WAZ-Serie

Im Missionsmuseum der Franziskaner gab’s auch wilde Tiger

Auf dem Klostervorplatz stand bis zum Bau des Mariendoms das Franziskaner-Missionsmuseum. Heute ist dort, hinter einer Hecke, der Parkplatz der katholischen Gemeinde. Links ist die Klosterpforte.

Auf dem Klostervorplatz stand bis zum Bau des Mariendoms das Franziskaner-Missionsmuseum. Heute ist dort, hinter einer Hecke, der Parkplatz der katholischen Gemeinde. Links ist die Klosterpforte.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Velbert-Neviges.  Das Franziskaner-Missionsmuseum ist Thema der WAZ-Serie „Verschwunden, aber nicht vergessen.“ Zwei pfiffige Pater hatten einst eine zündende Idee

In unserer kleinen Serie, in der wir gemeinsam mit Stadthistoriker Gerhard Haun einige Bauten in Neviges vorstellen, die abgerissen wurden, geht es bei dieser Folge um eine frühere Attraktion der Stadt: das Franziskaner-Missionsmuseum. Aufgebaut im Jahr 1933 nach der Idee zweier pfiffiger Franziskaner-Pater, die aus heutiger Sicht erfolgreiche Marketing-Manager abgegeben hätten. „Pater Gabriel Schmidt, der damalige Wallfahrtsleiter, konnte sehr gut organisieren und Pater Elpilius war ein hervorragender Prediger. Die beiden haben ordentlich Schwung in die Wallfahrt gebracht, die waren ein gutes Team“, erzählt Gerhard Haun.

Pater rührte fleißig die Werbetrommel

Vor allem Pater Gabriel rührte damals kräftig die Werbetrommel. So hatte er unter anderem einen Film gedreht, den er auch in anderen Pfarreien zeigte. Der kleine Streifen pries die Schönheit von Neviges im Allgemeinen und die der Wallfahrt im Besonderen an. Und, höchst fortschrittlich: Pilger, die mit der Bahn anreisten, bekamen ein vergünstigtes Ticket. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten und stellte die Franziskaner vor ein Problem, das man heute gerne hätte: Wie bewältigt man am besten die Massen von Pilgern, die von Mai bis Oktober das kleine Neviges überschwemmen?

Die Pilger bei Laune halten

„Sie müssen sich vorstellen: Es war so voll, dass die Elberfelder Straße oft völlig verstopft war, schwarz vor Menschen“, erzählt der Stadthistoriker. Kein Durchkommen habe es oft auch in der so genannten „Kaffeewasser-Straße“ gegeben, der Verbindung zwischen Löher Straße und Elberfelder Straße, also der heutigen Klosterstraße. „Die Pilger gingen vormittags in die Messe, auch zum Kreuzberg und Marienberg. Aber danach hielten sie sich draußen auf. Man hatte jetzt das Problem, die Menschen irgendwo unterzubringen.“ Und bei Laune zu halten, bis sie am Spätnachmittag mit dem Zug oder auch Bus wieder nach Hause fuhren.

Knabenschule stand leer

Pater Gabriel, der viel Kontakt zu den Missionaren unter den Franziskanern hielt, hatte die Idee eines Missions-Museums. Ein Haus, das all die Schätze aus fernen Ländern zeigt, die die Brüder in den Jahren mitbrachten. Als Gebäude wählte man die ehemalige Knabenschule schräg neben dem Kloster, auf dem Gelände des heutigen Gemeindeparkplatzes. Nach dem Bau der Volksschule Weststraße im Jahr 1917 stand die alte Knabenschule jahrelang leer.

Sammlung aus aller Welt

„In den verschiedenen Klöstern hatte sich so einiges angesammelt, was die Franziskaner von ihrer Mission mitgebracht hatte. Pater Gabriel sorgte dafür, dass es nach Neviges kam“, so der Stadthistoriker. Als erstes sei nach der Eröffnung 1933 der chinesische Raum eingerichtet worden: mit riesigen Porzellanfiguren, prächtigen Seidengewändern und Hochzeitskleidern chinesischer Bräute. Im brasilianischen Trakt dagegen gab es jede Menge aus dem Amazonas zu sehen. „Später wurde die australische Abteilung eingerichtet und das östliche Afrika“, erzählt Gerhard Haun, der sich noch selbst an das Museum erinnern kann. „Die Ausstellungsstücke standen in Vitrinen, die Wände waren gold-gelb bespannt.“

Besucher stürmen ins neue Museum

Masken aus Afrika, Eingeborenen-Waffen, Schmuck der Ureinwohner, heidnische Kultgegenstände, Elfenbeinschnitzereien – das Museum war in allen Räumen gut ausgestattet. Und die Massen kamen und staunten, vor allem auch über die ausgestopften Tiere. „Schlangen, Raubtiere, und mittendrin plötzlich ein Franziskaner mit Kutte als Schaufensterpuppe“, erzählt Gerhard Haun schmunzelnd. Das Konzept der Pater ging auf: Nicht nur, dass die Pilger sich lieber wilde Tiger anschauten als sich auf der Straße aufzuhalten. Das Museum wurde zudem auch schnell ein beliebtes Ausflugsziel, eine Attraktion auch für Besucher aus dem Umland. „Schon in den ersten Wochen zählte man 15.000 Besucher.“

Nach dem Krieg haben die Franziskaner das Missionsmuseum zunächst wiederbelebt, später wurde die Sammlung an die Bruderschaften zurückgegeben. In den fünfziger Jahren nutzten katholische Jugendgruppen das Haus als Treffpunkt. Im Herbst 1965 war das Haus Geschichte. Mit den Vorbereitungen zum Bau des Mariendoms rollte die Abrissbirne an.

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