Soziales

Dörte Frisch aus Velbert ist Fachfrau für Flüchtlingsfragen

Dörte Frisch (links) leitet nun die regionale Beratungsstelle für Flüchtlinge an der Talstraße. Das gemeinsame Formularausfüllen ist dabei Alltag.

Dörte Frisch (links) leitet nun die regionale Beratungsstelle für Flüchtlinge an der Talstraße. Das gemeinsame Formularausfüllen ist dabei Alltag.

Foto: Socrates Tassos/FUNKE Foto Servi

  Mit überdurchschnittlichem Engagement kümmert sich Dörte Frisch mittlerweile auch hauptamtlich um die Nöte der Asylbewerber.

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Im Asylbewerberheim an der Talstraße geht es zu wie in einem Taubenschlag. Während sich in einem Raum ein Grüppchen Flüchtlinge zum Deutschunterricht bei einer ehrenamtlichen Lehrkraft eingefunden hat, warten auf einer Bank afrikanisch anmutende Frauen auf einen Gesprächstermin und im Beratungsraum daneben kämpft eine Familie darum, ihre Kinder als solche anerkannt zu bekommen. Mittendrin: Dörte Frisch, Rechtsassessorin, Mediatorin und seit Februar dieses Jahres offiziell vom Land bezuschusste Flüchtlingsberaterin.

Familienname falsch notiert

„Bei dieser Familie aus Afghanistan gab es Probleme, weil das Bundesamt bei der ersten Registrierung die Namen falsch aufgeschrieben hat und sie jetzt darum bangen müssen, dass man ihnen die Kinder wegnehmen könnte, weil sie nicht den selben Namen wie die Eltern tragen“, erläutert sie die Situation der im Raum sitzenden Gruppe. Nur eines der Probleme, um das sich Dörte Frisch, jetzt offiziell als Leiterin der Regionalen Beratungsstelle, kümmert. „Ich mache hier die soziale Beratung für die Flüchtlinge. Helfe weiter, wenn es Probleme mit dem Schriftverkehr, dem Geld, einer Wohnung oder beim Aufsuchen eines Arztes gibt.“

Ehrenamtlich tut sie das bereit seit 2011, als sie Deutschkurse für diejenigen anbot, für die keine Mittel zur Verfügung standen, nun sei ihr Kundenstamm mittlerweile gewachsen, wie sie augenzwinkernd bemerkt. „Es ist mir immer noch ein Dorn im Auge, dass Menschen, über deren Aufenthaltserlaubnis manchmal über Jahre hinweg nicht entschieden wird, nicht arbeiten können, obwohl es rechtlich ginge, weil ihnen einfach die Sprachkenntnisse fehlen und sie Sprachkurse nicht bezahlt kriegen.“

Je mehr präsent Frisch vor Ort wurde, desto mehr hat sich ihr Tätigkeitsfeld ausgeweitet. So bereitet sie die Flüchtlinge auf ihre Anhörung vor, verteilt dafür Broschüren in verschiedenen Sprachen, besorgt einen Dolmetscher, wenn nötig oder sorgt dafür, dass Kinder und junge Erwachsene über Kooperationen mit Schulen und dem Berufskolleg Bleibergquelle in die Schulen kommen, um Deutsch erlernen zu können. „Der Schlüssel für Integration ist die Sprache“, ist sie überzeugt und kann Beispiele nennen, wo diese Rechnung aufgegangen ist. So ist ein Vorstandsmitglied des von ihr gegründeten Vereins Flüchtlingshilfe Velbert und Projekt Deutsch Lernen e.V., unter dem sich seit 2014 alle ihre Projekte versammeln, mittlerweile als dringend benötigte Fachkraft „Mechatroniker“ tätig.

Flüchtlinge werden einbezogen

Weil sie Wert auf eine gelebte Willkommenskultur legt, wurden von Anfang an auch die Flüchtlinge in ihre Arbeit mit einbezogen. So wurde ein Kulturangebot geschaffen, bei dem Flüchtlinge verschiedener Herkunftsländer an einem Abend Velberter Bürgern verschiedene Aspekte ihrer Landeskultur vorstellen.

Mittlerweile kann die Rechtsassessorin auf einem Pool ehemaliger Deutschschüler unter den Flüchtlingen bauen, die sprachunkundige Flüchtlinge auf Behördengängen oder zum Arzt begleiten. Froh ist Frisch auch darüber, dass sie auf ein großes Netzwerk von sowohl ehrenamtlichen, städtischen und auch karitativen Mitarbeitern zurückgreifen kann: „Wir gehen alle in dieselbe Richtung“, betont sie.

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