Ausstellung

Vom Kohlebrocken zur Zukunft im LVR-Industriemuseum

Auf Kohlen gebettet: LVR-Museumsdirektor Walter Hauser

Auf Kohlen gebettet: LVR-Museumsdirektor Walter Hauser

Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Energiewenden heißt die neue Ausstellung in der Zinkfabrik Altenberg. Faszinierende Exponate erzählen die Geschichte des großen Stromverbrauchs.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der Plural ist entscheidend: „Energiewenden“ heißt die für einige Jahre letzte große Wechselausstellung im „alten“ LVR-Industriemuseum: Vom 20. Oktober 2017 bis zum 28. Oktober 2018 ist sie in der Zinkfabrik Altenberg zu sehen – dann wird die Dauerausstellung bereits ausgeräumt sein.

Doch schon jetzt wurden Tonnengewichte bewegt, um die spektakulärsten Original-Exponate in die neue Ausstellung einzupassen. Der technische Dienst des Industriemuseums, lobt Ausstellungs-Gestalter Oliver Gies, „leistete kleine Wunder“. Dabei wirkt das Segment des 1972 in Sterkrade gegossenen Deckels für den Reaktordruckbehälter des Kernkraftwerkes Würgassen gar nicht sooo beeindruckend – aber wohl nur, weil daneben der Original-Leitstand aus dem AKW (für Gegner: KKW) Philippsburg aufgebaut ist.

Fukushima löste Wende aus

„Unsere gescheiterte Wende“, nennt Walter Hauser die nukleare Wende. Doch dem Direktor des LVR-Industriemuseums geht es gar nicht „nur“ um die lange Vorgeschichte der von der Fukushima-Katastrophe ausgelösten Wende. Wenn man die Geschichte weiter aufblättert, ist sie voller „Energiewenden“ – und aus dieser Perspektive umso faszinierender.

„Wir haben uns richtig ins Zeug gelegt“, versichert Dr. Hauser – glaubhaft angesichts einer höchst attraktiv gestalteten Ausstellung. Das in knapp einem Jahr anstehende Ende des Steinkohlebergbaus will das LVR-Industriemuseum aus einer weiteren Perspektive würdigen. Dennoch fehlt nicht die blank polierte Dampfmaschine, aufgebaut in einem Bett aus schwarzglänzenden Kohlebrocken. „Automotoren sind heute nichts anderes“, sagt Walter Hauser: Wärme wird zu Bewegung, freigesetzt in weltweit einer Milliarde Kraftfahrzeuge.

Das bimmelnde Statussymbol

Die erste „Energiewende“, die viele Menschen überhaupt als solche wahrnahmen – ein volles Jahrhundert nach der Industrialisierung der Arbeit – war die Elektrifizierung der Haushalte. In dieser Abteilung gleicht die Ausstellung dem Museum „Strom und Leben“ im Recklinghäuser Umspannwerk: Historische Haushaltsgeräte faszinieren ebenso wie Rasierwasserwärmer und Diensbotenklingeln, das bimmelnde Statussymbol.

Es war der Beginn unseres heutigen Lebensstils – „und der ist extrem Energie-aufwändig“, betont der Museumsdirektor. Die „Energiewenden“ enden mit Zukunftswerkstätten, deren Ideen sich die Besucher per Tablet erschließen können. Der kleine PC ist als Leihgabe im Eintritt inbegriffen und führt zu 36 Projekten für zukunftsfeste Energien. Mit Aktions-Foren, Exkursionen und Filmabenden kündigt das Industriemuseum ein reichhaltiges Begleitprogramm an.

>>> Wie geht’s weiter?

Die Dauerausstellungim Zentrum Altenberg schließt mit einem Abschiedsfest am 29. April 2018. Nach dem Maifeiertag wird sie ausgeräumt. Dann kommt der Peter-Behrens-Bau als Ausstellungsort zum Zuge.


Die „Energiewenden“ begleiten noch zwei Ausstellungen auf der Galerie. Am 1. November ‘18 schließt das Haus komplett.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben