeit festhalten

Und diese Echtheit, diese Natürlichkeit möchte Vanessa Schäfer festhalten. Ihre Models müssen deshalb keine Erfahrung haben, sich nicht in gezwungene Posen schwingen oder ihre Schokoladen-Seiten nach vorne drehen, sie sollen ganz sie selbst sein. Ein bisschen wirke das sogar wie eine Therapie.

Fotografiert werden gibt Kraft

„Das gibt allen total viel Kraft. Ich bekomme fast täglich Nachrichten von Menschen, die auch Teil dieses Projektes werden möchten“, freut sich die 24-Jährige. So habe sie es schon erlebt, dass eine Frau fast vier Stunden angereist ist, um vor ihrer Kamera zu stehen. Und nach dem Shooting geht der Austausch weiter: Die Teilnehmer vernetzten sich, sprechen über Erfahrungen, geben sich gegenseitig Kraft und treffen sich privat: „Es ist eine ganz tolle Gemeinschaft daraus entstanden.“

Jede Menge Glücksgefühle

Von Depressionen über Borderline bis hin zu Hautkrankheiten kommen Vanessa Schäfer jedoch nicht nur Persönlichkeiten vors Auge, sondern ihr auch traurige Geschichten zu Ohren. „Ich fühle mit den Menschen mit, das ist klar“, sagt die Langenbergerin, „das ist für mich aber nichts Negatives, im Gegenteil, ich sehe ja, wie glücklich sie sind.“ Und dieses Gefühl macht sich am Ende auch bei der jungen Frau breit: „Ich sehe, dass ich mit der Idee Menschen erreiche. Das sorgt bei mir für jede Menge Glücksgefühle.“

>>JEDER KANN MITMACHEN

  • Die Geschichten der Models können Interessierte auf dem Blog nachlesen. Auf diesem lädt Vanessa Schäfer regelmäßig neue Beiträge hoch.


  • Wer im Rahmen des Projekts auch mal vor der Linse der Fotografin stehen möchte, kann sich jederzeit melden. Alle Infos gibt es auf www.vsfotografie.com.

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