Historisches

Frauenfriedensbewegung gründete sich 1951 in Velbert

Velbert.   Vor bald 65 Jahren stand Velbert politisch auf der großen Bühne: Hier gründeten fast 1000 Teilnehmerinnen die Westdeutsche Frauenfriedensbewegung.

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„Am Sonntag fand in Velbert in aller Stille eine Masseninvasion von Frauen aus dem Bundesgebiet statt.“ So beginnt ein Artikel der Velberter Zeitung vom 16. Oktober 1951. Hintergrund war ein Kongress, auf dem sich die Westdeutsche Frauenfriedensbewegung, kurz WFFB, gründete. Fast 1000 Teilnehmerinnen und – ja, auch das gab es – Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet waren in den Rheinischen Hof gekommen.

Presse ist argwöhnisch

Ziel der WFFB war es, „in allen Frauen das Bewußtsein ihrer Verantwortung für die Gestaltung des öffentlichen Lebens [zu] wecken, damit sie gemeinsam arbeiten für die Wiederherstellung der Einheit unseres Vaterlandes, für Abrüstung bei uns und in der Welt, für die Freihaltung unseres Bodens von atomaren Waffen, einerlei, wer sie besitzt und wo sie hergestellt sind, für eine Verständigung unter den Völkern trotz ihrer Verschiedenheiten“, hieß es in der Gründungserklärung. Und weiter: „Sie will den Frieden in der Welt, ohne den auf die Dauer kein leibliches, geistiges und seelisches Wohlergehen unter den Menschen herrschen kann.“

Von der Presse wurde die Tagung auch begleitet, obwohl – wie sich der Berichterstatter der Rheinischen Post beschwerte – nur die KPD-nahe Zeitung „Freies Volk“ eine Einladung erhalten hatte. Allerdings fürchteten sowohl die Velberter Zeitung als auch die Lokalausgabe der Rheinischen Post, dass sich hinter dem Kongress eher kommunistische Umtriebe verbergen würden – auch wenn die Velberter Zeitung diese Vorwürfe im Artikel immerhin etwas abschwächte.

In den linken Organen wiederum stand die Überparteilichkeit der Teilnehmer im Fokus. Das „Neue Deutschland“ – damals das Zentralorgan der SED – etwa widmete den Ereignissen fast eine halbe Seite, zitierte ausführlich aus den Vorträgen und listete beinahe genüsslich auf, welchem Spektrum die Teilnehmer angehörten: „Von den 816 Teilnehmerinnen aus allen Teilen Westdeutschlands gehörten 32 der CDU, 46 der SPD, 47 der KPD, 17 der Zentrumspartei an.“ Dazu kamen Ehrengäste aus Politik und Kirche.

Zu den mehr oder weniger prominenten Rednern gehörten Maria Deku von der Aachener CDU, die sich in ihrem Vortrag gegen die Einführung der Wehrpflicht stellte; Henriette Rühle (Zentrum) aus Opladen, die für bessere Bildung statt Militarisierung eintrat: „Wir Mütter werden nicht mehr zusehen, daß man unsere Söhne in Uniformen steckt, daß unsere Kinder Waffen tragen, um den Tod in andere Länder zu bringen. [...] Wir verlangen vom Bundestag, daß er alle verfügbaren Mittel für die Erziehung unserer Kinder verwendet, statt sie für eine Remilitarisierung auszugeben.“; und Klara Faßbinder, Professorin für Geschichtspädagogik an der Pädagogischen Akademie Bonn, deren weltweite populäre Friedensaktivitäten ihr später den Namen „Friedensklärchen“ einbrachten und die aufgrund ihres Engagements in der Friedensbewegung eines der ersten Berufsverbotsopfer in den 1950er Jahren wurde.

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