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Assistenzhunde müssen in Velbert nicht draußen bleiben

Mit vier Augen Maß genommen und dann schön exakt und gerade auf die Scheibe geklebt und glatt gestrichen: Kerstin Griese (MdB-SPD) und SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Barbara Wendt (re.) haben in Velbert den Anfang gemacht.

Mit vier Augen Maß genommen und dann schön exakt und gerade auf die Scheibe geklebt und glatt gestrichen: Kerstin Griese (MdB-SPD) und SPD-Fraktionsgeschäftsführerin Barbara Wendt (re.) haben in Velbert den Anfang gemacht.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert.  Das SPD-Parteibüro Velbert hat den Anfang gemacht und ein Zeichen gesetzt, dass Assistenzhunde willkommen sind. Es gibt aber noch viel zu regeln.

„Such Ausgang, such Ausgang“, ermuntert Marion Höltermann ihre Farah. Und die weiße Königspudeldame – „Sie ist ganz verschmust“ – führt ihr erblindetes Frauchen schnurstracks und sicher an die Tür des Willy-Brandt-Zentrums. Dort sind Assistenzhunde wie auch die Blindenführhündin Farah ausdrücklich willkommen, prangt seit diesem Mittwoch gleich am Eingang eigens ein entsprechender frischer Aufkleber, gleich neben dem Hinweis „Kinder-Notinsel“.

Idee und Sticker sollen schnell Verbreitung finden

Selbstverständlich ist das nämlich keinesfalls, dass speziell ausgebildete Assistenzhunde, die Menschen mit einer chronischen Beeinträchtigung dauerhaft unterstützen und ihnen im Team – genau darauf kommt es an – ein mobileres und unabhängigeres Leben ermöglichen, gerngesehen sind und problemlos Einlass bekommen. In Geschäften, Restaurants, in öffentlichen Gebäuden wie Rathäusern, Theatern oder Büchereien. Anlass genug für Kerstin Griese (MdB-SPD), die bei den Sozialdemokraten an der Schlossstraße ihr Bürgerbüro hat, die Kampagne „Assistenzhunde willkommen“ kräftig mit anzukurbeln. In Berlin, am Ministerium für Arbeit und Soziales, hat die Staatssekretärin von Hubertus Heil bereits geklebt. Nun setzt sie darauf, dass sich die Sticker in Velbert und im gesamten Kreis Mettmann fix verbreiten.

Auch Ausbildung und Anerkennung regeln

Es gebe noch keine gesetzlichen Regelungen so wie für Blindenhunde, sagt Griese, nennt

Krankenversicherer und Finanzierung als Knackpunkte. „Da müssen wir mal gucken, was wir machen können.“ Über die Notwendigkeit, Aspekte wie Rechte, Ausbildung und Anerkennung zu regeln, hinaus gebe es einen großen Aufklärungs- und Informationsbedarf.

Die Einsatzmöglichkeiten sind kaum bekannt

So ist die Einsatzpalette enorm breit, ob bei Autismus, Diabetes, Allergien oder Rollstuhl – „Das alles ist in Deutschland noch weitgehend unbekannt“, sagt Roswitha Warda, Vorstand und Gründerin des Vereins „Pfotenpiloten“. „Acht oder neun von zehn Leuten wissen davon nix.“ Probleme und Konflikte seien leider schnell da, man habe aber attestiert bekommen, dass die Tiere hinsichtlich Lebensmitteln und in puncto Hygiene unbedenklich seien: „Es gibt also keinen vernünftigen Grund Menschen auszuschließen.“

Hündin kennt genau die Frühwarnzeichen

Julia Standke hatte als 18-Jährige die Prognose bekommen, ein Sozialhilfefall zu werden. Mittlerweile hat sie ihr Abi nachgemacht und studiert. Das verdanke sie Cali, erzählt die Vorsitzende von „Assistenzhunde NRW“ und schaut zu ihrer belgischen Schäferhündin. Sie ist speziell ausgebildet als Epilepsiewarnhund, hat – sobald sie bei ihrem Frauchen Frühwarnzeichen wahrnimmt – beispielsweise mehrere Möglichkeiten, daran zu erinnern, dass es wieder höchste Zeit für Medikamente ist. Von dezent bis ganz bestimmt und beharrlich.

Mehr Toleranz und Akzeptanz

Marion Höltermann, die sich persönlich sehr engagiert für die Aufklärungsarbeit einsetzt, wünscht sich im Alltag nicht zuletzt mehr Akzeptanz und mehr Toleranz. Und die Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenvereins Ratingen weiß, dass selbst Blindenführhunde auch nicht immer und überall problemlos Zugang bekommen. Umso mehr hofft sie jetzt darauf, dass die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderte 30-monatige Zutritts-Kampagne, die die „Pfotenpiloten“ durchführen, mit Vorurteilen ordentlich aufräumt und Barrieren beseitigt.

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