Flüchtlings-Projekt

Awo und NWA wollen junge Flüchtlinge in Arbeit bringen

Jolanta Kaminski leitet die Flüchtlinge beim Holzbau an. Mohamed (weißer Pulli) und Mohamed (roter Pulli) haben einen Ausbildungsplatz in Aussicht.

Foto: Ulrich Bangert

Jolanta Kaminski leitet die Flüchtlinge beim Holzbau an. Mohamed (weißer Pulli) und Mohamed (roter Pulli) haben einen Ausbildungsplatz in Aussicht. Foto: Ulrich Bangert

Velbert.   Die Werkstätten des Kreises Mettmann und die Awo arbeiten zusammen, um jungen Flüchtlingen eine Chance für eine Ausbildung zu bieten.

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Mohamed ist 21. Amüsiert beobachtet der großgewachsene Marokkaner, wie ein anderer junger Mann aus seiner Gruppe fürs Fernsehen interviewt wird. Mohamed ist Flüchtling, lebt seit 16 Monaten in Deutschland und nimmt derzeit an einer Art Praktikum teil. „Wir nennen das lieber Arbeitserprobung“, erläutert Volker Werner. Er ist Prokurist bei der Awo und begleitet an diesem Morgen Projektleiter Frank Rimbach zum Ortstermin in der Niederbergischen Werkstatt zur Arbeitsförderung (NWA).

Drei Projektabschnitte

Eine besondere Zusammenarbeit, denn sonst werden in der Einrichtung Menschen mit Behinderung beschäftigt. „Aber es gibt hier einen entscheidenden Vorteil“, sagt Werner. „Hier ist das Arbeitstempo etwas niedriger, dadurch haben wir Zeit, mit den jungen Männern zu arbeiten.“ Und die wiederum haben die Chance, auch mal mit den NWA-Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen, so ihre Sprachkenntnisse zu verbessern.

Aufgebaut ist das Projekt in drei Abschnitte: Holzbearbeitung, Metallbearbeitung, (Groß-)Küche. „Wir wollen sehen, welche Fertigkeiten die Jungs haben“, sagt Frank Rimbach. Denn die Voraussetzungen sind unterschiedlich: Einige der jungen Flüchtlinge haben in ihrem Heimatland die Schule abgeschlossen oder schon in einem Beruf gearbeitet. Andere haben sich auf der Flucht mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. „Nur ist in vielen Herkunftsländern das System ein anderes“, erläutert der Projektleiter. „Wenn sie da zwei Jahre beim Onkel in der Autowerkstatt mitgearbeitet haben, sind sie Mechaniker.“ Dass das aber in Deutschland nicht reicht, man deshalb noch mal zu einer Schule müsse, „das müssen wir den Jungs erst einmal erklären.“

Vier Monate dauert diese Maßnahme, begleitet von Integrationskursen, die auch die Awo anbietet. „Was uns als Träger besonders Spaß macht ist, dass die Männer, die wir hier begleiten, unglaublich motiviert sind. Die wollen mitmachen.“ Und nehmen dafür einiges in Kauf. Mohamed Diallo aus Guinea etwa fährt jeden Tag von Erkrath mit dem Bus nach Velbert. Gut zwei Stunden ist er dafür unterwegs – pro Strecke. „Dann arbeitet er, abends lernt er deutsch. Wir haben einen Riesenrespekt vor diesem Engagement“, loben Rimbach und Werner.

Für den 21-Jährigen scheint sich der Einsatz zu lohnen: In seiner Heimat hatte er als Fließenleger gearbeitet, hier hat er inzwischen eine Praktikumsstelle in eben diesem Beruf sicher. „Klappt das von beiden Seiten“, erläutert Frank Rimbach, „sind die Chancen auch gut, dass er einen Ausbildungsplatz erhält.“ Eine Ausbildung möchte auch Mohamed aus Marokko machen – allerdings nicht im Handwerk. „Wir haben mit ihm lange geredet, ihn gefragt, was er gerne machen möchte, im gezeigt, wo Bedarf ist“, sagt Volker Werner. „Ich habe mich dann entschieden, Erzieher zu werden“, ergänzt Mohamed. Wozu er ausdrücklich ermuntert wird. „Er spricht vier Sprachen – Englisch, Französisch, Arabisch und einen lokalen Dialekt – lernt dazu Deutsch. Das sind fantastische Voraussetzungen.“

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