Gewerbegebiet

Bürgerinitiative präsentiert eigenes Gutachten

Um dieses Areal geht es: Hier, südlich der Langenberger Straße, soll das neue Gewerbegebiet entstehen.

Um dieses Areal geht es: Hier, südlich der Langenberger Straße, soll das neue Gewerbegebiet entstehen.

Foto: Artur Busse

Velbert-Mitte.   Die Bürgerinitiative Große Feld hat ein eigenes Gutachten zu dem geplanten Gewerbegebiet erstellen lassen. Stadt steuere „finanzielles Fiasko“ an

Mitten auf dem Feld, zwischen den Rüben, hat der Landwirt einen breiten Streifen gemäht. Außer Gras wächst dort nichts. Fast den ganzen Hang hoch zieht sich dieser Streifen. „Das hat der Landwirt nicht umsonst gemacht“, sagt Dr. Johannes Botschek. Er ist von der Landwirtschaftskammer NRW bestellter Sachverständiger für Bodenkunde und hat für die Bürgerinitiative Große Feld ein Gutachten zu dem Areal erstellt, auf dem nach dem Willen der Stadt Velbert ein neues Gewerbegebiet entstehen soll.

Landwirt befährt gefährdeten Streifen nicht mehr

Dass der Landwirt den Streifen nicht mehr mit Landmaschinen befährt liegt einfach daran, dass sich im Untergrund plötzlich auftretende Löcher bilden können. Grund dafür ist unterirdisch abfließendes Wasser, was zu so genannter Tunnelerosion führt. „Das Wasser nimmt Bodenmaterial mit“, erläutert Botschek, „das führt zu Höhlungen. Diese Höhlungen können wachsen und einstürzen.“ Vor allem wenn ein Mensch, ein Tier oder gar ein Fahrzeug den Boden oberhalb dieser Höhle belastet. „Wo das passiert, lässt sich allerdings nicht seriös voraussagen“, fährt Botschek fort. Nur so viel: „Das ist für Mensch und Tier nicht ungefährlich.“ Im Bergischen Land sei das Phänomen durchaus nicht selten.

Wo genau das Wasser herkomme, das wisse er auch nicht. Er empfehle „weitere Explorationsmaßnahmen“, also weitere Untersuchungen des Bodens. Denn es könne einerseits unterirdische Quellen geben, es könne sich aber auch um Regenabfluss handeln. „Und genau das ist einer der Punkte, an dem wir das städtische Gutachten für mindestens nachbesserungswürdig halten“, ergänzt Artur Busse, erster Vorsitzender der Bürgerinitiative.

Appell an Ratsmitglieder

Die Folgen für ein geplantes Gewerbegebiet liegen auf der Hand: „Baugruben können voll laufen, Böschungen abrutschen, Maschinen einbrechen“, sagt Botschek. Es gebe also „unkalkulierbare Risiken“, gar ein Geo-Risiko. Für Artur Busse eine Steilvorlage. Er wirft der Stadtverwaltung vor, auf ein „finanzielles Fiasko“ zuzusteuern. „Es gibt kein wirtschaftlich nachvollziehbares Motiv, an dieser Stelle Gewerbe anzusiedeln“, sagt er. Stattdessen gebe es ein hohes Risiko – nicht nur für die Investoren sondern auch für die Steuerzahler. „Aber“, sagt Busse, „ich habe das Gefühl, dass hier der politische Wille mit der Brechstange durchgesetzt werden soll.“

Er appelliere an alle Rats- und Ausschussmitglieder, sich noch einmal intensiv mit den Gutachten zu befassen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben