Wölfe breiten sich aus

Wölfin Gloria beunruhigt einige Oberhausener Eltern

Ein schöner Wolf – ausnahmsweise nicht in der freien Natur, sondern im Gelsenkirchener Zoo, aufgenommen im Frühjahr 2012.

Ein schöner Wolf – ausnahmsweise nicht in der freien Natur, sondern im Gelsenkirchener Zoo, aufgenommen im Frühjahr 2012.

Foto: Matthias Graben

oberhausen.   Wölfin Gloria hat im Oberhausener Norden ein Schaf aus einer Herde gerissen – eine Podiumsdiskussion des BUND zeigt: Das ängstigt einige Bürger.

Viele Oberhausener sind offenbar beunruhigt, seitdem eine Wölfin nördlich der Stadt im Wolfsgebiet Schermbeck sesshaft geworden ist und im Februar sogar ein Schaf in Schmachtendorf gerissen hat. Das zeigte sich bei einem Infoabend unter dem Motto „Der Wolf als Heimkehrer – heißen wir ihn willkommen?“, zu dem die BUND-Kreisgruppe eingeladen hatte.

„Ich habe Angst um meine Kinder, wenn sie im Wald spazieren und spielen wollen“, sagt eine Zuhörerin des prall gefüllten Raumes im Haus Ripshorst. Ehe die beiden Referenten Christine Thiel-Bender und Achim Hertzke die Chance haben, auf die Ängste der Frau einzugehen, geht die lautstarke Diskussion unter den Zuhörern schon los. Ursache der emotionalen Debatte ist die Wölfin Gloria, die am 5. Februar 2019 in einem Wald im Oberhausener Norden ein Schaf aus einer Herde getötet hat.

Wildbiologin: Falsche Horrorstorys

Seit der Jahrtausendwende vor 19 Jahren ist der Wolf wieder vermehrt in Deutschland zu finden. Anhand einer Kartenanimation auf der Leinwand zeigt Wildbiologin Thiel-Bender, wie der Wolf sich von Sachsen aus in den Westen vorgearbeitet hat. Der Wolfbestand in Deutschland wird von der Expertin auf bis zu 558 Tiere geschätzt.

Doch besteht denn nun Grund zur Sorge? Ist man beim Spaziergang durch den Wald noch sicher? In erster Linie sind laut Christine Thiel-Bender ungeschützte Weidetiere und nicht Menschen in Gefahr. „Der Mensch fällt nicht in das Beuteschema eines Wolfes“, macht sie deutlich. „Die Horrorgeschichten, in denen Wölfe Menschen fressen, stammen aus Zeiten des Krieges, in denen auch für den Wolf Nahrungsknappheit herrschte.“

Auch die Zahlen sprechen dafür, dass das Raubtier kein Interesse an Menschenfleisch hat. Zwischen 1950 und 2000 gab es in Europa nur neun Tote durch einen Wolfsangriff auf Menschen. In fünf Fällen handelte es sich allerdings um tollwütige Wölfe. In den anderen Fällen hatten Menschen die Tiere angefüttert und provoziert.

„Die Bejagung des Wolfes lehnen wir ab“

Besonders erhitzt sind die Gemüter der Tierhalter und Züchter, die Angst um ihre Tiere haben. „Wenn Schutzmaßnahmen nicht funktionieren, muss man sie verbessern“, meint dazu BUND-Landesvorständler Achim Hertzke. „Die Bejagung des Wolfes lehnen wir jedenfalls ab.“

Zwar gibt es Entschädigungen bei Wolfsangriffen, doch den Tierhaltern dauert der Prozess viel zu lange, ehe das Land zahlt.

Denn zunächst muss geprüft werden, ob der Tod des Tieres wirklich durch einen Wolfsangriff verursacht wurde. Hierzu müssen die Spuren in ein Labor geschickt werden. „Ein halbes Jahr musste ein Bekannter von mir auf die Ergebnisse warten“, wirft ein verärgerter Zuhörer ein.

Doch bei all den Ängsten, sind auch viele Unterstützer der Wolfs-Rückkehr im Raum. „Der Wolf gehört nun mal in die Natur“, sagt eine Frau. Christine Thiel-Bender unterstützt die Aussage: „Der Wolf muss lernen,wie weit er gehen darf, und der Mensch muss lernen mit dem Tier umzugehen.“

>>>> Verhaltenstipps für Begegnung mit dem Wolf

Bei der Veranstaltung gab es auch Tipps, wie man sich beim seltenen Fall, einem Wolf im Wald zu begegnen, verhalten soll: Auf keinen Fall wegrennen, sondern stehen bleiben. Danach sich langsam zurückziehen, wenn man den Abstand vergrößern will. Auf keinen Fall sollte man versuchen, den Wolf anzufassen. Hunde müssen unbedingt an der Leine geführt werden.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben