Rekord-Alter

Die älteste Sprockhövelerin wurde zu Kaisers Zeiten geboren

Mathilde Mange ist 111 Jahre alt und bei bester Gesundheit. Die Sprockhövelerin zählt zu den ältesten Menschen Deutschlands.

Mathilde Mange ist 111 Jahre alt und bei bester Gesundheit. Die Sprockhövelerin zählt zu den ältesten Menschen Deutschlands.

Foto: Manfred Sander

Sprockhövel.   Mathilde Mange ist mit 111 Jahren die älteste Sprockhövelerin und einer der ältesten Menschen Deutschlands. Ihr ist wichtig, nie aufzugeben.

Als Mathilde Mange am 10. August 1906 im pfälzischen Würrich auf die Welt kommt, regiert Kaiser Wilhelm II. Pferdefuhrwerke prägen das Straßenbild, selbst das Radio ist noch nicht erfunden. Fast ihr ganzes langes Leben hat sie auf dem Dorf verbracht, vor einigen Jahren verließ sie das 150-Seelen-Nest im Hunsrück und wohnt seither bei der Familie ihrer Tochter in Sprockhövel. Wer mit der 111-Jährigen zusammensitzt, erlebt einen rundum glücklichen Menschen.

„Ich habe viel erlebt, und dafür bin ich heute dankbar“, sagt Mathilde Mange. Sie heiratete 1933, bekam zwei Kinder, verlor ihren Mann im Krieg – wann und wo, ist ihr gerade entfallen. Die alte Dame hat viele ihrer Lebensdaten abrufbereit, wenn mal nicht, stiehlt sie sich charmant und mit Augenzwinkern aus der Affäre: „Darüber muss ich erst eine Nacht schlafen.“

Entspannte Stunden in der Tagespflege

Wer mag, kann sie treffen: Dienstags und freitags kommt sie am frühen Nachmittag in die Tagespflege am Turm. Hier an der Bochumer Straße verbringt die Wahl-Sprockhövelerin mit anderen Senioren, die allesamt vom Alter her ihre Kinder oder gar Enkel sein könnten, ein paar entspannte Stunden.

Das Gefühl des Verlustes ihres Mannes ist bei ihr noch präsent. „Allein mit den Kindern, das traf mich doch sehr“, erzählt sie. Ihr Glück, dass sie von ihrer großen bäuerlichen Familie aufgefangen und getragen wurde. Für diese Sicherheit brachte Mathilde Mange jedoch schon seit ihrer Kindheit ihre Arbeitskraft ein. „Auf dem Hof meines Vaters habe ich hart arbeiten gelernt, für eine Ausbildung war gar keine Zeit.“

Als junge Frau ging sie zeitweise in den „Dienst“, führte nebenbei den Haushalt etwa für den Hausarzt. Mathildes Sohn setzt die Familientradition auf dem Lande, die etliche Generationen zurückreicht, noch heute fort. Die alte Dame hat die raue Umgebung des Hofes gegen eine kleine Einliegerwohnung getauscht. „Ich versorge mich weitgehend selbst, stehe morgens nach Lust und Laune irgendwann auf“, berichtet sie fröhlich.

Kein Rezept fürs Altwerden

Am Weltgeschehen ist Mathilde Mange durchaus interessiert, „ich habe einen Fernseher und verfolge die Neuigkeiten. Sie dürfen davon ausgehen, dass ich geistig noch da bin“, sagt sie etwas spitz. Krank gewesen ist Mathilde Mange nach eigener Aussage nie richtig; wer sich von ihr ein Rezept fürs Altwerden erhofft, wird enttäuscht: „Nicht zu sehr über die Stränge schlagen, keinen Unfug machen, das würde ich empfehlen.“

Für die evangelische Christin ist der Glaube an Gott Stütze und Richtschnur; sie zitiert eine biblische Betrachtung von Johannes Gossner, der 1830 schrieb: „Der beste Freund ist in dem Himmel, auf Erden sind die Freunde rar, denn bey dem falschen Weltgetümmel ist Redlichkeit oft in Gefahr.“

Der Mensch braucht offene Augen

Man könnte meinen, Mathilde Mange sei aus der Zeit gefallen, doch das stimmt nicht. Zu Birte Heidemann, der Chefin der Tagespflege, hat sie ein vertrauensvolles Verhältnis. Die junge Frau empfindet die Stunden mit dem greisen Gast als Bereicherung für die anderen Senioren wie auch für sich selbst. „Einmal habe ich sie abends nach Hause gebracht. Da schaute sie nach draußen und war begeistert von der Natur. Der Mensch brauche offene Augen, um die Schönheit zu begreifen, damit er wisse, was er beschützen soll“, erzählt die Einrichtungsleiterin.

Das klingt sehr aktuell, und zwischen Waffel und Kaffee ist es Mathilde Mange wichtig, die Menschen an ihrem persönlichen Credo teilhaben zu lassen: „Das Leben ist nicht geradlinig, es verläuft in Kurven und es ist an uns, das Beste daraus zu machen. Darum: Nie aufgeben und die Welt positiv sehen, Grämen bringt nichts!“

Dann schließt die kleine Frau kurz die Augen, faltet die Hände und stimmt, wie zur Bekräftigung des Gesagten, das Lied „Freut euch des Lebens“ an – mit einer Träne in den Augen und selbstredend alle Strophen.

>>> DIE ÄLTESTEN MENSCHEN

  • Die gebürtige Thüringerin Edelgard Huber von Gersdorff wird mit ihren 112 Lebensjahren als älteste Frau Deutschlands ausgewiesen. Sie ist lediglich fünf Monate älter als Mathilde Mange.
  • Der älteste noch lebende Mann in Deutschland ist Gustav Gerneth, der bereits im Oktober 112. Geburtstag feierte.
  • Als ältester Mensch gilt die Französin Jeanne Calment, die mit 122 Jahren und 164 Tagen starb. Ältester lebender Mensch soll die Japanerin Nabi Tajima sein, geboren am 4. August 1900
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