Integration

Flüchtlinge stellen Velbertern ihre Kultur vor

Dickyi Dolma (links) kommt aus Tibet, Muharram Saypicken (rechts) aus Uigurien. Beide Gebiete gehören inzwischen zu China.

Dickyi Dolma (links) kommt aus Tibet, Muharram Saypicken (rechts) aus Uigurien. Beide Gebiete gehören inzwischen zu China.

Foto: WAZ FotoPool

Velbert.   Muharram Saypicken und Dickyi Dolma gehören zu Minderheiten in China. Saypicken ist Uigurin, Dolma Tibeterin. Beide sind aus der Volksrepublik geflüchtet und leben derzeit im Übergangsheim für Flüchtlinge in Velbert. Hier stellten sie nun einer ganzen Reihe Zuschauer ihre Kultur vor.

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„Hallo Nachbarn! – Willkommenskultur mal anders“ war das Motto, unter dem der Verein „Flüchtlingshilfe Velbert“ nun schon zum dritten Mal in die Tal­straße geladen hatte. Wieder mal mit Erfolg: Zahlreiche Nachbarn und Interessierte nahmen das Angebot begeistert an, die Herkunftsländer der Flüchtlinge kennenzulernen, Unbekanntes über deren Kultur zu lernen und zu erfahren, was Menschen zu dem Entschluss bringt, ihr Heimatland zu verlassen.

Auf dem Programm standen Tibet und Uigurien, liebevoll präsentiert von der Uigurin Muharram Saypicken und der Tibeterin Dickyi Dolma. Während das Publikum den Deutschkenntnissen Saypickens Bewunderung zollt, versorgt die ihre Zuhörer mit Fakten über ihre Heimat. Den Fragen, die auf ihren Vortrag folgen, stellt sie sich gern, berichtet aus eigener Erfahrung über die Strapazen der Reise, die Gefahren und Unsicherheiten, denen sie sich während ihrer Flucht zu stellen hatte.

Mittelpunkt des Abends waren jedoch die Heimatländer der Gastgeberinnen selbst: Die Verbindung Uiguriens zur türkischen Kultur wurde erklärt, ebenso wie die unterschiedlichen Alphabete, die die Uiguren beherrschen. Beispiele an der Tafel durften nicht fehlen, ist Saypickens Beruf doch Lehrerin.

Traditionelle Gerichte für die Gäste

Vom „Dach der Welt“ erzählt anschließend Dolma: Sichtlich nervös, aber mit viel Freude über das Interesse ihrer Zuhörer, berichtet sie von der Lage der Tibeter als Minderheit im eigenen Land und erklärt, wie dort die tibetische Sprache verdrängt wird. Ob sie noch Tibetisch spreche, lautet die Frage aus dem Publikum, woraufhin die Rednerin ihre Zuhörer in der exotisch klingenden Sprache willkommen heißt.

Doch nicht nur mündliche Vorträge bringen den Anwesenden die fernen Länder näher. An Ort und Stelle tischen Dolma und Saypicken Köstlichkeiten aus ihren Heimatländern auf. Die Herstellung der fremden Gerichte wird dem neugierigen Publikum erklärt, dann genießen die Anwesenden pikante Suppe aus Uigurien, Teigtaschen und tibetischen Buttertee mit Salz. „Alles wird mit den Originalzutaten zubereitet“, schwärmt Besucherin Ruth Scharf, „Geschmacksverstärker findet man dort nicht.“ Die pensionierte Lehrerin gibt ehrenamtlich Deutschunterricht, kennt daher einige der Flüchtlinge persönlich. Wie diese ihre Lebenslage meistern, begeistert sie. Den Vortrag zum Titel „Out of China“ wollte sie sich daher nicht entgehen lassen.

Lange Vorbereitung

Ins Leben gerufen wurde er von Dörte Frisch, Gewinnerin des Integrationspreises der Stadt Velbert. „Die Menschen, die aus fernen Ländern zu uns kommen, bergen solch einen reichen Schatz“, findet sie, „daran wollten wir andere teilhaben lassen“. Etliche Arbeitsstunden seien investiert worden; das Ergebnis begeistert die Zuhörer. „Für die Themen der Vorträge habe ich mich gleich interessiert“, erzählt Esmir Divljanovic, Mitglied im Integrationsrat. Über die Heimatländer der Flüchtlinge zu lernen, halte er für eine wichtige Erfahrung. „Integration ist keine Einbahnstraße.“

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